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Von A bis Z

Jeder Archäologe denkt daran, einmal eine ausgegrabene Ruine als Bauwerk wiedererstehen zu lassen. Bei verfallenen Gebäuden aus Stein wird das öfter praktiziert, wenn genug Bauteile erhalten sind. Anders ist das bei Bauwerken, die aus vergänglichem Material errichtet wurden. Das betrifft die meisten vor- und frühgeschichtlichen Bauten in Europa ebenso wie diejenigen des Vorderen Orients: Während erstere meist aus Holz, Flechtwerk und Lehm bestanden, baute man im Orient seit vielen tausend Jahren mit luftgetrockneten, also ungebrannten Lehmziegeln. Dieses Material ist leicht herzustellen und äußerst stabil, aber wenn man die Bauten sich selbst überlässt, zerfallen die Wände früher oder später zu Staub bzw. zu amorphen Erdmassen.
Auch in Hattuša, der Hauptstadt des hethitischen Reiches in Zentralanatolien (ca. 1650-1200 v. Chr.), war das so: Man findet auch hier meist nur die steinernen Fundamente und Sockelmauern der Gebäude. Nur in einigen Brandruinen haben sich Reste der Lehmwände erhalten – in der Hitze des Feuers sind sie verziegelt und hart gebrannt worden. Daher weiß man auch, dass die Hethiter mit großen quadratischen Ziegeln, die durchschnittlich 45 x 45 cm maßen und etwa 10 cm dick waren, gearbeitet haben. Dennoch sind diese Mauerreste kaum aussagekräftig genug, um damit ganze Baurekonstruktionen vornehmen zu können.
Für das Aussehen der Stadtmauern gibt es jedoch zusätzliche Informationen, über die die Gestalt dieser Anlagen einigermaßen verlässlich zu erschließen ist. Es gibt nämlich einige Modelle aus Ton, die einst die Ränder von großen Tongefäßen zierten. Besonders auffällig sind die dreieckigen Zinnen auf den Mauern und Türmen, aber es lassen sich auch Fenster und sogar die Köpfe der Holzbalken für die Geschoßdecken in den Türmen erkennen.
Unter Berücksichtigung dieser Quellen hat das Deutsche Archäologische Institut in den Jahren 2003-2005 einen 65 m langen Abschnitt der Lehmziegel-Stadtmauer in Hattuša rekonstruiert. Drei 7-8 m hohe Kurtinenabschnitte und zwei 12-13 m hohe Wehrtürme geben einen Eindruck davon, wie wehrhaft diese Stadt war und wie imposant ihre Lehmziegelarchitektur einst auf den Besucher gewirkt haben muss. Als Sponsor unterstützte Japan Tobacco International die Arbeiten.
Bei diesem Projekt sollte aber nicht nur ein Bauwerk rekonstruiert werden. Gleichzeitig handelt es sich dabei um einen Beitrag zur experimentellen Archäologie. Es wurde versucht, möglichst mit den auch vor 3500 Jahren zur Verfügung stehenden Materialien und Methoden zu bauen – oder zumindest zu wissen, wie es damals gemacht worden sein könnte.
Die Dokumentation der Arbeitsabläufe und Zeitspannen war von Anfang an Teil des Projekts, und auch die Art und Menge der verwendeten Materialien wurde genau registriert. So bekommt man eine Vorstellung vom Arbeitsaufwand in hethitischer Zeit. Und der war gewaltig, wenn man sich vor Augen hält, dass die verschiedenen Stadtmauerabschnitte von Hattuša über 9 km lang waren.
Allein für das jetzt rekonstruierte 65 m lange Mauerstück, d.h. nur rund 0,7 % der hethitischen Befestigungen, wurden 64000 Lehmziegel benötigt. Zusammen mit Mörtel- und Verputzmaterial bedeutet das 2700 t Lehmerde, die zu beschaffen und zu verarbeiten war, zusammen mit 100 t Stroh als Magerung und rund 1500 t Wasser. Dazu kommen größere Mengen von Steinen für den Mauersockel, Bauholz und çorak, einem Grus aus verwittertem Serpentinit, mit dem die Dächer gedeckt wurden.




Kommentare
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experimentellen Archäologie
gearbeitet werden. Aber vermutlich ist auch das wieder eine Geldfrage.
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Zur Rekonstruktion von Gebäuden und Mauern möchte ich daraufhinweisen, dass ein komplett restaurierter Abschnitt für Touristen sehr atraktiv ist. Für den Fachlaien würden in Baustufen rekonstruierte Teilbereiche zusätzlich einen tieferen Einblick in die Bauweise der damaligen Kulturen erlauben.
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Daher finde ich die Rekonkonstruktion der Mauer gut und wichtig, jedoch ist sie in meiner Stimmungserinnerung vielleicht eher wie ein unwirklicher "Fremdkörper" in der Landschaft.
Herr Seeher: vielen Dank für den hervorragenden Hattuscha-Führer, der den reinsten Lesesog verursachte und uns den Abend in dem sehr kalten Hotelzimmer im Hotel Asikoglu erwärmte! Man hat ihn uns dort gleich angeboten und es war sehr gut, ihn während des Schauens bei sich zu haben.
Stefanie Kemper aus Maierhöfen/Allgäu.
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