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Die Lausitzer Kultur.

von Stefanie Beckert - 5.10.2007

Eisenzeit

Viele Gewandnadeln der früheisenzeitlichen Billendorfer Gruppe wurden weiterhin aus Bronze hergestellt. Es gibt aber auch solche aus Eisen, wie die Gewandnadel mit goldplattiertem Kopf aus dem Gräberfeld von Niederkaina (Lkr. Bautzen), (Abb. Museum Westlausitz)
Viele Gewandnadeln der früheisenzeitlichen Billendorfer Gruppe wurden weiterhin aus Bronze hergestellt. Es gibt aber auch solche aus Eisen, wie die Gewandnadel mit goldplattiertem Kopf aus dem Gräberfeld von Niederkaina (Lkr. Bautzen), (Abb. Museum Westlausitz)

Seit Mitte des 7. Jahrhunderts bilden sich im Gebiet der Lausitzer Kultur größere regionale Unterschiede und Besonderheiten bei Grabanlagen und Keramikformen heraus. Die Lausitzer Kultur „zerfällt“ in einzelne Gruppen. In Ostsachsen und den nördlich und östlich angrenzenden Gebieten entwickelt sich aus der bronzezeitlichen Lausitzer Kultur ohne gravierende Veränderungen die Billendorfer Gruppe.

Siedlungsstruktur und Metallverarbeitung

Wallanlagen wie Ostro werden weiter genutzt, weitere Befestigungen werden angelegt. Eine um 800 v. Chr. einsetzende Klimaverschlechterung scheint aber einen Einfluss auf die Platzwahl für offene Siedlungen zu haben: Sie verschwinden aus den höheren Lagen und finden sich nur noch in tiefer gelegenen Regionen.

Eisen spielt anfangs noch eine eher untergeordnete Rolle, gewinnt aber nach und nach an Bedeutung. Durch seine oberflächennahen und lokalen Vorkommen in Form von Raseneisenerz ist es leichter zu beschaffen als Kupfer und Zinn, zudem eignet es sich durch seine größere Stabilität besser für Werkzeuge und Waffen. Um an das Metall heranzukommen, wurde das Raseneisenerz in so genannten Rennöfen verhüttet. Die ungewünschten Stoffe schmelzen aus und das im Ofen zurückbleibende Eisen wird anschließend durch Schmieden in die gewünschte Form gebracht.

Bestattungssitte

Auch wenn – durch den Rückzug der Siedlungen in tiefere Lagen – einige Gräberfelder aufgegeben und andere verstärkt aufgesucht wurden, ändern sich die Bestattungssitten zu Beginn der frühen Eisenzeit kaum. Es gibt weiterhin Gräber mit aufwendigen Holz- oder Steinkammern und einfache Grabgruben. Nicht selten werden, wie im großen Gräberfeld von Niederkaina, die in der späten Bronzezeit angelegten Kammergräber weiter genutzt. Auffällig ist jedoch, dass die Anzahl der beigegebenen Gefäße zunimmt, die Gefäße selbst aber kleiner werden. Häufig sind die Gefäßoberflächen mit Graphit überzogen, was ihnen einen metallähnlichen Glanz verleiht.

Einige wenige Gefäße tragen sogar Menschendarstellungen in einfacher Strichzeichnung. Neu sind auch so genannte Ofenmodelle, die als Nachbildung realer Öfen interpretiert werden. Eiserne Gewandnadeln, die vor der Urne oder auf deren Schulter liegend gefunden wurden, legen die Vermutung nahe, dass das Gefäß – ähnlich einem neuen Körper für den Verstorbenen – mit einer Art Gewand bekleidet wurde.

Früheisenzeitliche Urne mit Rostabdruck einer Eisennadel (Niederkaina, Lkr. Bautzen), (Abb. Museum Westlausitz)
Früheisenzeitliche Urne mit Rostabdruck einer Eisennadel (Niederkaina, Lkr. Bautzen), (Abb. Museum Westlausitz)
Zeichnerische Rekonstruktion der Urne von Niederkaina (Abb. Museum Westlausitz)
Zeichnerische Rekonstruktion der Urne von Niederkaina (Abb. Museum Westlausitz)

Das Ende der Lausitzer Kultur

Im weiteren Verlauf der Billendorfer Gruppe findet ein merklicher Wandel statt, der archäologisch vor allem in der Grabausstattung zu fassen ist: Die Unterschiede in der Ausstattung und im Aufbau der Gräber gehen zurück. Die Keramik weist eine geringere Formenvielfalt auf und ist bis auf die Urnen nachlässiger gearbeitet. An die Stelle der großen Gefäße treten nun immer häufiger miniaturisierte Ausgaben in extrem großer Anzahl.

Grabinventar der späten Billendorfer Gruppe (Niederkaina, Lkr. Bautzen), (Abb. Museum Westlausitz)
Grabinventar der späten Billendorfer Gruppe (Niederkaina, Lkr. Bautzen), (Abb. Museum Westlausitz)

Im Fundmaterial lässt zudem der Anteil an Metallfunden merklich nach und die Wallanlagen werden nach und nach aufgegeben.

Während um 500 v. Chr. die meisten früheisenzeitlichen Gruppen der Lausitzer Kultur langsam in den germanischen Kulturen aufgehen, bricht in der Oberlausitz jegliche Besiedlung ab, und die Gräberfelder werden nicht mehr genutzt. Eine überzeugende Erklärung dafür gibt es bisher nicht. Möglicherweise nahm sich der Mensch durch seinen massiven Eingriff in die Umwelt durch Rodung und Überweidung die Lebensgrundlage. Zusätzlich haben die Folgen des um 800 v. Chr. einsetzenden Klimawandels mit zunehmenden Niederschlägen und absinkenden Temperaturen zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen geführt. Zerstörungshorizonte in den befestigten Siedlungen, wie die Brandschicht in Ostro oder Biehla, werden als Anzeichen für äußere Konflikte oder interne Unruhen gedeutet. Konkretere archäologische Hinweise auf kriegerische Einfälle gibt es jedoch nicht. Letztlich mag auch eine Kombination sozialer und klimatischer Faktoren für das Verschwinden der Billendorfer Gruppe in der Oberlausitz verantwortlich sein. Völlig ungeklärt bleibt zudem der Verbleib der Bevölkerung: Eine Abwanderung in andere Gebiete lässt sich nicht belegen.

Erst 700 Jahre später, etwa 200 n. Chr., wird die Oberlausitz durch Germanen wieder besiedelt.

Stefanie Beckert

Museum der Westlausitz, Kamenz

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