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Bleierzbergbau der römischen Kaiserzeit im Raum Brilon.

von Martin Straßburger - 19.11.2009

Verwendung des Bleis bei den Germanen

Die Verwendung von Blei im Metallhandwerk ist neben der älterkaiserzeitlichen Siedlung bei der Daseburg auch für Soest-Ardey und weiteren Fundplätzen der zweiten Hälfte des 1. und des 2. Jhs. n. Chr. um Soest belegt. Alle erbrachten Gussreste und spinnwirtelartige Objekte aus Blei, wie sie auf anderen kaiserzeitlichen Fundplätzen am Hellweg sowie Brilon-Altenbüren und Bleiwäsche gefunden wurden. Von den Soester Fundplätzen sind ebenfalls Bleibarren bekannt. Eine intensive Nutzung von Blei im Zusammenhang mit dem Schmiedehandwerk ist auch für Kamen-Westick und den Handelsplatz Zeche Erin bei Castrop Rauxel nachgewiesen (zu Westick vgl. Eggenstein 2008, S. 23-51). Der Verarbeitungsschwerpunkt liegt dort im 4. Jh. n. Chr. Kamen-Westick ist über den Zeitraum der gesamten Kaiserzeit belegt und weist einen Schwerpunkt im jüngeren Abschnitt dieser Periode auf. Die Gussformen und einige Buntmetallobjekte der Fundplätze deuten darauf hin, dass verschiedene Objekte, die als römischer Import angesehen wurden, anscheinend in Germanien hergestellt wurden (vgl. Günther 1990, S. 50f.).

Es scheint sich abzuzeichnen, dass die trapezförmigen und pyramidalen Barren hauptsächlich im handwerklichen Kontext vorkommen, so dass es sich eventuell um eine spezielle Form für (Bunt-) Metallhandwerker handelt. Archäometallurgische Untersuchungen römischer und germanischer Bunt- und Edelmetallfunde ergaben, dass bereits in der frühen römischen Kaiserzeit ein offenkundig nach handwerklichen Fähigkeiten und Möglichkeiten in sich differenziertes germanisches Feinschmiedewesen mit Spezialisten bestand. Die Handwerker waren definitiv mit römischen Produkten und Arbeitsweisen vertraut (Voss/Hammer/Lutz 1998, S. 312 u. 331).

Weiterhin auffällig ist die allgemeine Ausrichtung der germanischen Bleibarren zum Südmünsterländer Salzquellenbezirk, so dass eine mögliche Verwendung des Bleis beim Sieden von Salz zu untersuchen wäre. Das römische Barrenteilstück von Soest-Heppen deutet vermutlich an, dass die germanische Bleiproduktion nicht ausreichend war und daher auf andere Bezugsquellen zurückgegriffen werden musste. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Lagerstätten um Brilon keinen großen Betrieb zuließen und Probleme mit den starken Wasserzuflüssen zu berücksichtigen sind.

Schlussbetrachtung und Ausblick

Der Schwerpunkt der Bleiproduktion und -verarbeitung in der Germania magna liegt nach dem bisher vorliegenden Material in der zweiten Hälfte des 1. Jhs. und im 2. Jh. auf germanischer Seite. Dabei deutet sich eine Kontinuität ab der vorrömischen Eisenzeit an. Das Blei fand vor allem Verwendung im Rahmen der Buntmetallverarbeitung. Ob das Blei auch im Rahmen des Salzsiedens genutzt wurde, bleibt vorerst eine Vermutung. Wichtig ist, den Bleierzbergbau und die Kleinbarren in einem größeren Rahmen zu betrachten, d.h. unter dem Aspekt einer starken Latènisierung bis um Christi Geburt und schließlich im Zusammenhang mit römischen Einflüssen auf das germanische Handwerk unter Berücksichtigung der Wirtschaftsräume. Es beginnt sich ein komplexes Bild von germanisch-römischen Wirtschaftsbeziehungen und Technologietransfer im Montanwesen abzuzeichnen.

