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Bleierzbergbau der römischen Kaiserzeit im Raum Brilon.

von Martin Straßburger - 19.11.2009

Hinweise auf Bleierzbergbau

Das bisher vorliegende archäologische Material ist spärlich und hat lediglich Indiziencharakter. Die Anfänge des Metallerzbergbaus reichen vermutlich jedoch vor die Kaiserzeit zurück. Die Bleibarrenfunde in der Fülsenbecke, bei Altenbüren, Brilon-Südfeld, Osterhof und Bleiwäsche geben indirekte Hinweise auf Bergbau. Isotopenanalysen legen einen Zusammenhang der Bleibarren von den Siedlungsplätzen und den Lagerstätten im nordöstlichen Sauerland nahe. Der chronologische Schwerpunkt der bisherigen Barrenfunde liegt in der Zeit der zweiten Hälfte des 1. Jhs. bis ins 2. Jh. n. Chr. Die weit unter 100 ppm liegenden Silbergehalte zeigen, dass es sich um Produkte einer ausschließlich auf Blei gerichteten Verhüttung silberarmer Erze handelt, die aus der näheren Umgebung der Fundplätze stammen könnten (vgl. Rehren 1998, S. 64, 67f; Bode/Hauptmann/Mezger/Prange 2004, S. 43-46).

Bisher fehlen für den Raum Brilon-Bleiwäsche archäologische Erkundungen unter Tage fast vollständig. Daher bleiben im Wesentlichen die Berichte aus dem 19. Jh., in denen immer wieder Altbergbau erwähnt wird. Hinweise auf eine Datierung fehlen. Die Berichte zeigen, dass gerade um Brilon nur mit kleineren Bergwerken und Schachtbergbau zu rechnen ist. Der Grund liegt zum einen in der Art der Lagerstätten, zum anderen in den hohen Wasserzuflüssen. Die alten Bergwerke bauten nach W. Schriel in der Oxidationszone, die er mit einer Teufenerstreckung von 40-60 m angibt. Das Aushalten der Erzmittel rechtfertigte bei den bedeutenden Schwierigkeiten jedoch keinen großen Abbau.

Verhüttung der Bleierze

Ein weiteres Desiderat bleibt die Bleierzverhüttung. Bisher fehlen eindeutige Befunde und Funde von den Plätzen der römischen Kaiserzeit um Brilon. Da die Arbeiten möglicherweise keine größeren technischen Einrichtungen erforderten, haben sie möglicherweise nur wenige Spuren hinterlassen. Hinweise auf Verhüttungsplätze könnten die Bleigehalte in den Bachsedimenten geben. Zumindest die Bleiverarbeitung scheint sich in den gemessenen Werten widerzuspiegeln. Eine Sedimentanalyse am Fundplatz beim Osterhof ergab 60-260 ppm Blei. Dagegen wurden in der Fülsenbecke, bei Altenbüren und Bleiwäsche jeweils Gehalte von 690-1000 ppm nachgewiesen (Fauth/Hindel/Siewers/Zinnen 1985, S. 52f., Karte Region Münster-Sauerland, S. 77).

Verbreitung der Kleinbarren

Verbreitung der trapezförmigen Bleibarren sowie die Bleifunde von Albersloh und Denekamp in der ersten Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. im Verhältnis zu Bleierzvorkommen
Abb. 8: Verbreitung der trapezförmigen Bleibarren sowie die Bleifunde von Albersloh und Denekamp in der ersten Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. im Verhältnis zu Bleierzvorkommen (Entwurf und Zeichnung M. Straßburger)
Verbreitung der trapezförmigen Bleibarren in der zweiten Hälfte des 1. Jhs. und im 2. Jh. n. Chr. im Verhältnis zu Bleierzvorkommen
Abb. 9: Verbreitung der trapezförmigen Bleibarren in der zweiten Hälfte des 1. Jhs. und im 2. Jh. n. Chr. im Verhältnis zu Bleierzvorkommen (Entwurf und Zeichnung M. Straßburger)

In Anbetracht der historischen Entwicklungen und des archäologischen Gesamtkontextes ist davon auszugehen, dass ein bereits betriebener Bleierzbergbau und eine vorhandene Produktion von Blei durch den Einfluss der Wirtschaft in den römischen Provinzen vor allem seit der zweiten Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. erheblich gesteigert wurden. Güteraustausch mit und Techniktransfer aus den römischen Provinzen spielten dabei eine große Rolle.

