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Von A bis Z

Das kleine Bergdorf Nako liegt im nordindischen Bundesstaat Himachal Pradesh nur wenige Kilometer von der tibetischen Grenze entfernt inmitten einer unwirklichen Felslandschaft auf einer Höhe von 3700 m. Durch die Abgeschiedenheit hat sich eine kaum vergleichbare Ursprünglichkeit erhalten, die sich deutlich in der Dorfstruktur und Architektur sowie in der Lebensweise der ca. 400 Einwohner widerspiegelt. Auf dem höchsten Platz am Dorfrand erhebt sich der Tempelkomplex. Schlicht und bescheiden wirken die vier unterschiedlich großen Lehmbauten. Ihre Entstehung geht auf die jahrtausendealten Pilger- und Handelwege zurück, die diese Region durchzogen, und reicht bis in das 11. Jahrhundert.
Die Bedeutung und künstlerische Dimension dieser Tempel erschließt sich erst beim Betreten der dunklen, fensterlosen Innenräume. Wenn das Auge sich nach dem Eintreten durch die kleine Tür, langsam an die geheimnisvolle Finsternis gewöhnt hat, beginnen erdige Farben zögernd zu leuchten. Konturen werden im Schein der flackernden Lämpchen sichtbar. Detail für Detail entdeckt man nun die Pracht der Ausstattung und ist gefangen von der Fülle: wunderschöne klein- und großformatige Wandmalereien mit vergoldeten Mandaladarstellungen; zahllose, teilweise fast lebensgroße, bunte skulpturale Gottheiten; textile Bemalungen auf geschnitzten Holzdecken – ein Gesamtkunstwerk.
Wenn die Restauratoren das gleißende Licht der mitgebrachten Schweinwerfer einschalten, geht der Zauber der Ausstattungen nicht verloren, jedoch wird der schlechte und teilweise bedrohliche Erhaltungszustand der jahrhundertealten Kunstwerke gnadenlos sichtbar. Erdbeben, Klimaveränderungen und mangelnde Pflege haben neben den natürlichen Alterungsprozessen den verschiedenen Materialien zugesetzt und deutliche Spuren hinterlassen: Dächer sind undicht, Holzteile morsch, Wände gerissen, der Putz mit den Wandmalereien bröckelt ab und Gottheiten sind durch fehlende Kronen oder Hände entstellt.
Bereits seit mehreren Jahren bemüht sich das Nako Research und Preservation Project, das von Prof. Dr. Deborah Klimburg-Salter (Universität Wien, Institut für Kunstgeschichte) initiiert wurde, um die Erhaltung dieses kunst- und kulturgeschichtlich bedeutenden Tempelkomplexes. Seit 2004 arbeiten die Restauratoren des Instituts für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien unter der Leitung von Prof. Dr. Gabriela Krist an diesem Projekt mit.
Jedoch nicht nur die Umsetzung der aktuell dringenden Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen ist das Ziel des internationalen und interdisziplinären Arbeitsteams aus österreichischen Kunsthistorikern und Restauratoren sowie Architekten und Restauratoren aus Indien.
Vielmehr soll die wissenschaftliche Erforschung der Bau- und Kunstgeschichte der Tempel mit der Entwicklung und Umsetzung langfristiger Erhaltungsstrategien verbunden werden. Hierbei steht die Gesamtheit der Tempelanlage im Vordergrund und nicht die Totalrestaurierung einzelner Objekte.
Bei der Ausführung von baulichen Erhaltungsmaßnahmen kommt dem Einbezug der Dorfbevölkerung eine wesentliche Rolle zu. Die Tempel sollen auch nach dem Projektabschluss als zentrale Pilger- und Anbetungsstätte genutzt werden. Und gerade hier liegt die besondere Herausforderung: auf die lokalen Bedürfnisse in spezieller Weise Rücksicht zu nehmen und dabei dennoch internationale Standards der Konservierung und Restaurierung einzubringen.





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