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Denkmalpflege auf dem Dach der Welt. Das Nako Research und Preservation Project zur Erforschung und Erhaltung des buddhistischen Tempelkomplexes von Nako im nordindischen Himalaja

von Susanne Beseler - 23.2.2007

Für die Bewältigung dieser Herausforderung bedarf es neben eines leidenschaftlich arbeitenden, vielleicht sogar ein wenig besessenen Teams, nicht unerheblicher finanzieller Mittel. Obwohl versucht wird, lokale Ressourcen bestmöglich zu nutzen, wie beispielsweise das örtliche Baumaterial Lehm, müssen zahlreiche Arbeitsgeräte, Kabeltrommeln, Lampen, Akkus oder speziellen Chemikalien auf die lange und beschwerliche Reise von Wien nach Nako geschickt werden. Dort angekommen wird jede Skalpellklinge oder jedes noch so kleine Werkzeug unbezahlbar und alles was vergessen wurde oder fehlt, unerreichbar… Auch müssen die wenigen Tage, die das Team vor Ort sein kann, maximal genutzt werden. Körperliche Wehwehchen durch die Strapazen der Anreise, Verdauungsprobleme, Leiden unter der dünnen Höhenluft oder das kalte „wenig luxuriöse“ Quartier, treten in den Hintergrund. Der besondere und mit nichts zu vergleichende Ort Nako, die einmalige Stimmung in Dorf und der Tempelkomple, die scheuen, vorsichtigen und dennoch herzlichen Kontakte mit den Bewohner sind Motivation und Dank zugleich und lassen alle Erschwernisse verblassen.

Wand- und Deckenmalerei im Tempel Gongma Lhakhang nach der Restaurierung 2006. (Foto: Nako Research & Preservation Project)
Wand- und Deckenmalerei im Tempel Gongma Lhakhang nach der Restaurierung 2006. (Foto: Nako Research & Preservation Project)

In bereits vier Arbeitskampagnen konnten die Restauratoren seit 2004 erfolgreich an und in den Tempeln tätig werden. Nach ersten Bestands- und Schadenserfassungen wurden Notsicherungen an besonders gefährdeten Bereichen der Putze und Wandmalereien durchgeführt. Für eines der Tempeldächer wurde ein Restaurier- und Sanierkonzept entwickelt und mit tatkräftiger Unterstützung der Einwohner umgesetzt. Reinigung und Konservierung der raumseitigen polychromen Holzdecke sowie der Wandmalereien in diesem Tempel konnten bereits abgeschlossen werden.

Anbetung der Prajna Paramita (Göttin der Weisheit) nach „Übergabe“ der restaurierten Skulptur. (Foto: Nako Research & Preservation Project)
Anbetung der Prajna Paramita (Göttin der Weisheit) nach „Übergabe“ der restaurierten Skulptur. (Foto: Nako Research & Preservation Project)

Dieses Ergebnis sowie die im Haupttempel durchgeführte Konservierung und Restaurierung der zentralen Göttin der Weisheit (Lehmskulptur) wurde von der Dorfbevölkerung am Ende unseres diesjährigen Aufenthaltes in Nako mit einer festlichen Zeremonie gefeiert. Die überwältigende Reaktion der lokalen Buddhisten war die größte Anerkennung unserer Arbeit und der schönste Dank.

Parallel zu den Arbeitseinsätzen vor Ort laufen konservierungswissenschaftliche Forschungen in Wien. Die historischen Techniken und Materialien sowie ihre Zerfallsprozesse werden untersucht und die Nachhaltigkeit geeigneter konservatorischer und restauratorischer Maßnahmen getestet. Aber auch das Schreiben von Förder- und Projektanträgen zählt derzeit zur zentralen Aufgabe der Restauratoren - bisherige Finanzierungen laufen aus oder decken die enormen Kosten nicht vollständig ab.

Weitere Kampagnen sind dringend erforderlich, um die begonnen Arbeiten fortzuführen und so das kulturelle Erbe von Nako zu wahren. Bereits im Frühsommer 2007 werden sich wieder Restauratoren und Studierende auf den Weg in den Himalaja machen...

 

Das Nako Research und Preservation Project (NRPP)

Projektpartner sind das Institut für Kunstgeschichte, Prof. Dr. Klimburg-Salter an der Universität Wien, das Architekturbüro Romi Khosla, New Delhi (Indien), das National Research Laboratory for Conservation of Cultural Property, Lucknow (Indien) und das Institut für Konservierung und Restaurierung, Prof. Dr. Gabriela Krist an der Universität für angewandte Kunst Wien.

Die Finanzierung lief bis 2004 über den FWF (Forschung und Dokumentation)
und den World Monument Fund (Restaurierung) sowie seit 2006 durch die Austrian Development Agency und während der gesamten Dauer über Sonderprojektmittel und Drittmittel des Instituts für Konservierung und Restaurierung an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Ab Mai 2007 wird das Forschungsvorhaben erneut vom FWF (Wissenschaftsfonds Österreich) für 3 Jahre gefördert.

Links:
www.univie.ac.at/fsp-programm/wmf
www.dieangewandte.at/restaurierung
www.olah.at/webgallery/nako/webgallery


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