- 1: Magazin.
- 1.1: Thema.
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Von A bis Z

Bereits im 19. Jh. waren archäologische Funde römischer Provenienz im Zusammenhang mit dem Bergbau und Hüttenwesen im Gebiet der Germania magna bekannt. Zahlreiche Bleifunde an Siedlungsplätzen um Brilon im Sauerland zusammen mit römischen Importfunden führen zu Fragen hinsichtlich Datierung, Umfang und Organisation des Bleierzbergbaus sowie der Metallverarbeitung. Schwierigkeiten bei der Beurteilung ergeben sich u.a. dadurch, dass bisher keine archäologischen Untersuchungen unter Tage stattfanden. Nachdem das Fundmaterial zunächst vor allem ausgehend von epigraphischen Befunden behandelt wurde, sollen im folgenden die montanarchäologischen Quellen vorgestellt werden.
Geologie und Bleierzlagerstätten
Das Sauerland ist der nordöstliche, zu Westfalen gehörende Teil des Rheinischen Schiefergebirges und besteht hauptsächlich aus devonischen sowie karbonischen Gesteinen. Die Briloner Hochfläche wird von mittel- und oberdevonischen Kalken aufgebaut. Sie hat eine maximale Erstreckung von 16 km in Ost-West-Richtung und etwa 7 km in Nord-Süd-Richtung. Diabase bilden im Süden und Westen die Grenzen, im Norden sind es die Gesteine des Kulm. Die während des Tertiärs entstandenen Erze sind an die Kalke des Mitteldevons und Cenomans sowie an Kalkspatgänge gebunden (Abb. 1). Als Lagerstättentypen werden unterschieden (Schriel 1954, S. 348): Störungen und Lettenklüfte auf Kalkspatgängen, Drusen und Nester im Kalkspat und Massenkalk, Vererzungen "Typ Bleiwäsche", Dolinentyp, metasomatische Vorkommen im dolomitisierten Massenkalk entlang von Störungen. Gangartige Blei-Zink-Lagerstätten sind im Massenkalk, im Kontakt zwischen devonischem Schiefer und Massenkalk, Kalkstein und Kieselschiefer sowie Kalkstein und Diabas bekannt. Bei Bleiwäsche treten mehrere Erzgänge mit Blei, Kupfer und Eisen zutage.
Weitgehend unklar ist die Bedeutung von Karsthohlräumen für die Ausbildung der Vererzungen. Die Verkarstungsprozesse im Briloner Massenkalk setzten bereits im Karbon ein und die kreidezeitliche Verfüllung der Nehdener Höhle zeigt, dass bereits in diesem Abschnitt der Erdgeschichte größere Höhlen vorhanden waren. In den Klüften und Dolinen des Massenkalks finden sich Bleiglasurerze, Galmei und Schalenblende in Verbindung mit Kalkspat und Letten in Nestern und Trümern. Mit Mineralien gefüllte Karsthohlräume waren vermutlich die reichsten Funde. Sie waren durch Wasser natürlich sortiert in Bleiglanz und Kalkspat bzw. Kalk. Aufgrund der Charakteristika der Vorkommen fehlen klare Anhaltspunkte für Rückschlüsse auf Erzverteilung, -quantität und -qualität. Die Erzführung der einzelnen Vorkommen konnte innerhalb eines Ganges stark schwanken. Sie besaßen keine große Mächtigkeit und größere Ausdehnung, wechselten die Richtung oder teilten sich auf (Schriel 1954, S. 332ff., 348).
