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Ein neues Museum für einen alten Fundplatz - Die letzte Stufe der Planung

4.6.2008
Nach dieser Vorlage aus den Funden des Weingartener Gräberfeldes entwarf das Designbüro einen Drachen für die Kindertexte (Foto: Alamannenmuseum Weingarten)
Nach dieser Vorlage aus den Funden des Weingartener Gräberfeldes entwarf das Designbüro einen Drachen für die Kindertexte (Foto: Alamannenmuseum Weingarten)

Der letzte Schritt der Ausstellungsplanung für das neue Alamannenmuseum in Weingarten bestand in der Ausarbeitung der Details und vor allem der Texte. Viele der Vorsätze, die für die Ausstellungsplanung gefasst wurden, mussten in den Texten mit besonderer Aufmerksamkeit umgesetzt werden.

So sollte jede Information in der Ausstellung von den Exponaten ausgehend dargestellt werden und so wenig wie möglich über die Aussagekraft des Gräberfeldes hinausgehen. Dass Forschungsergebnisse aus anderen Fundorten aufgegriffen werden mussten, war unvermeidlich, aber jede Erklärung findet einen direkten Bezug in den Exponaten.

Dieser Drache begleitet alle Kindertexte, so dass junge Besucher direkt wissen, welche Textebene für sie am interessantesten ist. (Grafik: Mit freundlicher Genehmigung von Bertron.Schwarz.Frey Gruppe für Gestaltung GmbH)
Dieser Drache begleitet alle Kindertexte, so dass junge Besucher direkt wissen, welche Textebene für sie am interessantesten ist. (Grafik: Mit freundlicher Genehmigung von Bertron.Schwarz.Frey Gruppe für Gestaltung GmbH)

Zudem sollten neben den sehr allgemein gehaltenen Einführungstexten an den Stelen, speziellere Informationen in den Thementexten und schließlich auch einige Detailinformationen für Profis in den Objekttexten Platz finden. Für die Kinder wurden eigene Texte verfasst, die in Form kleiner Geschichten bestimmte Themen aufgreifen. Hier sollten auch verschiedene Altersgruppen berücksichtigt werden.

So ist zum Beispiel der Text zur Ausgrabung in Weingarten noch eine sehr einfache Geschichte über den Archäologiestudenten Gerhard, der auf dem Boden sitzt und Erde von den Funden kratzt. Bei der Station „Forschung“ hingegen versucht die Archäologin Christiane den Begriff „Befund“ zu erklären, was deutlich anspruchsvoller ist. Für alle Texte musste auf einfache Sprache und angemessene Kürze geachtet werden, was eine deutliche Selektion der Aussagen zur Folge hat. Umso wichtiger war es an einigen Stellen gezielt darauf hinzuweisen, dass durchaus verschiedene Interpretationsansätze zu bestimmten Funden existieren, diese aber nicht immer ausführlich dargestellt werden können.

 

Literaturtipp

J. Gerstenberger, Analyse alter DNA zur Ermittlung von Heiratsmustern in einer frühmittelalterlichen Bevölkerung, Diss. Göttingen 2002 (Onlinepublikation)

Auch der Inhalt der „Touchscreen“-Station sollte so verständlich wie möglich ausfallen. Hier können sich Besucher an einem Bildschirm über die DNA-Analyse informieren, die an Material aus dem Weingartener Gräberfeld durchgeführt wurde. Das Designbüro Bertron.Schwarz.Frey Gruppe für Gestaltung GmbH entwarf hierzu eine sinnvolle Menüführung sowie Grafiken.

Auch konkretere Vorbereitungen zu Aufbau und Einrichtung der Ausstellung wurden nun in Angriff genommen. Ein wichtiges Thema sind in diesem Zusammenhang zum Beispiel die Lagerungsbedingungen der Objekte in den Vitrinen. In Absprache mit einem Restaurator plante das Designbüro sowohl die zu verwendenden Materialien und Farben für die Vitrinen als auch den Einbau der Luftfeuchtigkeitsregulation. Viele der Objekte benötigen zudem eine sichere Befestigung, da sie zum Beispiel auf vertikalen Flächen oder in Schubladen gezeigt werden. Darüber hinaus benötigen auch Exponate auf horizontalen, unbeweglichen Flächen eine Halterung, da die Vibration des Bodens durch die Schritte der Besucher sonst dazu führen kann, dass die kleineren Objekte „wandern“.

Das Inventar des Grabes 142 dient als Vorlage für eine der Figuren im Museum. Allerdings wird die Puppe aus Sicherheitsgründen keine funktionstüchtige Spatha erhalten. Die farbigen Kreise bezeichnen hier Einzelteile zu denen Detailaufnahmen angefordert wurden. (Grafik: Alamannenmuseum Weingarten)
Das Inventar des Grabes 142 dient als Vorlage für eine der Figuren im Museum. Allerdings wird die Puppe aus Sicherheitsgründen keine funktionstüchtige Spatha erhalten. Die farbigen Kreise bezeichnen hier Einzelteile zu denen Detailaufnahmen angefordert wurden. (Grafik: Alamannenmuseum Weingarten)

Ein weiteres Detail, dessen Herstellung parallel zur Ausstellungsplanung lief, waren zwei Figuren mit Kleidung. Sie sollen relativ zentral in der Ausstellung stehen und tragen Trachten, die nach Funden aus dem Weingartener Gräberfeld hergestellt wurden. Die Zusammenstellung dieser Ausstattung übernahmen drei Tracht-Spezialisten, die seit Jahren frühmittelalterliche Tracht und Waffen rekonstruieren und ausprobieren: Andreas Franzkowiak, Christine Wenzel und Sally Süßmuth. Kleidungsschnitte, -farben und Tragweise, Trachtzubehör sowie Schuhe wurden nach Vergleichsfunden und Abbildungen angefertigt.

Seit Frühjahr 2008 nun werden alle Pläne im Alamannenmuseum umgesetzt. Nach dem Fahrstuhl folgten die neue Decke, Wandfarben und Boden. Der Aufbau und die Bestückung der Vitrinen fand im Mai statt. Während die feierliche Eröffnung am 6. Juni abends vielleicht eher Fachleute und Beteiligte reizt wird der „Alamannentag“ am 7. Juni von 10-18 Uhr sicher viele verschiedene Besucher begeistern.

Verschiedene historische Darsteller zeigen frühmittelalterliche Tracht und Waffen, führen Holz- und Textilhandwerk vor und kochen frühmittelalterliches Essen. Die neue Dauerausstellung ist zudem den ganzen Tag geöffnet und so können die Besucher das Ergebnis von mehr als einem Jahr Recherche, Planung und Arbeit erstmals genießen.

Rechts: Viel heller und größer wirkt der Saal des Alamannenmuseums mit neuer Decke, neuem Boden und neuen Farben. Links: Die schweren Holzsäulen des Raumes sind sind nun nicht mehr dunkelbraun sondern dezent grau. Das Gleiche gilt für die Decke. (Fotos: Alamannenmuseum Weingarten)
Rechts: Viel heller und größer wirkt der Saal des Alamannenmuseums mit neuer Decke, neuem Boden und neuen Farben. Links: Die schweren Holzsäulen des Raumes sind sind nun nicht mehr dunkelbraun sondern dezent grau. Das Gleiche gilt für die Decke. (Fotos: Alamannenmuseum Weingarten)