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Ein neues Museum für einen alten Fundplatz

Das Alamannenmuseum in Weingarten

5.12.2007
Ein Blick in die Ausstellung im alten Kornhaus (Foto: Stadtmuseum Weingarten)
Ein Blick in die Ausstellung im alten Kornhaus (Foto: Stadtmuseum Weingarten)

Gut 30 Jahre nach der Eröffnung wird das Alamannenmuseum Weingarten erstmals komplett neu gestaltet. Der Ausstellungssaal im alten Kornhaus der Stadt Weingarten bei Ravensburg erhält nicht nur einen Fahrstuhl und etwas frische Farbe. Die Vitrinen und Texttafeln selbst werden durch eine ganz neue Ausstellung ersetzt, die sowohl dem neuesten Stand der Wissenschaft, als auch modernen didaktischen Vorstellungen gerecht werden soll. In den folgenden Monaten wird hier der Verlauf der Ausstellungsplanung und des Aufbaus zu verfolgen sein. Doch zunächst lohnt sich ein Rückblick auf die Geschichte des Museums und auf die Entdeckung des zweitgrößten frühmittelalterlichen Gräberfeldes in Südwestdeutschland.

Bürgermeister Braun (links oben) besucht die Grabung. Im Hintergrund sind schon die ersten neuen Wohnhäuser erkennbar (Foto: Stadtmuseum Weingarten)
Bürgermeister Braun (links oben) besucht die Grabung. Im Hintergrund sind schon die ersten neuen Wohnhäuser erkennbar (Foto: Stadtmuseum Weingarten)

1952 stießen Bauarbeiter bei Kanalarbeiten auf ein frühmittelalterliches Gräberfeld. Auf dem Gelände am Rande der Stadt sollte eine Neubausiedlung entstehen und so war Eile geboten. Innerhalb der folgenden fünf Jahre wurden in mehreren Kampagnen 801 Gräber aus der Mitte des 5. Jahrhunderts bis um 700 n. Chr. aufgedeckt. Mehr als 5000 Objekte konnten bei den Ausgrabungen geborgen werden, deren Potenzial für die Forschung jedoch bis heute noch nicht voll ausgeschöpft ist. Früh wurden anthropologische Untersuchungen an dem umfangreichen Knochenmaterial vorgenommen und in den 1980er und 1990er Jahren folgten Analysen zu Ernährung und Verwandtschaftsverhältnissen der Bevölkerung. Die eigentliche archäologische Auswertung ist jedoch eher zögerlich verlaufen. Ein Katalog der Grabfunde liegt seit 1995 vor, zudem sind einzelne Detailanalysen publiziert.

Die Karten und ausführlichen Texte in der Sitzecke sollen den Einstieg in die Thematik ermöglichen (Foto: Stadtmuseum Weingarten)
Die Karten und ausführlichen Texte in der Sitzecke sollen den Einstieg in die Thematik ermöglichen (Foto: Stadtmuseum Weingarten)

Eine zusammenfassende Darstellung zu diesem außergewöhnlichen Fundort stellt die Ausstellung im „Alamannenmuseum“ in Weingarten dar. Offiziell 1976 eröffnet, wurde sie bis 1981 durch das Ehepaar Neuffer fertig gestellt. Der Saal im historischen Kornhaus bietet ausreichend Raum und ist zentral gelegen. Dem Stil dieser Zeit entsprechend, zeigt das Museum eine große Menge an Objekten in schlichten Tisch- und Wandvitrinen. Ein wichtiges Anliegen der Ausstellungsmacher war sicher, so viele schöne Stücke wie möglich zu zeigen und so liegen auf farbigem Filz - in Orange, Gelb, Blau und Rot - Trachtbestandteile, Schmuck und Waffen weitgehend ohne Hintergrundinformation aufgereiht.

Kommentare

Stefan Schreiber , 09.12.2007 12:05
Gerade die Forschung der Alamannen hat sich in den letzten 30 Jahren stark gewandelt. Deshalb ist es um so begrüßenswerter, dass Weingarten endlich eine neue Dauerausstellung erhält, welche die Ergebnisse auch der Öffentlichkeit präsentiert. Natürlich sind die Erwartungen hoch, aber mit Constanze Cordes ist da eine kompetente Kraft gewonnen, welche sich auf die museale Präsentation der Alamannen in Vergangenheit, Gegenwart und nun auch der Zukunft spezialiert hat. Ich freue mich schon auf die Ausstellung. Viel Erfolg!
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Andreas Franzkowiak , 16.01.2008 12:52
Die bisherige Ausstellung im Museum war für Laien etwas unatraktiv. Wer sich allerdings mit der Sachkultur und Geschichte der Alamannen etwas auskennt fand hier eine regelrechte kleine Studiensammlung vor, die es in diesem Umfang sonst nur in großen Landesmuseen gibt. Natürlich hat sich die Art der musealen Präsentation aufgrund neuer Erkenntnisse und Moden in den letzten 30 Jahren stark gewandelt und die alte Ausstellung ist zweifellos in die Jahre gekommen. Ich wünsche Frau Cordes viel Erfolg, daß das Museum ein kleines Schmuckstück in der Museumslandschaft wird. Zu Danken ist weiterhin der Stadt Weingarten, die um die Bedeutung dieses kleinen, aber für die südwestdeutsche Frühgeschichte wichtigen, Museums weiß und dieses, auch in Zeiten knapper Kassen von Gemeinden und Kommunen, weiterhin trägt. Auf die neue Ausstellung bin ich ebenfalls sehr gespannt. Viel Erfolg auch von mir!
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