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Eine Grundlage für künftige wirtschaftsarchäologische Forschungen zur Bronzezeit

Johanna Brinkmann M. A. erhielt den Deutschen Studienpreis für Archäologie 2017

17.9.2017
Johanna Brinkmann M. A. Foto: DGUF/Christoph Rinne
Johanna Brinkmann M.A. in Bibliothek

Während des 9. Deutschen Archäologiekongresses in Mainz verlieh die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e. V. (DGUF) den Deutschen Studienpreis für Archäologie 2017. Ausgezeichnet wurde Johanna Brinkmann (Universität Kiel) für ihre Masterarbeit »Arbeitsaufwandsberechnungen zu Bronzeartefakten – Diachroner Vergleich von Aufwand und Wert in Mitteleuropa«. Die Laudatorin Prof. Dr. Carola Metzner-Nebelsick (Universität München) bezeichnete die Arbeit als Grundlage für weitere wirtschaftsarchäologische Forschungen und künftige bedeutende Referenzquelle. Wir haben mit der Preisträgerin, die derzeit in Kiel an ihrer Promotion arbeitet, gesprochen.

Frau Brinkmann, wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?

Ich wollte in meiner Masterarbeit etwas zur Bronzezeit machen. Deshalb sprach ich an der Universität Kiel Dr. Jutta Kneisel an, und sie schlug mir das Thema vor. Es hat mir sofort gefallen. Viele Archäologen interessieren sich für Keramik, aber mich fasziniert seit langem die bronzezeitliche Metallverarbeitung. Das war bisher ein, naja, Altherrenthema, aber langsam wird es wieder modern. Ich fand es cool, dazu etwas zu machen, auch und gerade weil zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar war, wie sich die Fragestellung am besten umsetzen lässt. Mir fehlten ja alle Zeitwerte, die Angaben zum bronzezeitlichen Zeitaufwand also. Damals wusste ich nicht, dass ich solide Berechnungen in der Literatur finden würde. Die Aufgabe hätte aus meiner anfänglichen Perspektive also auch schiefgehen können.

Wie erklären Sie Kollegen aus anderen archäologischen Bereichen das Thema Ihrer Masterarbeit?

Ich habe die Arbeitsaufwände bei der Herstellung von bronzezeitlichen Kupfer- und Bronzeartefakten berechnet, und zwar im zeitenübergreifenden Vergleich. Die Berechnungen beruhen auf experimentellen Beobachtungen zum Zeitaufwand, die ich aus der Literatur zusammengetragen und ausgewertet habe. Meine Quellen sind dabei häufig Aufsätze von Archäologen, die sich z. B. als Bronzegießer versucht haben, die also Arbeitsaufwände auch aus dieser Perspektive professionell beurteilen können. Ich konnte feststellen, dass der Arbeitsaufwand für frühbronzezeitliche Artefakte zumeist höher ist als für mittel- und spätbronzezeitliche Metallgegenstände.

Dies geht auf Unterschiede im Herstellungsprozess zurück. Ab dem Beginn der Mittelbronzezeit wurden in wesentlich größerem Umfang Kupfererze abgebaut und verhüttet. Die Menschen entwickelten die Produktionsprozesse – beispielsweise Verhüttungstechniken – weiter und beschleunigten sie, man arbeitete effizienter. Meine Berechnungen deckten sich ganz gut mit anderen Befunden und Erkenntnissen über Bronzemetallurgie.

Als herausragend an der Arbeit bewertete die Jury den innovativen Ansatz zur Berechnung der Arbeitsaufwände von Arsen- und Zinnbronzen für Mitteleuropa. Was verändert sich durch Ihre Masterarbeit an unserem Wissen über die bronzezeitliche Herstellung von Bronzeartefakten?

Ich konnte den Metallartefakten einen Wert in Form des Arbeits- bzw. Zeitaufwands zuordnen. Meine Angaben erfolgen in Personenstunden, d. h., ich addiere alle Stunden, die etwas dauert. Einberechnet ist übrigens auch, dass ein Werkstück z. B. abkühlen muss. Aber in der Realität stellt ja nicht eine einzelne Person etwas her, sondern verschiedene Personen tun das arbeitsteilig. Weil es da zig Möglichkeiten gibt, wie das passiert sein kann, ist es nicht möglich zu sagen, dass z. B. eine Nadel binnen vier Tagen fertig wurde, aber ich kann sagen, wie viele Stunden ihre Herstellung im Summe dauerte.

Meine Arbeit ermöglicht außerdem Vergleiche zwischen Artefakten und Artefakt-Kategorien unterschiedlicher Zeitstellungen. Wir wissen nun, dass die Menschen der Bronzezeit bei diesem Artefakt mehr und bei jenem weniger Personenstunden aufwenden musste. So ist es nun z. B. möglich, Grab- und Hortinventare unterschiedlicher Regionen und Zeitstellungen im Hinblick auf ihren Arbeitsaufwand miteinander zu vergleichen. Dies gibt uns vielleicht eine Vorstellung davon, welchen Wert diese Gegenstände für prähistorische Gemeinschaften hatten.

Info

Johanna Brinkmanns Masterarbeit wird 2018 in der DGUF-Monografienreihe »Archäologische Berichte« veröffentlicht.

Kontakt zur Preisträgerin: j.brinkmann(at)ufg.uni-kiel.de

Links:

Johanna Brinkmann M. A.: Deutscher Studienpreis für Archäologie 2017 - http://www.dguf.de/435.html

Der Studienpreis für Archäologie der DGUF wird ab Herbst 2017 auch für das Jahr 2018 ausgelobt. Interessierte finden dort weitere Informationen: http://www.dguf.de/studienpreis.html