Insgesamt sind die Kenntnisse über den Bergbau der vorrömischen Eisenzeit und römischen Kaiserzeit im Sauerland noch sehr gering. Genaues Ausmaß, Lage und Abbaumethoden sind nicht bekannt. Die wenigen Indizien zeigen, dass Bergbau auf Bleierze betrieben wurde. Der Abbau begann nicht erst während der römischen Okkupation unter Augustus bzw. es war auch kein römischer Bergbau, der den Anstoß für eine spätere Fortführung unter germanischer Regie gab (Rothenhöfer 2007, S. 52f. mit Schwerpunkt auf Fortführung unter germanischer Regie und weiterer Literatur; Hanel/Rothenhöfer 2007). Das Know-how für die Bleiproduktion war bereits vorhanden, und es drängt sich der Gedanke an eine Fortführung des Bergbaus von der vorrömischen Eisenzeit bis in die römische Kaiserzeit auf.

Literatur

  • M. Bode/A. Hauptmann/K. Mezger/M. Prange, Vorläufige Ergebnisse zur geochemischen und Blei-isotopischen Provenienzuntersuchung einiger westfälischer Bleifunde mittels Vergleich mit heimischem Bleierz. Arch. Ostwestfalen 8, 2004, S. 43-46
  • T. Capelle, Bilder zur Ur- und Frühgeschichte des Sauerlandes, Brilon 1982
  • A. Cochet, Le plomb en Gaule romaine. Techniques de fabrication et produits. Monographies instrumentum 13, Montagnac 2000
  • H. Fauth/R. Hindel/U. Siewers/J. Zinnen, Geochemischer Atlas Bundesrepublik Deutschland, Hannover 1985
  • K. Günther, Schmiedesiedlung der älteren Römischen Kaiserzeit bei Warburg-Daseburg. BAW 24, Münster 1990
  • N. Hanel/P. Rothenhöfer, Römische Bleigewinnung im Raum Brilon und der Bleitransport nach Rom. In W. Melzer/T. Capelle (Hrsg.), Bleibergbau und Bleiverarbeitung während der römischen Kaiserzeit im rechtsrheinischen Barbaricum, Soest 2007 (= Soester Beiträge zur Archäologie, Bd. 8), S. 42-46
  • W. Melzer/I. Pfeffer, Soest – Ein Zentrum der Bleiverarbeitung im 1. Jahrhundert nach Christus. In W. Melzer/T. Capelle (Hrsg.), Bleibergbau und Bleiverarbeitung während der römischen Kaiserzeit im rechtsrheinischen Barbaricum, Soest 2007 (= Soester Beiträge zur Archäologie, Bd. 8), S. 91-104
  • Dies., Ein Zentrum der Bleiverarbeitung des 1. Jahrhunderts im Soester Westen. In G. Eggenstein (Hrsg.), Vom Gold der Germanen zum Salz der Hanse. Früher Fernhandel am Hellweg und in Nordwestdeutschland (Katalog zur Ausstellung im Gustav-Lübke-Museum Hamm 7.9.2008 bis 4.1.2009), Hamm 2008, S. 62-75
  • A. Rebiscoul, Solaize. Rues du Pilon et du Repos Clos des Eparviers. Bilan Scientifique de la Région Rhône-Alpes 2002 (2004), S. 185-188
  • Th. Rehren, Die Zusammensetzung einiger germanischer und römischer Bleifunde aus Nordrhein-Westfalen. Metalla 5.2, 1998, S. 63-69
  • P. Rothenhöfer, Iam et plumbum excoquere docuimus? - Zum Phänomen der germanischen Bleiproduktion im nördlichen Sauerland während der römischen Kaiserzeit. In W. Melzer/T. Capelle (Hrsg.), Bleibergbau und Bleiverarbeitung während der römischen Kaiserzeit im rechtsrheinischen Barbaricum, Soest 2007 (= Soester Beiträge zur Archäologie, Bd. 8), S. 47-55
  • H. Sandars, The Linares Bas-Relief and Roman Mining Operations in Baetica. Archaeologia 59, 1905, S. 311-332
  • W. Schriel, Der Briloner Galmei-Distrikt. Ztschr. Dtsch. Geolog. Ges. 106, 1954, S. 308-349
  • H.-U. Voss/P. Hammer/J. Lutz, Römische und germanische Bunt- und Edelmetallfunde im Vergleich. Archäometallurgische Untersuchungen ausgehend von elbgermanischen Körpergräbern. Ber. RGK 79, 1998, S. 107-382

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