23.10.2017 - 11:31:26

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Aus der Küche ins alchemistische Laboratorium

Die Entwicklung alchemistischer Gefäße

11.4.2008

Als Ausgangspunkt für die Entwicklung müssen allgemein bekannte, vorhandene Gefäße angesehen werden, die für die verschiedensten Zwecke im Haushalt, insbesondere zum Kochen, verwendet wurden. Die Prozesse, die beim Kochen und allgemein bei der Speisenzubereitung ablaufen, sind im Grunde alchemistische, ja sogar chemische Prozesse. Die dabei benutzten Gefäße entwickelten sich in den verschiedenen Gegenden zu unterschiedlichen Zeiten sehr variantenreich in Bezug auf Form, Dekor und Material. Das für die vorliegende Arbeit Wesentliche ist der Ausgangsformenbestand, den ein fiktiver „Alchemist“ am Anfang seiner Karriere vorfindet. Als „Alchemist“ soll hier eine männliche oder weibliche Person bezeichnet werden, die sich in praktischer Arbeit mit den Veränderungen von Stoffen oder Stoffgemischen befasst, die diese in verschiedenen Prozessen wie Erhitzen, Auflösen, Aufkochen, Verbrennen u. ä. erfahren. In allen Zeiträumen der Menschheitsgeschichte gab es Menschen, die sich für diese Prozesse interessierten, sie beobachteten, Schlüsse aus Beobachtungen zogen und diese in die Praxis umsetzten, um ihr Leben zu erleichtern, Krankheiten und Verletzungen zu heilen oder materielle oder geistige Gewinne zu erzielen. Sie alle können als Alchemisten bezeichnet werden.

Die Urform aller Töpfe war ein grob halbkugeliges Gefäß, das in glühende Holzkohle oder heiße Asche gestellt wurde. Die Gefäße wurden aus Lehm durch Formen und Brennen hergestellt, in einigen orientalischen Gebieten in der Zeit des sog. akeramischen Neolithikums aus Stein.

Merkwürdigerweise sind kaum Deckel bekannt; es ist zu vermuten, dass aufgesetzte andere Töpfe eine abdeckende Funktion versahen. Als Materialien für die Töpfe treten späterhin Bronze, Kupfer, Eisen hinzu, noch später in beschränktem Umfang Glas. Zur Erhöhung der Standfestigkeit im Feuer auf dem Herd (ursprünglich eine feuerfeste Platte, auf der das Feuer brannte) wurden Töpfe mit drei Beinen versehen: die Dreibeintöpfe (in Norddeutschland „Grapen“) waren erfunden. Flachere, pfannenähnliche Formen werden als „Dreibeinpfännchen“ bezeichnet.

Die einfachste Form von tragbaren Lampen waren kleine flache Schalen, die ein brennbares Material wie Fett oder Talg und einen irgendwie fixierten Docht enthielten. Für diese Objekte hat sich der Name „Talglämpchen“ eingebürgert.

Zum Zerkleinern von Körnern dienten „in den alten Küchen“ flache oder flach ausgehöhlte Steine, auf denen die Körner mit einen rundlichen Stein zermahlen wurden: die Mühlen. Hiermit ist schon der Ausgangsbestand an Gefäßen und Geräten für einen „Alchemisten“ beschrieben. Die übrigen Gefäße sind bereits mehr oder minder fortgeschrittene Entwicklungen auf ihrer Grundlage – sie stellen zum Teil regelrechte Erfindungen dar.

Als Verbesserung in Bezug auf die Dichtigkeit der keramischen Gefäße muss die Technik des Glasierens der Keramik erwähnt werden, die in der Region Basel vereinzelt schon im 13. Jahrhundert bei Alltagsgeschirr anzutreffen ist. Die Gefäße wurden auf ihrer Innenseite, die mit Wasser oder anderen Flüssigkeiten in Berührung kam, glasiert, während die dem Feuer zugewandte Außenseite wegen der geringen Feuerbeständigkeit der verwendeten Bleiglasur unglasiert blieb. Talglämpchen, Probirscherben, Tiegel (größere Gefäße für Schmelzen) blieben unglasiert. Die Erfindung der Glasmacherpfeife ermöglichte einen Entwicklungssprung, da sie die einfache Herstellung auch komplizierterer Formen durch das Glasblasen ermöglichte. Was konnte ein fiktiver Alchemist nun mit diesem Ausgangsbestand anfangen?

Vom Topf mit Deckel zur Destillations-, Extraktions- und Sublimationsapparatur

Zur Definition:
Als Destillation ist ein Prozess zu bezeichnen, bei dem eine Flüssigkeit verdampft, an einer kühlen Gefäßwand kondensiert, gesondert gesammelt und - jetzt Destillat genannt - aus der Apparatur herausgenommen wird. Wird das Kondensat dagegen in die Apparatur zurückgeleitet, liegt eine Extraktion unter Rückfluss vor.Eine Sublimation liegt vor, wenn ein fester Stoff direkt, ohne zu schmelzen, verdampft und wieder an einer kühlen Gefäßwand direkt zum Feststoff kondensiert.

Als Dekantieren wird ein Prozess bezeichnet, bei dem eine überstehende Flüssigkeit von einem festen Bodenkörper abgegossen wird. Es handelt sich um hierbei um wichtige alchemistische oder chemisch-technologische Prozesse.

Abb. 1: Ein Gefäß mit Rinnenrand aus Tepe Gawra, Mesopotamien; Datierung : 3500 v. Chr., Oberer Durchmesser: 530 mm., Fassungsvermögen des Topfes: 37 Liter., Fassungsvermögen der Rinne: 2,1 Liter (Umzeichnung: Autor)
Ein Gefäß mit Rinnenrand aus Tepe Gawra, Mesopotamien

Einem sorgfältigen Beobachter der Kochvorgänge in der Küche kann nicht entgehen, dass sich an der Unterseite eines Deckels – wie auch immer er aussehen mag – Tropfen abscheiden, die durch Abkühlen des aufsteigenden Dampfes entstehen. Zum Gedanken, diese Tropfen durch eine besondere Gestaltung des Topfes mit Deckel aufzufangen, irgendwie nutzbar zu machen und auch vielleicht auf ihre Natur hin zu untersuchen, ist es nicht weit. In diesem Falle stellte sich die Aufgabe, zweckmäßige Formen zu entwickeln.

Tatsächlich zeigen Bodenfunde aus sumerischer Zeit, dass solche Gefäße bereits in sehr früher Zeit existierten. Abbildung 1 zeigt ein solches, sehr großes Gefäß mit Rinnenrand. Wenn in diesem Rand ein zweiter Topf mit einfachem Rand umgekehrt ruht, kann sich in der Rinne das Kondensat sammeln. Wir haben es dann mit einer Apparatur zu tun, die die Durchführung einer Destillation (oder auch einer Sublimation) ermöglicht. Ist die Aufnahmekapazität der Rinne erschöpft, läuft das Destillat über den niedrigeren Innenrand der Rinne in den Topf zurück. Es ist sicherlich etwas schwierig, das Destillat aus der Rinne zu schöpfen.