Fundplätze der römischen Kaiserzeit mit Bleiverarbeitung
Bisher liegen für das Sauerland keine archäologischen Befunde vor, die verlässlich Auskunft über Umfang und Dichte der Besiedlung oder das Aussehen der Siedlungen während der römischen Kaiserzeit geben könnten. Die Spuren von Bleiverarbeitung bei Brilon wurden durch Feldbegehungen entdeckt. Je nach Bewirtschaftung wurden die Funde durch den Pflug aus dem ursprünglichen Kontext gerissen und stellen eine Auswahl von dem dar, was sich unter dem Oberboden befindet. Sie können unter anderem Informationen zu Ausdehnung, Konzentrationen, Funktion und Datierung eines Platzes liefern. Dabei ist jedoch zu beachten, dass jüngere Phasen eventuell überrepräsentiert sind, da der Pflug die älteren Schichten nicht vollständig erreicht hat. Daraus ergeben sich Probleme für Interpretation der Fundkonzentrationen bzw. -zusammensetzung. Die Beziehungen zwischen Bewirtschaftungsart, Verteilung der Funde in der Pflugzone und darunter liegender Archäologie sind komplex. Einschränkungen bei der Interpretation ergeben sich auch durch den Nutzungszyklus landwirtschaftlicher Flächen. Ferner sind unterschiedliche Erhaltung, Verlagerung der Funde etc. zu berücksichtigen. Daher sind die Funde nur als eine Probe von dem zu sehen, was im Oberboden liegt. Die Briloner Fundplätze sind jedoch über einen Zeitraum gut 10 Jahren hinweg begangen worden, so dass guter Querschnitt gegeben sein dürfte. Das römische Material überschreitet im Vergleich zu anderen Plätzen nicht das übliche Maß von Import. Lediglich die Bleiverarbeitung fällt aus Fundbild heraus. Allerdings ist jede Bewertung in gewissem Sinn subjektiv und nur durch Ausgrabungen kann letzte Sicherheit gewonnen werden.
Der kaiserzeitliche Siedlungsplatz in der Fülsenbecke liegt oberhalb des Aa-Tales und ist bereits seit 1936 bekannt. Damals wurden dem Westfälischen Museum für Archäologie ein durchlochter Bleibarren, ein Bleistreifen und zwei weitere Bleiobjekte zusammen mit Keramik, einem Handmühlenfragment aus Mayener Basalt und Hüttenlehm vorgelegt. Außerdem sollen an dieser Stelle zwei zur Hälfte mit Asche gefüllte Urnen mit je einem Beigefäß durch Wiesenmelioration im gleichen Jahr zerstört worden sein. 1951 wurden in dem Areal kleine Sondagen angelegt, die aber keine klaren Siedlungsbefunde, dafür allerdings weitere Siedlungshinweise lieferten wie Hüttenlehm, Holzkohle, Tierknochen, Eisenschlacken, sechs weitere Bleifragmente, einen Bronzedraht und auch datierbare Keramik der älteren römischen Kaiserzeit. Ferner wurde in 300 m Entfernung im Acker ein Eisenluppenstück gefunden. Eine Geländebegehung im Jahre 1999 auf dem Fundort im oberen Teil des Wiesentales erbrachte einen weiteren Bleibarren, Spinnwirtel und kleinere Bleifragmente. Die Funde konzentrieren sich auf beide Seiten des Oberlaufes der Fülsenbecke (Capelle 1982, S. 79 mit Datierung ins 1./2. Jh. n. Chr.).
Bei Altenbüren konnten durch B. Reineke 1988-1999 innerhalb eines kleineren Areals Reste einer Bleiproduktion bzw. -verarbeitung lokalisiert werden. Das Fundmaterial setzt sich aus einem Gusskegel, kegelförmigen bis trapezoiden, oberständig durchbohrten Bleibarren, einem Bleifladen (Abb. 2), zahlreichen Spinnwirteln, Halbfertigprodukten sowie Werkstücken zusammen. Besonders hervorzuheben ist ein Bleiobjekt mit einer Buchstabenfolge, die sich zum römischen Namen PVDENT[IS] ergänzen lässt. Es handelt sich vermutlich um einen Deckel.
Im Lühlingsbachtal und im Quellgebiet der Nette nordwestlich von Bleiwäsche konnte durch einheimische Keramik aus dem 1.-2. Jh. n. Chr. eine Siedlung nachgewiesen werden. Eisenschlacken belegen eine Metallproduktion, Bronzen sowie Gussreste zeugen von Buntmetallhandwerk. An zwei Stellen kamen trapezförmige Bleibarren vom Typ „Garbeck“ zutage (Abb. 3). Aber auch ein zylindrischer Barren wurde gefunden (Abb. 4). Neben Denaren von Cotta und Marc Anton (Abb. 5) sind als herausragende Funde sind zwei Denare der Kaiser Trajan (geprägt 103-111 n. Chr.) und Hadrian (geprägt 119-122 n. Chr.) sowie der bronzene Griff einer römischen Kasserolle zu nennen (Abb. 6 u. 7).








