13.02.2012 - 21:19:02

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Diokletian, der verkannte Kaiser.

von Wolfgang Kuhoff -

Wahrscheinlich dem Palaste Maximians zuzuweisende Ruinen in Mailand. (Foto: Wolfgang Kuhoff)
Wahrscheinlich dem Palaste Maximians zuzuweisende Ruinen in Mailand. (Foto: Wolfgang Kuhoff)

Gleichzeitig gelang Diokletian 297/298 die Niederwerfung eines Aufstandes in Ägypten, der mit Lucius Domitius Domitianus einen letzten Gegenkaiser hervorgebracht hatte. Zur selben Zeit unternahm Maximianus in Afrika einen Feldzug gegen maurische Stämme, die häufig den römischen limes beunruhigten. Zur monetären Versorgung seiner Soldaten wurde eigens eine Münzstätte in der Metropole Carthago eingerichtet, deren thematische Konzentrierung auf die afrikanischen Verhältnisse auffällt.

In Rom ließ Maximian während eines Aufenthaltes auf dem Rückweg in seine Residenzstadt Mediolanum (Mailand) den Bau der gigantischen Thermenanlage in Angriff nehmen, die im Jahre 306 vollendet und mit dem Namen Diokletians bezeichnet wurde: Ihre mächtigen Ruinen nahe des Bahnhofs von Rom, der Stazione Termini, beeindrucken trotz beträchtlicher Zerstörung noch heute, und die Kirche S. Maria degli Angeli wie das Museo Nazionale delle Terme bewahren beide die Erinnerung an die größte Thermenanlage der antiken Architekturgeschichte, in der anscheinend 3000 Menschen gleichzeitig einem weitgespannten Badevergnügen nachgehen konnten.

Die Porta Aurea, das Nordtor des Diokletian-Palastes in Split. (Foto: Wolfgang Kuhoff)
Die Porta Aurea, das Nordtor des Diokletian-Palastes in Split. (Foto: Wolfgang Kuhoff)

Im Ganzen stellt die Bautätigkeit einen besonderen Schwerpunkt innerhalb der Regierungstätigkeit Diokletians und seiner Kaiserkollegen dar. Großbauten waren vor allem die Residenzen in den hauptsächlichen Aufenthaltsorten der vier Herrscher: Für Diokletian waren es Sirmium (Šremska Mitrovica am serbischen Donauufer) und Nicomedia im nordwestlichen Kleinasien, für Maximian Mediolanum und Aquileia im nördlichen Italien, für Constantius Lugdunum (Lyon) und Augusta Treverorum (Trier) sowie für Galerius Thessalonica und Serdica (Sofia). In unterschiedlichen Dimensionen sind hier Reste der palatia erhalten, die als wichtigste Bestandteile die eigentlichen Wohngebäude, die Repräsentationsräume mit der aula für offizielle Empfänge im Zentrum und den circus als Begegnungsstätte von Kaiser und Volk anläßlich der Wagenrennen umfaßten.

Am bekanntesten ist der großartige, heute noch in beträchtlichem Maße vorhandene Diokletianspalast in Split, der erst als Residenz des abgedankten Kaisers diente, aber bis auf den Circus die Hauptbestandteile eines palatium aufwies. In jüngerer Zeit sind die Überreste des Galerius - Palastes in Thessaloniki und der Altersresidenz desselben Kaisers, Romuliana, durch die archäologische Wissenschaft ins Licht der Öffentlichkeit gerückt worden. Dazu kommt die anscheinend dem Maximian zuzuweisende Anlage einer großen villa suburbana im andalusischen Cordoba, die aber nur kurzzeitig vor dem Afrika-Feldzug genutzt worden sein dürfte, weshalb auch hier der Circus fehlt.

Restaurierter Raum im meerseitigen Untergeschoß des Palastes in Split mit einer marmornen mensa, die zur Ausstattung des ehemals darüberliegenden triclinium, des Speiseraumes, gehörte. (Foto: Wolfgang Kuhoff)
Restaurierter Raum im meerseitigen Untergeschoß des Palastes in Split mit einer marmornen mensa, die zur Ausstattung des ehemals darüberliegenden triclinium, des Speiseraumes, gehörte. (Foto: Wolfgang Kuhoff)

Neben diese Repräsentationsbauten traten die zum Grenzschutz wichtigen Truppenlager, die castella, welche neuangelegt wurden oder Umbauten bereits bestehender waren: Man kann von einem regelrechten Bauprogramm sprechen, das in allen einschlägigen Regionen verwirklicht wurde.

