13.02.2012 - 21:18:35

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Diokletian, der verkannte Kaiser.

von Wolfgang Kuhoff -

Im administrativen Bereich ist die Reform der Territorialverwaltung, im fiskalischen sind die Neuordnung des Steuersystems, die Revision der Währung und die Festsetzung von Höchstpreisen für Waren und Dienstleistungen hervorzuheben. Um eine straffere Verwaltung der Provinzen zu erreichen, wurden diese vielfach verkleinert, die mit Truppen versehenen zudem gesondert behandelt: Während ihre Zivilbelange dem Statthalter blieben, wurden die militärischen Aufgaben jeweils einem eigenen Befehlshaber mit dem Titel dux übertragen, der auch für mehrere verkleinerte Provinzen zuständig sein konnte.

Oktogonaler Audienzraum im Palaste des Galerius in Thessaloniki. (Foto: Wolfgang Kuhoff)
Oktogonaler Audienzraum im Palaste des Galerius in Thessaloniki. (Foto: Wolfgang Kuhoff)

Diese sich über Jahre hinziehende Neuordnung wurde durch die allerdings erst in der Spätzeit Diokletians begonnene Einsetzung von Beamten, die den Statthaltern übergeordnet waren und die Aufsicht über eine Reihe von Provinzen erhielten, komplementiert: Diese Amtsinhaber führten den Titel vicarius, ihre Zuständigkeitsbereiche hießen Diözesen; von diesen wurden in der nachdiokletianischen Zeit 12 geschaffen.

Zu den Hauptaufgaben der zumeist dem Ritterstand angehörenden Statthalter, der praesides und correctores, gehörte die Einnahme der Steuern. Reichsweit eingeführt wurde ein neues Erhebungssystem, das mit den Schlagworten capitatio und iugatio definiert wird: Die in der Landwirtschaft tätige Bevölkerung hatte pro Kopf und Landbesitzeinheit einen jeweils nach der Güte des Bodens bemessenen Betrag an die Staatskasse abzuführen, der alle fünf Jahre von eigenen Staatsbeamten, den exactores, neu festgesetzt wurde: Die Bezeichnung für diesen später auf 15 Jahre verlängerten Steuerzeitraum, die indictio, wurde zu einem noch lange in nachantiker Zeit üblichen Mittel allgemeiner Zeitrechnung.

Mausoleum in Form einer Rotunde im selben Palaste. (Foto: Wolfgang Kuhoff)
Mausoleum in Form einer Rotunde im selben Palaste. (Foto: Wolfgang Kuhoff)

Im Jahre 301 wurden andererseits mittels kaiserlichen Erlasses die Wertrelationen der etwa acht Jahre zuvor eingeführten neuen Münztypen geregelt, von denen der nummus, eine große Kupfermünze mit Silberüberzug, sowie der argenteus, eine reine Silbermünze, für den Umlauf am wichtigsten waren. Im Gegensatz zur früheren Kaiserzeit beschränkte sich der Bild- und Legendenvorrat jedoch auf wenige Typen, mit denen die vier Herrscher ihr eigenes Bild mitsamt einiger Szenen wie Staatsopfer, drei Münzgöttinnen (monetae), Feldlager und Genius populi Romani präsentierten. Einzig die nicht für den Umlauf gedachten Medaillons zeigten eine beträchtliche Vielfalt, wurden sie doch den Stützen des Staates, Offizieren und Beamten, zum Geschenk gemacht.

Zur Vervollständigung der wirtschafts- und finanzpolitischen Reform wurde schließlich Ende 301 das große Höchstpreisedikt erlassen, das als eine der wichtigsten Inschriften der gesamten Antike fast zur Gänze überliefert ist: Für Hunderte von Waren und Dienstleistungen wurden Maximalpreise festgelegt, die bei hohen Strafen nicht überschritten werden durften; etliche Vergleichsangaben in Papyri zeigen, daß die tatsächlichen Preise meist merklich darunterlagen.[7]

Das Jahr 303 brachte zwei wichtige Ereignisse, das zwanzigjährige Regierungsjubiläum der Augusti zusammen mit der Zehnjahresfeier der Caesares sowie die Einleitung der großen Christenverfolgung.

