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Zur Farbigkeit von antiken Objekten.

von Peter Kurzmann - 22.8.2008

Zur Analytik der Bindemittel

Die Identifizierung der (organischen) Bindemittel gestaltet sich jedoch recht schwierig. Die zur Verfügung stehenden Mengen sind äußerst gering, nur in dünner Schicht vorliegend, oft schlecht zugänglich in Vertiefungen, gewöhnlich nur in Form von Abbauprodukten vorhanden. Entscheidend ist auch die Größe der zu untersuchenden Objekte und die Frage, ob mikrozerstörend Proben genommen werden können.

Kasein ist relativ leicht an seinem Phosphorgehalt zu erkennen, allerdings ist auf mögliche Kontaminationen durch ebenfalls phosphorhaltige Substanzen (Düngemittel, Fäkalien) zu achten. Kasein-Bindemittel sind besonders für Kalk-Untergründe (Marmor, Poros, Kalksandstein) geeignet. Die in Frage kommenden Untersuchungsmethoden sind die Infrarotspektroskopie, die Gaschromatographie und andere chromatographische Verfahren.

Die Infrarotspektroskopie (IR-Spektroskopie) beruht darauf, dass alle chemischen Verbindungen infrarotes Licht in verschiedener Weise absorbieren. Man erhält bei der Analyse Absorptionsspektren mit Absorptionspeaks, die für die einzelnen Bausteine der Verbindung charakteristisch sind und in ihrer Gesamtheit dem erfahrenen Chemiker eine Aussage über die Art der vorliegenden Verbindung, oft sogar über die genaue Verbindung, erlauben. Besonders aussagekräftig ist die IR-Spektroskopie für organische Verbindungen. Die Spektren können im Durchlicht an besonders hergestellten Presslingen aus Probenmaterial und Kaliumbromid oder in der Reflexion direkt am (kleinen) Objekt aufgenommen werden; die Reflexionsspektren sind recht schwach und bedürfen meist besonderer Aufnahmetechniken. Eine dieser Techniken bedient sich eines (nicht ganz korrekt) „Infrarotmikroskop“ genannten Gerätes, bei dem unter einem Mikroskop ein mikroskopisch feiner IR-Lichtstrahl auf die zu untersuchende Stelle gerichtet wird. Das Spektrum wird mit IR-Lichtblitzen in Form des Fourier-Diagramms (daher die Bezeichnung FTIR, Fourier-Transform-Infrarot) viele Male (z. B. 100 mal) aufgenommen, rechnerisch im Computer übereinander gelegt und in das eigentliche Infrarotspektrum umgerechnet.

Infrarot-Mikroskop
Abb. 5a Infrarot-Mikroskop (Firma Thermo Fisher Scientific, mit freundlicher Genehmigung)

Infrarot-Mikroskop der Firma Thermo Fisher Scientific: links das Mikroskop, rechts das Spektrometer. Nicht gezeigt sind der dazugehörige Rechner mit Bildschirm und Drucker. Auf dem Rechner sind die sehr komplexe Anwendungs- und Auswertungssoftware sowie eine große Spektrenbibliothek installiert.

Infrarot-Reflexionsspektrum
Abb. 5b Infrarot-Reflexionsspektrum (Aufnahme: Werkstofftechnik Daimler AG, Werk Sindelfingen und Autor)

Dunkler Kurvenzug: mit dem Gerät aufgenommenes Infrarot-Reflexionsspektrum eines braunen Fleckes in der Nähe des Farbläufers (vgl. Abb. 2a). Heller Kurvenzug: Vergleichsspektrum von Leinölfirnis aus dem Rechner. Ergebnis: es liegt ein stark oxidierter Film eines trocknenden Öles vor, vermutlich von Leinöl.

In dieser Weise gelingt es, auch von extrem dünnen Schichten aussagekräftige Spektren zu erhalten. Mit Hilfe dieser Technik gelang es, auf dem oben erwähnten Bleiobjekt den Firnis eines trocknenden Öles, wahrscheinlich Leinöl, nachzuweisen. Die Verwendung eines trocknenden Öles auf einem Träger aus Blei ist besonders sinnvoll, da das auf der Oberfläche vorhandene Bleioxid als sog. Sikkativ wirkt, d. h. die Oxidation des Öles zu einem sehr haltbaren Film katalytisch beschleunigt. Es ist erstaunlich, dass die antiken Handwerker diese Technik der „Ölmalerei“ kannten, freilich, ohne ihre chemischen Grundlagen zu verstehen.

Die chromatographischen Methoden beruhen auf der Trennung von gelösten oder in Gasform gebrachten Proben an Trägermaterialien in Säulen oder auf beschichteten Glasplatten. Die aufgegebenen Gemische, einzelne Substanzen oder ihre Bruchstücke werden unterschiedlich stark festhalten (adsorbiert) und beim Desorbieren (Herauslösen) nacheinander freigegeben. Durch Vergleiche mit bekannten Substanzen ist eine Identifizierung möglich, auch können die Bestandteile anhand ihrer Molgewichte identifiziert werden.

Es liegt auf der Hand, dass alle diese Methoden nur von ausgebildeten and spezialisierten Chemikern in dafür mit den sehr teuren Geräten ausgestatteten Laboratorien durchgeführt werden können.

3. Die Problematik bei der Rekonstruktion

Ein grundsätzliches Problem bei der Rekonstruktion farbiger Fassungen von Skulpturen ist die Frage, ob eine einheitliche (plakative) Farbgebung oder eine Schattierung, die die Plastizität erhöhen sollte, vorlag. Im Gegensatz zu einem Gemälde ändern sich bei einer im Freien stehenden Skulptur die Beleuchtung und ihre Richtung, daher auch der zu erwartende Schatten. Es ist also schwierig, eine vielleicht früher vorhandene Schattierung richtig zu rekonstruieren.

Ein weiteres großes Problem bei der Rekonstruktion der Farbigkeit ist die Notwendigkeit, von kleinen Flächen, kleinen Farbresten auf die gesamte Skulptur zu schließen. Farbschichten können übereinander gelegen haben, farbliche Abstufungen sind wohl kaum mehr zu erkennen, das Verhältnis von Licht und Schatten wird unklar bleiben.

Viele Einzelheiten werden angesichts der geringen Spuren nicht mehr zu klären sein. Man muss sich darüber klar sein, dass eine solche Rekonstruktion Stückwerk bleibt, das nur eine beschränkte Vorstellung von der ursprünglichen Wirklichkeit gibt. Aber dennoch ist ein sorgfältig erarbeitetes Ergebnis die Mühe wert.

Literatur

G. Nestler, E. Formigli, etruskische Granulation. Eine antike Goldschmiedetechnik (Siena 1993).

V. Brinkmann, R. Wünsche (Hrsg.), Bunte Götter. Die Farbigkeit antiker Skulptur. Katalog zur Ausstellung in der Skulpturhalle Basel3 11. August bis 20. November 2005 (München 2005).

I. Scheibler, Griechische Malerei der Antike (München 1994).

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