15.03.2010 - 22:52:51
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Von der Stele zur Stadt. Ausgrabungen in Hamadab/Sudan

von Annett Dittrich, Kerstin Geßner -

Die Vielseitigkeit der meroitischen Handwerkskunst illustrieren Funde wie Fayencen, darunter die Darstellung einer ihre Jungen säugenden Löwin, Perlen aus Schmucksteinen oder Straußeneischalen, Glasfragmente, Spinnwirtel sowie ein goldener Ohrring.

Löwin aus Fayence, Länge 3,5 cm. (Foto: P. Wolf)
Löwin aus Fayence, Länge 3,5 cm. (Foto: P. Wolf)
Abfallhügel mit Eisenschlacke (hinten links), Reste der Stadtmauer (vorn rechts). (Foto: P. Wolf)
Abfallhügel mit Eisenschlacke (hinten links), Reste der Stadtmauer (vorn rechts). (Foto: P. Wolf)

Für eine lokale Eisenproduktion sprechen mehrere umliegende Schlackehügel außerhalb der Stadtmauer, sowie die Funde von Tonröhren (tuyères) mit anhaftender Schlacke.

Überraschenderweise wurden innerhalb der Siedlung jedoch kaum Eisenobjekte gefunden, zudem ist der zeitliche Bezug der Schlackereste zu der - anhand von Keramik in das 1. Jh. v. Chr. bis 3. Jh. n. Chr. datierten - Bebauung, noch zu klären.

Stein war sicherlich nach wie vor ein beliebter Werkstoff: Neben zahlreichen Reib- und Picksteinen war beispielsweise eine einzelne Pfeilspitze sorgfältig aus Feuerstein gearbeitet. Dazu fand sich bereits auf der Oberfläche eine große Anzahl an so genannten Archer's looses - Daumenringen, wie sie von Bogenschützen benutzt wurden. Sie sollten das Spannen der Bogensehne erleichtern oder auch die heftig auf den Daumen zurückschnellende Sehne abfangen.

Die aus Hartgestein herausgeschliffenen und durchbohrten Ringe dürften Prestigewert besessen haben, da sich auch Könige bewusst mit einer Bogenausrüstung und dem aufgesteckten Daumenring auf Reliefs abbilden ließen.

Steinerne Daumenringe meroitischer Bogenschützen. (Foto: P. Wolf)
Steinerne Daumenringe meroitischer Bogenschützen. (Foto: P. Wolf)

Alle in Hamadab gefundenen Stücke sind zerbrochen, weiterhin fanden sich Hinweise auf Halbfabrikate. Aufgrund der Menge zieht Grabungsleiter Wolf eine Präsenz von meroitischem Militär in Betracht und vermutet das Vorbild für Hamadab in befestigten Militärlagern, deren Baunormen zusammen mit der römischen Expansion nach Nordafrika gelangten.

Die schon aus der britischen Altgrabung bekannte "Temenosmauer", eine gewaltige, mit gebrannten Ziegeln verblendete Lehmziegelstruktur, stellte sich schließlich als Teil der Stadtbefestigung heraus, da ihr Verlauf nicht auf den Tempelbezirk beschränkt blieb. Entsprechend war es das Ziel der folgenden Kampagne 2003, durch die Verfolgung der Stadtmauer die Ausdehnung der Stadtbebauung einzugrenzen.

Reste der Stadtmauer im Norden der Siedlung. (Foto: P. Wolf)
Reste der Stadtmauer im Norden der Siedlung. (Foto: P. Wolf)

Testschnitte im Norden der Stadt lieferten tatsächlich das erhoffte Resultat: Teile der anscheinend rechtwinklig abknickenden Mauer, die parallel zur so genannten Prozessionsstraße laufen, wurden erfasst. Im Süden konnte sie dagegen trotz eines 100 Meter langen Suchschnittes noch nicht lokalisiert werden: Im Gegenteil deuten dicht beieinander liegende Gebäudereste an, dass eine noch wesentlich großflächigere Stadtbebauung angenommen werden muss.

Letztlich umfasst die archäologisch erschlossene Fläche nur einen Bruchteil des Nordhügels. So zeigt sich der Fundplatz Hamadab als Teil einer antiken, perlenschnurartig gereihten Siedlungslandschaft des oberen Niltals und bietet noch auf lange Sicht ein Betätigungsfeld für Archäologen(generationen).

Literatur

  • J. GARSTANG 1914-1916, Fifth Interim Report on the Excavations at Meroe in Ethiopia, LAAA 7, S. 1-24.
  • P. WOLF 2002a, Die Ausgrabungen in Hamadab bei Meroe - Erste Kampagne, Frühjahr 2001, Der antike Sudan 13, 92-104.
  • P. WOLF 2002b, Die Ausgrabungen in Hamadab bei Meroe - Zweite Kampagne, Frühjahr 2001, Der antike Sudan 13, 105-111.
  • P. WOLF 2002c, Life in a Meroitic town - The Domat al Hamadab Excavations, Common Aims, Sudanese-German Co-operation in Archaeology, National Museum Khartoum 2003, 29-31.
  • P. WOLF 2002d, Neue Stadtforschungen im Sudan - Die Siedlungsgrabungen in Hamadab bei Meroe, Kemet 12.3, 67-69.

Kontakt

Hamadab Expedition
Projektleitung Dr. Pawel Wolf

c/o Seminar für Ägyptologie und Sudanarchäologie,
Humboldt-Universität zu Berlin
Prenzlauer Promenade 149-152
D-13189 BERLIN
tel 030-4797328
fax 030-4797326
www.hamadab.de