Der sogenannte "Kleine Ehrenbogen des Galerius" aus seinem Palaste, heute im Archäologischen Nationalmuseum in Thessaloniki, mit den zwei Medaillons des Kaisers und seiner Frau Galeria Valeria, Tochter Diokletians, deren Bildnis später in dasjenige der Stadtgöttin umgearbeitet wurde. (Foto: Wolfgang Kuhoff)
Der sogenannte "Kleine Ehrenbogen des Galerius" aus seinem Palaste, heute im Archäologischen Nationalmuseum in Thessaloniki, mit den zwei Medaillons des Kaisers und seiner Frau Galeria Valeria, Tochter Diokletians, deren Bildnis später in dasjenige der Stadtgöttin umgearbeitet wurde. (Foto: Wolfgang Kuhoff)

Diese begann am 29. Februar und wurde in Angriff genommen, um die in der Präambel des Höchstpreisediktes genannte fortuna rei publicae nostrae angesichts des nahenden Regierungsjubiläums durch Überwindung des letzten inneren Widerstandes zu verwirklichen. Die vollkommene Harmonie im Reich schien durch die Widerspenstigkeit der Anhänger des christlichen Glaubens gefährdet, da diese nicht gewillt waren, den wiederbelebten Staatskult mit Iuppiter an der Spitze der Götter und seinem wichtigsten Helfer Hercules anzuerkennen: Beide waren die Schutzgottheiten ihrer irdischen Vertreter, der vier Kaiser.

Die sich über etliche Jahre hinziehende Verfolgung brachte dennoch nicht den erwünschten Erfolg, da die Widerstandskraft der Verfolgten trotz der vielen Getöteten unterschätzt wurde. Schließlich ließ Galerius im Jahre 311 die staatlichen Maßnahmen beenden, um die Anhänger des neuen Glaubens in die Einheit des Reiches einzubinden und sie zu ständigen Fürbitten an ihren Gott zum Wohle der Kaiser anzuhalten.

Diokletian und seine Herrscherkollegen mußten daher ihre Regierungsjubiläen ohne innenpolitischen Frieden begehen, doch fielen sie nichtsdestoweniger prächtig aus, was wie für vergleichbare Ereignisse numismatische Festprägungen verdeutlichen. Am 20. November 303 trafen sich Diokletian und Maximian in Rom zu ihrer großen Jubiläumsfeier, während der ein Monument eingeweiht wurde, das sogenannte Fünfsäulendenkmal, von dem eine Basis mit vier Reliefs eines Staatsopfers erhalten ist; den Gesamteindruck vermittelt ein Relief des Konstantinsbogens. Die Reaktion der Öffentlichkeit zeigt die Weihung eines Ehrenbogens in der Gemeinde Macomades, Provinz Numidia: Hier stifteten zwei städtische Priester Statuen der Victoria für den Bogen auf Geheiß des Stadtrates und verbanden dies ausdrücklich mit der Zwanzigjahrfeier, ja sie wünschten den Augusti sogar noch eine dreißigjährige Regierungszeit.

Daß es dazu jedoch nicht kam, entsprang dem schon einige Jahre zuvor gefaßten Entschluß Diokletians, wenige Zeit nach dem Festereignis abzudanken und die Herrschaft an die beiden Caesares weiterzugeben, worin ihm Maximian nicht ganz gewollt folgte. So legten der ältere Kaiser am 1. Mai 305 in Nicomedia und sein Kollege am selben Tage in Mediolanum das Kaisertum nieder und zogen sich in vorbereitete Altersruhesitze zurück, ersterer in seinen großen Palast nach Aspalathos, der zweite in eine unbekannte Villa in Süditalien.[8]


[7] Der Gesamtbereich der wirtschaftlich-fiskalischen Reformmaßnahmen wird von Kuhoff, Diokletian 483-564, erörtert. Die letzte Textausgabe des Höchstpreisediktes legte Marta Giacchero, Edictum Diocletiani et Collegarum de pretiis rerum venalium, in integrum fere restitutum e Latinis Graecisque fragmentis, 2 Bde., Genua 1974, vor; seitdem sind einige neue Fragmente hinzugekommen.

[8] Die Ereignisse schildert Kuhoff, Diokletian 230-245 (Regierungsjubiläen), 246-297 (Christenverfolgung) und 297-326 (Abdankung): Die Quellen und frühere Literatur sind ausführlich in den Anmerkungen aufgeführt.

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