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Aktion "Augen auf… Gletscherfunde!" in Südtirol

Kategorie: Veranstaltungen, Denkmalschutz
30.05.2014 -   LPA / CS

Mit einem gemeinsamen Aufruf wollen das Südtiroler Archäologiemuseum, das Landesamt für Bodendenkmäler, der Alpenverein Südtirol AVS und der Club Alpino Italiano (CAI) Alto Adige alle, die in den Bergen unterwegs sind, anleiten, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie Funde machen. Die Kooperation unter dem Motto "Augen auf... Gletscherfunde!" wurde heute im Archäologiemuseum in Bozen der Öffentlichkeit vorgestellt.

Vorstellung der Kooperation "Augen auf… Gletscherfunde!" (Foto: LPA)

Vorstellung der Kooperation "Augen auf… Gletscherfunde!" (Foto: LPA)

"Die Archäologie ist bei der Auffindung von Gletscherfunden auf die Hilfe von Menschen angewiesen, die in ihrer Freizeit oder beruflich im Hochgebirge unterwegs sind. Nur wenn Funde gemeldet werden, können sie auch korrekt geborgen, untersucht, konserviert und anschließend in Museen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden", sagte Museenlandesrat Florian Mussner.

Mit einem gemeinsamen Aufruf beabsichtigen die vier Institutionen und Vereine, alle Alpinisten, Bergführer sowie Hüttenwirte darauf aufmerksam zu machen, dass sie auf ihren Touren und Wegen archäologische Objekte antreffen könnten. Der Aufruf beinhaltet dazu praktische Hinweise zum korrekten Verhalten im Falle eines Fundes und führt Adressen auf, an die sich Finder wenden sollen. Der Aufruf wird auch auf Hütten in Gletschernähe zu lesen sein, zusammen mit Informationen zu bestimmten archäologischen Objekten, die in der Nähe der Hütten bereits geborgen wurden.

"Das Eis der Gletscher hat archäologische Überreste über Jahrhunderte, manchmal auch über Jahrtausende konserviert. Die Funde zeugen von der frühen Nutzung des Hochgebirges als Jagdgebiet und Weidefläche für Tierherden oder belegen längst vergessene Verkehrswege", sagte Angelika Fleckinger, Direktorin des Südtiroler Archäologiemuseums. Nicht selten wird laut Fleckinger das Schicksal Einzelner, und dazu gehören der Gletscherfund vom Theodulpass (CH), die Frau vom Porchabella Gletscher (CH), die Funde vom Schnidejoch (CH) und nicht zuletzt der Mann aus dem Eis zum Glücksfall für die Wissenschaft und öffnet einmalige Fenster in längst vergangene Zeit. Die vom Museum initiierte Kampagne solle für dieses Thema sensibilisieren, da Bergsteiger und Bergsteigerinnen in der Regel zufällig auf solche Überreste stoßen, so Fleckinger.

Catrin Marzoli, Direktorin des Amts für Bodendenkmäler verwies auf die Wichtigkeit des richtigen Verhaltens im Falle eines Fundes: "Das Auffinden archäologischer Funde ist meldepflichtig. Ein aus dem Fundzusammenhang gerissenes Objekt verliert seinen größten Wert, nämlich den als historische Quelle unserer Vergangenheit". Sie appellierte deshalb an potenzielle Finder und Finderinnen: "Bitte tragen Sie zur Erhaltung unseres historisch so bedeutenden Erbes bei."

Die aktuelle Sonderausstellung im Südtiroler Archäologiemuseum "FROZEN STORIES - Gletscherfunde aus den Alpen" zeigt den archäologischen Aspekt der Klimaerwärmung auf: abschmelzende Gletscher gaben und geben in den vergangenen Jahren immer wieder archäologische Funde frei; aus der Neuzeit, aber auch aus anderen Epochen. Pflanzliche und tierische Funde geben über Klimadaten und Landnutzung Aufschluss, menschliche Hinterlassenschaften liefern uns handfeste Hinweise darauf, was Menschen dazu bewegte, das Hochgebirge aufzusuchen. Das Eis ist dabei ein idealer Zeitspeicher, der wichtige Informationen über Gebräuche, Gegenstände und Geschichten unserer Vorfahren liefert: Im Gegensatz zu anderen Umgebungen erhalten sich im unter Null Grad auch organische Funde, die unter "normalen" Bedingungen längst vergangen wären. Der Mann aus dem Eis ist nur das berühmteste Beispiel dafür. In FROZEN STORIES sind beispielsweise auch Gamaschen aus Wolle, ein Fallschirm, Bergausrüstung, Waffen und viele andere Gebrauchsgegenstände zu sehen, die in den vergangenen Jahren im Alpenraum ausgeapert sind. Dank der Kontaktaufnahme ihrer Finder mit den zuständigen Institutionen konnten diese Objekte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und stellen eine große Bereicherung für die Geschichtsforschung dar.