3.09.2010 - 12:37:07

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Varus und seine Universallegionäre

Generationes

„2000 Jahre Varusschlacht" – der Termin für dieses "Jubiläum" stand schon lange fest. In der Römer- und Germanenszene laufen seit mehreren Jahren die Vorbereitungen zum großen Spektakel. Zahlreiche Fernsehdokumentationen widmeten sich bereits der Thematik um die missglückte Besetzung Germaniens durch die Römer. Die Großveranstaltung am Ort der Varusschlacht wurde im Juni 2009 abgehalten. Man könnte begeistert sein, mit welch großem Aufwand den Leuten Geschichte näher gebracht werden soll!

Man könnte! Doch wenn man sich anschaut, was einem da all zu oft als „Römer" oder „Germane" vorgeführt wird, ist es einem eher zum Weinen zumute. Wieso wird es nicht für notwendig erachtet, die Sache so zu präsentieren, wie es der aktuelle Forschungsstand zulässt? Ist es nicht machbar, bei einer Thematik, die ins Jahr 9 n. Chr. passen soll, die Akteure mit Material, das dieser Zeit zugeordnet werden kann, auszustatten? Ist es sinnvoll, einem Massenpublikum ständig einen Epochenmix an Ausstattungen zu präsentieren? Das wird sicher nicht zu einem besseren Geschichtsverständnis führen.

Dabei wäre es kein allzu großes Problem, das Ganze mit etwas mehr Niveau zu gestalten – und das mit demselben Aufwand, wie er für die veraltete bzw. falsche Version notwendig ist. Ein wenig mehr Sorgfalt bei der Recherche und etwas mehr Kompetenz bei der Auswahl und Begutachtung der Akteure und Ausstattung würde einem Verantwortungsbewusstsein dem Publikum gegenüber Rechnung tragen.

Aber ist das überhaupt „wichtig", Themen der Geschichte zumindest ansatzweise mit „richtiger" bzw. passender Ausstattung darzustellen? Wir meinen, dass dies eine Grundvoraussetzung für den Erhalt der Glaubwürdigkeit der Archäologie als Wissenschaft und der Museen als Bildungsstätten sein muss.

Oder würden Sie es akzeptieren, wenn Ihnen in einem Beitrag über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan die Soldaten mit Pickelhauben ausgestattet und im Kübelwagen auf Patrouille fahrend gezeigt würden? Sicher nicht!
Für die „Römer" scheint es aber unwichtig zu sein, dass in einer Geschichtsdokumentation über Hannibal einige der Legionäre mit Helmen vom "Typ Weisenau" aus dem Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts ausgestattet sind. Ein anderes Mal wird suggeriert, dass sowohl zur Zeit Caesars wie auch in der Spätantike römische Soldaten mit Schienenpanzern vom "Typ Corbridge" ausgestattet waren – wohl damit sie für jeden auf den ersten Blick als „Römer" erkennbar sind.

Traut man dem Publikum so wenig Kompetenz zu, dass man ihm solch einen Geschichtsmüll vorsetzen kann? Für die Präsentation im musealen Rahmen müssen dringend Mindeststandards festgelegt werden, damit sie nicht in die Beliebigkeit abdriftet. Dies sollte sich nicht nur auf die Ausstattung beschränken, sondern auch eine entsprechende Qualität des Hintergrundwissens und des didaktischen Konzepts der Akteure einfordern.