Weiträumiger betrachtet zeigt sich, dass Bleierzbergbau und Bleiproduktion durchaus in das Gesamtbild der Germania magna während der Zeit vom Ende des 1. bis zum 3. Jh. n. Chr. passen. Informationen zu allgemeinen wirtschaftlichen und handwerklichen Verhältnissen der römischen Kaiserzeit in Westfalen geben die Siedlungsplätze Balve-Garbeck, Soest-Ardey, Bielefeld-Sieker, Petershagen-Lahde, Vreden und Warburg-Daseburg. Weitere wichtige Fundorte sind Albersloh, Bochum-Harpen, Westick bei Kamen und Zeche Erin in Castrop Rauxel, auf dem im Zusammenhang mit dem Schmiedehandwerk in größeren Mengen an Bleifunden auftreten.

Der Verbreitungsschwerpunkt der germanischen Kleinbarren liegt im nordöstlichen Sauerland und den angrenzenden Bördegebieten südlich der Lippe (Abb. 8 u. 9). Neben den Fundstellen Balve-Garbeck. Altenbüren, Fülsenbecke, Osterhof sind sie auch von Bad Lippspringe-Dedinghausen, Büren-Wewelsburg, Salzkotten-Thüle, Soest-Ardey und Warburg-Menne bekannt. Im Stadtgebiet von Soest konnte zudem eine umfangreiche Bleiverarbeitung nachgewiesen werden, vor allem in der zweiten Hälfte des 1. Jhs. (Melzer/Pfeffer 2007, S. 91-104; dies. 2008, S. 62-75). Mit Ausnahme von Soest-Ardey, Salzkotten-Thüle und Bad Lippspringe-Dedinghausen liegen in der Nähe aller Barrenfundstellen Bleierzlagerstätten. Die Barren von Soest-Ardey, Balve-Garbeck und Brilon-Fülsenbecke werden in die erste Hälfte des 1. Jhs. datiert, die von Salzkotten-Thüle um die Mitte des 1. Jhs., die Briloner Fundplätze mehrheitlich in die Zeit des 1.-2. Jhs. und Bleiwäsche-Thiekopp in das 2./3. Jh. Weitere Barren von Soest-Ardey stammen aus dem 2. Jh. n. Chr. Nach der bisher bekannten Verbreitung und den archäometallurgischen Untersuchungen stellten sie kein primäres Gut für den Fernhandel dar. Zusammen mit den Isotopen-Analysen lässt sie auf einen kurzen Weg vom Produktionsort zum Fundplatz schließen.

Durchlochte Kleinbarren wurden nicht nur im ehemals germanischen Gebiet, sondern auch in Solaize bei Lyon und dem Süden der iberischen Halbinsel im Bergwerksbezirk Los Palazuelos in der Nähe von Linares (Prov. Jaens) gefunden. Aus dem spanischen Bergbaugebiet stammt ferner eine Gussform (vgl. Sandars 1905, S. 325 Fig. 6). Die dortigen Barren datieren in das 1./2. Jh. n. Chr., sind jedoch stärker pyramidenstumpfförmig ausgebildet als die germanischen. In anderer Gusstechnik und zudem mit „Zipfeln“ an der Oberkante wurden die in einem Gebäude des 2. Jhs. n. Chr. gefundenen fast ein Dutzend Kleinbarren von Solaize gefertigt (Rebiscoul 2004, S. 285ff. u. Fig. 30). Ein vergleichbares Stück stammt aus Châteauneuf-les-Boissons (Cochet 2000, S. 11 Fig. 5). So lassen sich vorläufig als drei geografische Verbreitungsgruppen Germanien, Spanien und Südfrankreich unterscheiden, wobei mengenmäßig die Kleinbarren aus dem Gebiet der Germania magna überwiegen.

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