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Uferrandbefestigung und Schiffselemente. Neue Erkenntnisse zur frühmittelalterlichen Burg von Groß Thun (Stadt Stade)

von Andreas Schäfer, Wolfgang Scherf - 8.2.2008

Aufbau

Karte des archäologischen Umfeldes (Zeichnung: Entwurf A. Schäfer, Zeichnung C. Duksch, Himmelpforten)
Karte des archäologischen Umfeldes (Zeichnung: Entwurf A. Schäfer, Zeichnung C. Duksch, Himmelpforten)

Im Hinblick auf die 2007 zur Datierung entnommenen Hölzer bleibt abzuwarten, ob die bisherigen dendrochronologischen Ergebnisse (die älteste Datierung stammt aus dem Winter 673/674 n. Chr., das jüngste Datum um/nach 809 n. Chr.) untermauert werden. Insgesamt wird der konstruktive Aufbau des Walls, dessen Anfänge nach bisherigen Ergebnissen in die zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts gehören, deutlich klarer. Damit wäre die „Schwedenschanze“ die älteste mittelalterliche Burg zwischen Rhein und Elbe und hat damit auch überregional wichtige Bedeutung.

Dennoch bleiben Fragen offen, die es in künftigen Ausgrabungen zu klären gilt. So muss durch weitere Schnitte untersucht werden, ob es sich bei der 2007 dokumentierten Uferrandbefestigung tatsächlich um eine Schiffslände handelt. Ebenso werfen die podestartigen Erweiterungen des Walles im Norden und Nordosten der Anlage ungeklärte Fragen auf.

Zur weiteren Beurteilung dieses wichtigen Platzes ist eine Erforschung des Umlandes  notwendig. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass die Anlage von Groß Thun fast mittig zwischen den völkerwanderungszeitlichen Gräberfeldern von Perlberg und Groß Thun liegt. Nach derzeitigem Forschungsstand reicht die Belegung dieser Bestattungsplätze höchstens bis 500/550 n. Chr. Hier ist eine Materialdurchsicht, vor allem des großen Bestandes der Urnen aus den Grabungen des Landesmuseums Hannover (J. Deichmüller), wichtig. Eventuell lässt sich auch eine jüngere Belegung des Bestattungsplatzes nachweisen.

Annähernd zeitgleich ist der Fundplatz Stade 1086 auf dem „Hohenwedel“. 1961 konnten dort bei Bauarbeiten Spatha, Sax sowie eine Lanzenspitze geborgen werden. Leider existiert von diesem Fundplatz keine Dokumentation der Befundumstände, Sondierungen im Vorfeld von  Baumaßnahmen im direkten Umfeld im Sommer 2007 durch D. Alsdorf (Kreisarchäologie Stade) blieben ohne archäologisches Ergebnis.

Auch im näheren Umfeld der „Schwedenschanze“ finden sich Hinweise auf ehemalige Bestattungsplätze. Leider ist die beim Bau eines Hauses in den 1920er Jahren geborgene Urne 1945 bei einem Feuer im Wohnzimmerschrank der Familie Winter vernichtet worden. Es liegt lediglich eine nachträgliche Skizze von Herrn E. Winter vor, die keine genauen Rückschlüsse auf eine Datierung zulässt.

Verdachtsflächen für einen späteren Bestattungsplatz sind die an einer alten Kiesgrube gelegenen vermutlich bronzezeitlichen Grabhügel. Frühmittelalterliche Friedhöfe wurden häufig an den „Hügeln der Heiden“ angelegt.

In einer Entfernung von knapp 500 m von der „Schwedenschanze“ konnten im Bereich des Flurstückes „Ohle Dörp“ etliche frühmittelalterliche Scherben aufgelesen werden. Hier könnte sich die frühmittelalterliche Vorburgsiedlung zur Schwedenschanze befunden haben, auffällig ist neben dem Flurnamen auch die topographische Lage auf einem deutlichen Geländesporn an der Schwingeniederung. In diesem Areal sind 2008 Sondierungen des Landesmuseums Hannover durch Dr. Babette Ludowici geplant.

Die genannten Fragen zur Funktion der „Schwedenschanze“ und deren Einbindung in die archäologische Umgebung zur Nutzungszeit können künftig nur durch weitere wissenschaftliche Forschungen beantwortet werden.

Literatur

  • Michel, T. und Schäfer, A.: Die frühmittelalterliche Burg von Groß Thun (Stadt Stade). Archäologie in Niedersachsen Bd. 10. Oldenburg 2007, 94-97.
  • Michel, T. und Schäfer, A.: Der Burgwall der Altsachsen in Groß Thun. Archäologie in Deutschland. Heft 1/2007, 47f.
  • Kleemann, J.: Sachsen und Friesen im 8. und 9. Jahrhundert. Veröffentlichungen der urgeschichtlichen Sammlungen des Landesmuseums zu Hannover Band 50. Oldenburg 2002.

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