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Rulaman der Steinzeitheld

125 Jahre D.F. Weinlands Erzählung "Rulaman"

23.10.2003

"Ein junger Bursche ... bringt ein eigentümliches Instrument, ein Stück von einem ausgehöhlten Baumstamm, über dessen obere runde Öffnung ein enthaartes Tierfell gezogen ist. Er nimmt es zwischen die Knie und beginnt mit den Ballen der Hände in kurzem hackenden Takt auf die Trommel zu hämmern. Hinter ihn stellt sich ein anderer Bursche mit einem noch einfacheren musikalischen Instrument. Es ist ein langer Röhrenknochen, offenbar von einem Vogelflügel, auf dem er aus Leibeskräften bläst, zwar immer denselben Ton, aber in festem Takt mit dem Trommler."

Die Erstausgabe des "Rulaman" von 1878. Otto Spamer Verlag. Leipzig.
Die Erstausgabe des "Rulaman" von 1878. Otto Spamer Verlag. Leipzig.

Musik aus der Eiszeit. Dies ist nur eine der poetischen Szenen aus dem Leben des "Rulaman". Er ist der Held in David Friedrich Weinlands Jugendroman über die Zeit des Höhlenmenschen und des Höhlenbären.

Viele Menschen in Schwaben kennen "Rulaman" und seine Gefährten aus ihrer Jugendzeit. Die Schauplätze von Weinlands Erzählung liegen in den Höhlen der Schwäbischen Alb, an der oberschwäbischen Donau und am Federsee.

Seit seinem Erscheinen im Jahr 1878 fand das Buch mehr als eine halbe Million Leser, es wurde in fünf europäische Sprachen übersetzt und diente als Vorlage für verschiedene Theaterinszenierungen. Im Zeitalter des Internets ist sogar eine Online-Ausgabe abrufbar.

Zum 125-jährigen Jubiläum des "Rulaman" präsentiert das Braith-Mali-Museum in Biberach die Sonderausstellung "Rulaman der Steinzeitheld". David Friedrich Weinland (1829-1915), von Haus aus Theologe und Zoologe, erzählte die Geschichte der steinzeitlichen "Aimats" zunächst nur seinen Söhnen.

Die "Aimats" lebten auf der Schwäbischen Alb und wurden von den einwandernden "Kalats" (Kelten) bedroht und vernichtet. Die Erzählung bietet neben Freundschaft, Liebe und Abenteuer kenntnisreiche Naturbeschreibungen sowie den damaligen archäologischen Forschungsstand.

Flöte aus einem Röhrenknochen eines Singschwanes, ca. 36.800 Jahre alt, 12,6 cm. Blaubeuren-Weiler, Geißenklösterle (Alb-Donau-Kreis). (Foto: Urgeschichtliches Institut der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, H. Jensen)
Flöte aus einem Röhrenknochen eines Singschwanes, ca. 36.800 Jahre alt, 12,6 cm. Blaubeuren-Weiler, Geißenklösterle (Alb-Donau-Kreis). (Foto: Urgeschichtliches Institut der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, H. Jensen)

Heute wissen die Archäologen jedoch, dass die altsteinzeitlichen Jäger Mitteleuropas zwischen 40.000 und 10.000 Jahren vor heute lebten, und die Ära der Kelten erst viele Jahrtausende später begann. Ein Aufeinandertreffen altsteinzeitlicher Jäger und eisenzeitlicher Bauern hat nicht stattgefunden.

Die Biberacher Ausstellung kontrastiert Weinlands Erzählung mit dem heutigen Kenntnisstand der Archäologie und inszeniert dabei wichtige Lebensbereiche der altsteinzeitlichen Menschen.

Veranschaulicht werden Themen wie Ernährung, Bekleidung, Kunst, Musik und Schamanismus mit Hilfe spektakulärer Funde aus den Höhlen der Schwäbischen Alb.

Es ist Abend. Zwei junge Männer spielen vor Rulamans Tulka-Höhle zum Tanz auf. Der eine schlägt den Rhythmus, der andere spielt eine Melodie auf der Flöte.

Vor 125 Jahren kannte Weinland die sensationellen Funde von zwei Knochenflöten aus dem Geißenklösterle bei Blaubeuren noch nicht. Denn dort wurden sie erst 1973 und 1990 freigelegt. Man fand heraus, dass die Flöten vor rund 36.000 Jahren aus den Knochen eines Singschwanes gefertigt wurden. Experimentalarchäologen bauten eine der Flöten nach und konnten ihr tatsächlich Töne entlocken.

Aus der Brillenhöhle bei Blaubeuren stammt ein Trommelschlägel aus Rengeweih. Die Form des Objektes gleicht den Trommelschlägeln der Schamanen der Sami, die noch heute jenseits des Polarkreises in Nordskandinavien leben.

Kommentare

Hermann Häußler , 05.09.2009 00:01
Gratuliere Herr Wiermann,

gute Informationen, gut aufbereitet.

Gruß

Hermann Häußler
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