Im Osten war es eine Militärstraße, die strata Diocletiana, mit den zugehörigen, häufig quadratisch mit vier Ecktürmen errichteten Lagern. In Afrika geht es um die centenaria, ursprünglich für rund 100 Soldaten gedachte Kleinfestungen. In Britannien wurden die großen Kastelle des litus Saxonicum gegen Überfälle von See her angelegt, während an der Rheingrenze und an der Donau Verstärkungen alter castra erfolgten, aber auch eindrucksvolle neue, das Gelände ausnutzende Festungen angelegt wurden, wozu überall der Ausbau der Stadtmauern im Hinterland hinzutrat. Verschiedene inschriftliche Zeugnisse dokumentieren diese militärische Bautätigkeit, deren Verwirklichung dem Prestige der Kaiser als Schützer des Reiches zugutekam.[5]

Aufgrund der negativen Erfahrungen vergangener Jahrzehnte begann Diokletian parallel zum Ausbau des Grenzschutzes mit einer Reform des Heeres. Einerseits wurden die traditionellen Großeinheiten, die Legionen, jeweils in mehrere kleinere aufgeteilt, die entweder an den limites verblieben oder im Hinterland als mobile Reserve stationiert wurden. Darüberhinaus wurden den schon vorhandenen kleineren Einheiten, den sogenannten Hilfstruppen, neuere, zum Teil aus Nichtreichsangehörigen rekrutierte beigesellt, deren Beinamen ihre Gründung in dieser Zeit anzeigen; besonderer Nachdruck wurde dabei auf die Verstärkung der Reiterei gelegt.

Einige Überreste der wohl für Maximian errichteten villa suburbana in Cordoba. (Foto: Wolfgang Kuhoff)
Einige Überreste der wohl für Maximian errichteten villa suburbana in Cordoba. (Foto: Wolfgang Kuhoff)

Einherging mit dieser Maßnahme eine intensive Nutzung des Reservoirs an erfahrenen Soldaten, die sich bis zu höchsten Kommandeursstellen empordienen konnten. Ein derartiger aus militärischen Erwägungen vollzogener Aufstieg führte die so Geförderten auf der sozialen Stufenleiter in den Ritterstand, der dem Senatorenstand rangmäßig nachfolgte. Besonders befähigte Männer konnten kraft kaiserlicher Verleihung sogar in diesen gelangen, der freilich vieles von seiner althergebrachten Macht eingebüßt hatte - attraktiv war allein noch das höhere Sozialprestige, denn die Senatoren galten weiterhin als Spitze der Gesellschaftspyramide nach dem Kaiser.

Einige Karrieren solch erfahrener Militärs sind überliefert. Darüberhinaus wurden auch im zivilen Staatsdienst die Ritter gegenüber den Senatoren gefördert, so daß letzteren nur noch wenige, ausschließlich mit Verwaltungsaufgaben versehene Ämter verblieben, so etwa als Spitzenstellung die Stadtpräfektur von Rom. In der Regierungszeit Konstantins des Großen begann dann die fast vollständige Verschmelzung beider Stände.[6]

[5] Die tetrarchischen Repräsentationsbauten erfuhren aufgrund der neuen archäologischen Untersuchungen in jüngerer Zeit erhöhte Aufmerksamkeit, die sich in einigen Sammelbänden niederschlug: Dragoslav Srejovic (Hrsg.), Roman Imperial Towns and Palaces in Serbia, Belgrad 1993; Ders. (Hrsg.), The Age of the Tetrarchs. A Symposium Held From the 4th to the 9th October 1993, Belgrad 1995; L'Antiquité Tardive 2, 1994. Zum Gesamtkomplex siehe jetzt auch Kuhoff, Diokletian 716-783.

[6] Kuhoff, Diokletian 426-483 (Heeresreform und Offiziere), 399-410 (Senatoren und Ritter).

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