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Unbekanntes Kasachstan

Archäologie im Herzen Asiens

29.3.2013
Kasachstan hat extrem unterschiedliche Landschaften zu bieten. Viele faszinierende Aufnahmen sind in Großprojektion in der Ausstellung zu sehen (Foto: Z. Samachev)

Vom 26. Januar bis 30. Juni 2013 zeigt das Deutsche Bergbau-Museum Bochum (DBM) seine neue Sonderausstellung »Unbekanntes Kasachstan – Archäologie im Herzen Asiens«. Die Ausstellung wird im Sonderausstellungsgebäude des DBM, dem »Schwarzen Diamanten«, auf einer Fläche von 800 qm präsentiert.

Junge Kasachinnen
Junge Kasachinnen in ihrer Tracht bei einer festlichen Veranstaltung (Foto: E. Usmanova)
Innenausstattung der Jurte
Innenausstattung der Jurte (Foto: Zentrales Staatsmuseum Almaty, Kasachstan)

Unbekanntes Kasachstan! Ein Titel, der hierzulande sicher zutrifft. Vorrangig handelt es sich um eine archäologische Ausstellung. Insgesamt 18 verschiedene Leihgeber aus allen Teilen Kasachstans haben mehr als 1.000 Objekte für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt. 6.000 Jahre Geschichte waren so außerhalb Kasachstans noch nie zu sehen gewesen!

Kasachstan ist ein riesiges Land mit vergleichsweise wenigen Einwohnern. Es war uns besonders wichtig, Besuchern auch das Land und seine Menschen nahe zu bringen. Im Obergeschoss des Ausstellungsgebäudes zeigt eine Großbildprojektion auf elf Metern Breite die überwältigende Vielfalt kasachischer Landschaften sowie Ausschnitte aus dem Leben seiner Bewohner. Eine originale zentralasiatische Jurte mit prachtvoller Innenausstattung gibt einen Eindruck vom Leben der auch heute noch existierenden Nomaden, die mit ihren Viehherden wie schon vor 3.000 Jahren durchs Land ziehen.

Junge Wissenschaftlerin des DBM bei der Dokumentation des alten Zinnbergbaus von Askaraly
Junge Wissenschaftlerin des DBM bei der Dokumentation des alten Zinnbergbaus von Askaraly in Ostkasachstan (Foto: DBM)
Nachgebaute Feuersetzbühne
Nachgebaute Feuersetzbühne; hier werden zudem Präsentationen zu den Themen Forschungsprojekt DBM und Feuersetzen gezeigt (Foto: Th. Rabsilber, DBM)

Auslöser für diese Ausstellung war ein Forschungsprojekt, dass das DBM schon seit zehn Jahren zusammen mit kasachischen Kollegen betreibt. Dieses Projekt beschäftigt sich mit der bronzezeitlichen Gewinnung von Kupfer und Zinn in Zentralasien, vor allem in Ostkasachstan. Erstmalig für die Region konnte in Askaraly der Zusammenhang von menschlichem Leben (Siedlung), Arbeit (Rohstoff/Bergwerk/Verhüttung) und Tod (Gräberfeld) wissenschaftlich nachgewiesen werden. Die Ergebnisse dieser Forschungen werden hier erstmalig einem breiten Publikum vorgestellt.

Kasachstan ist sehr reich an den unterschiedlichsten Rohstoffen - ein Thema, das nicht nur zu alten Zeiten, sondern auch heute von großem Interesse ist. Manche dieser Ressourcen wurden schon in der Vorgeschichte genutzt. Menschen benötigten zu allen Zeiten Rohstoffe, um zu überleben und ihren Lebensstandard zu verbessern. Kupfer und Zinn z. B. wurden schon vor 6.000 Jahren benötigt, um aus Bronze Werkzeuge, Waffen und Schmuck herzustellen. Viele der reichen Kupferlagerstätten Zentralasiens waren schon in der Bronzezeit bekannt und wurden bereits ausgebeutet. Rohstoffe waren immer ein Motor für die technische, aber auch für die kulturelle Entwicklung von Menschen. Der Erfindungsreichtum der Menschen, mit welchen Methoden solche Rohstoffe abgebaut wurden, ist ebenfalls zu sehen. Filmaufnahmen von experimenteller Archäologie zeigen, wie aufwändig solche Untersuchungen sein können.

Hunderte von archäologischen Objekten vermitteln einen Eindruck der spätneolithischen und bronzezeitlichen Welt in Kasachstan. Schon vor gut 5.000 Jahren finden sich in Kasachstan Kulturen, die Pferde gezüchtet haben, wohl die weltweit ältesten entsprechenden Belege.

Bronzezeitliche Beckenschaufel eines Mannes mit darin steckender bronzener Pfeilspitze (Foto: M. Schicht, DBM)
Nachbau eines der ältesten bekannten bronzezeitlichen Streitwagens (Foto: Th. Rabsilber, DBM)
Das Leben in einer heutigen Jurte unterscheidet sich rein äußerlich kaum von damals. Tatsächlich sind heute aber viele Jurten mit Elektrizität und moderner Technik ausgestattet (Foto: Andrej Donez)

Ungewöhnlich ist sicher auch der Fund einer menschlichen Beckenschaufel, in der eine bronzene Pfeilspitze steckt. Unklar ist bis heute, ob dieser Mensch die schwere Verletzung überlebt hat oder nicht. Sehr anschaulich ist auch der Nachbau eines bronzezeitlichen Streitwagens, auch dies eines der ältesten bekannten Exemplare der Welt.

In der unteren Etage der Ausstellung wird das erstaunliche Phänomen des Nomadismus vermittelt. Um etwa 1.000 v. Chr. scheint sich das Klima verändert zu haben. Es wurde feuchter und kühler, Grasflächen und Weidegebiete nahmen zu. Immer mehr Menschen entschieden sich für ein nomadisches Leben. Sie zogen mit ihren Herden und ihrem beweglichen Hab und Gut durchs Land, immer auf der Suche nach neuen Weidegründen. Eine Lebensweise, wie sie auch heute noch bei Bevölkerungsteilen Zentralasiens zu beobachten ist.