hallo herr strassburger,
ich habe jede menge solcher kleinen bleibarren gefunden, die bei baggerarbeiten aus dem arade-fluss ( in portimão an der algarve), an land gespült wurden.
wenn es sie interessiert, würde ich ihnen gerne fotos zusenden.
grüsse
frank
Sehr geehrter Herr Straßburger.
Es freud mich dass endlich wieder jemand die bleiproblematik in die archeologische forschung bringt. Seit kurzem widme ich mich auch dieser problematik. Auf meiner ausgrabung eines Slawischen Burgwalls - Bojna I-Valy (Slowakei) kamen einige bleigegenstände zu Tage. In kurzer zeit wird auch ein kurzer Artikel erscheinen in dem ich diese Funde behandle. Wenn sie interesiert sind kann ich ihnen bilder von den funden schicken
Sehr geehrter Herr Harustiak,
Arbeiten zu Blei gibt es in der archäologischen Forschung tatsächlich nicht viele. Die Funde aus Ihrer Grabung schaue ich mir gerne an.
Herzliche Grüße,
Martin Straßburger
Herr Straßburger,
ich habe mich gefreut, wieder etwas von Ihnen zu hören bzw. zu lesen.
Eine schöne Arbeit zur Einführung in das Problem, wie es so schön heißt. Höhepunkte wären sicherlich das Auffinden eines alten Schachtes und/oder einer alten Verhüttungsanlage. Die Frage, wann und wie das intentionelle Rösten erfunden und eingeführt wurde, ist m. E. immer noch offen und interessiert mich immer noch.
Ich bin aus der Montanarchäologie wieder abgedriftet und jetzt auf klassisch-archäologischem Gebiet tätig.
Befunde zum Rösten und zur Verhüttung werden wohl eher gefunden, als ein Grubenbau. Das hängt zum einen mit der Zugänglichkeit der Bergwerke zusammen, zum anderen mit der Geologie bzw. der Art der Lagerstätte. Insgesamt kann ersteinmal nur abgewartet werden.
Herzliche Grüße,
Martin Straßburger
Herzlichen Dank für den informativen Artikel! Ich möchte bei dieser Gelegenheit anregen, einmal die einheimischen ,Höhlenfunde' nach Buntmetallschlacken und Bleiresten durchzusehen. Möglicherweise geht die Bleigewinnung auf römische Anregungen der Augustuszeit zurück. In dieser Hinsicht weise ich auf den Dolch von der Ruine Altenfils (eventuell alter Schatzgräberfund - vielleicht ursprünglich aus der Rösenbecker Höhle) und Bleibarren bzw. Schleuderbleie aus frührömischen Zusammenhängen (bis nach Kalkriese) hin. Auch die Gründung einer Römerstadt an der Lahn mit montanem Umfeld könnte auf solche Ambitionen zurückzuführen sein.
Sehr geehrter Herr Rothe,
vielen Dank für die Anregung. Dies ist jedoch schon geschehen. Auch wenn es ansonsten Kontakt zu den Römern gegeben hat, ist die Bleigewinnung wahrscheinlich älter. Der Dolch von der Ruine Altenfils stammt aus einer Altgrabung der 1880er Jahre und kann für einen Nachweis der Anwesenheit des römischen Militärs nicht herangezogen. Funde der Grabung und die noch erhaltene Korrespondenz habe ich im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg eingesehen. Die Bleifunde aus eindeutig römischem Zusammenhang (z.B. Kalkriese) sind getrennt von den Briloner Funden zu sehen, zumal das in Haltern gefundene Blei größtenteils aus Spanien stammt. Zu differenzieren ist auch bei dem Grad der römischen Okkupation.
Herzliche Grüße,
Martin Straßburger