23.06.2017 - 19:19:19

Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)

Uferrandbefestigung und Schiffselemente

Neue Erkenntnisse zur frühmittelalterlichen Burg von Groß Thun (Stadt Stade)

8.2.2008
Blick durch den Wall von der Schwingeseite zur Innenfläche. Im Vordergrund ist die hölzerne Uferrandbefestigung zu sehen (Foto: Stadtarchäologie Stade)
Blick durch den Wall von der Schwingeseite zur Innenfläche. Im Vordergrund ist die hölzerne Uferrandbefestigung zu sehen (Foto: Stadtarchäologie Stade)

Im Anschluss an die archäologischen Ausgrabungen 2005 und 2006 auf der frühmittelalterlichen Wallanlage „Schwedenschanze“ in Groß Thun wurden die Untersuchungen im Sommer 2007 fortgesetzt. Dies erfolgte im Rahmen einer Lehrgrabung der Universität Hamburg und mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft Archäologie des Stader Geschichts- und Heimatvereins.

Ziel der Grabungskampagne war die Klärung des Wallaufbaus und der Innenbebauung in ausgewählten Teilbereichen. Dazu wurde der Wallschnitt des Vorjahres wieder freigelegt und auf vier Meter verbreitert. Zusätzlich wurde ein Schnitt im Bereich der etwa 45 m langen Lücke der Wallanlage an der Schwingeseite angelegt. Weitere Schnitte erfolgten im ehemaligen Torbereich und den dort angrenzenden Flächen.

Der Wallschnitt

Konstruktiv verbundene Bretterlagen auf Höhe der Wallkrone (Foto: Stadtarchäologie Stade)
Konstruktiv verbundene Bretterlagen auf Höhe der Wallkrone (Foto: Stadtarchäologie Stade)

Bei der Erweiterung des Wallschnittes an der Schwingeseite von zwei auf vier Meter zeigte sich, dass die exzellent erhaltenen Holzbefunde wesentlich komplexeren Baustrukturen angehören, als dies im Vorjahr erkennbar war.

Die Innenkonstruktion des Walls bilden die bereits 2006 aufgedeckten Holzlagen. Der Wall zeigt keine eigentliche Kastenkonstruktion. Die einzigartige Konstruktionsweise soll kurz erläutert werden: Ein Paket geschichteter Hölzer besteht aus einigen Lagen sehr dünner Bretter, die rechtwinklig zum Wallverlauf gelegt sind und schräg von außen zum Innenbereich des Walls ansteigen. Hier sind diese durch eine parallel dem Wallverlauf folgende Bretterlage mit dem dahinter geschichtet liegenden Holzpaket zu einer konstruktiven Einheit verbunden. Die Innenseite des Walls wird parallel von einer mehrlagigen Steinsetzung aus größeren Granitsteinen begleitet. Die Holzlagen bilden in der östlichen Wallhälfte einen Versturzbereich, der durch teilweise massive, ungeordnet liegende Holzbalken und –bretter gekennzeichnet ist.

Regelmäßig gesägte Hölzer im Bereich der Wallkrone (Foto: Stadtarchäologie Stade)
Regelmäßig gesägte Hölzer im Bereich der Wallkrone (Foto: Stadtarchäologie Stade)
Gebohrte Bretter aus dem Wall (Foto: Stadtarchäologie Stade)
Gebohrte Bretter aus dem Wall (Foto: Stadtarchäologie Stade)

Bemerkenswert ist bei den Holzkonstruktionen des Walls die häufige Verwendung sekundär verbauter Hölzer. Im Wallkern findet sich eine größere Anzahl von angebohrten Holzbrettern. Erstaunlicherweise sind alle Bretter nur angebohrt, keine der Bohrungen ist durchgängig. Viele Bretter weisen zudem Sägespuren in regelmäßigen Abständen auf. Eventuell handelt es sich bei einzelnen gebogenen Hölzern um Schiffsteile in fragmentarisch ausgefertigtem Zustand oder sekundär verwendete Bauhölzer.

Im Wallbereich wurden die ersten von diesem Fundplatz bekannten Holznägel gefunden. Diese sind aber offenbar ebenfalls sekundär eingebracht wurden, da sie in keinem Konstruktionszusammenhang aufgefunden wurden. Eine genaue Auswertung der entnommenen Hölzer kann erst nach deren Konservierung möglich sein.

Innen ausgehöhlte Eichenhölzer des Wallabschlusses (Foto: Stadtarchäologie Stade)
Innen ausgehöhlte Eichenhölzer des Wallabschlusses (Foto: Stadtarchäologie Stade)

Eine wichtige Frage konnte durch die Grabung 2007 beantwortet werden. Die etwa 45 m breite Lücke im südwestlichen Teil der Wallanlage war zur Nutzungszeit der Burg keineswegs offen sondern geschlossen. Es konnten Reste der Wallkonstruktion, die vergleichbare konstruktive Elemente wie der Wallschnitt ergaben, nachgewiesen werden. Wann diese Lücke entstanden ist, lässt sich noch nicht eindeutig bestimmen. Auf der ersten kartographischen Darstellung der Burg, der Kurhannoverschen Landesaufnahme des 18. Jahrhunderts, ist diese Lücke schon erkennbar. Der Schichtaufbau vor diesen Strukturen zeigt, dass die Schwinge zur Nutzungszeit bis an den Wall heranreichte.

Den Abschluss des Walls bildet eine Palisade aus leicht schrägen massiven Hölzern. Sämtliche der sieben rechteckigen aufgefunden Hölzer mit den durchschnittlichen Maßen von 0,7 x 0,4 m waren innen ausgehöhlt. Diesem Befund war im oberen Bereich ein horizontal verlaufender Balken zur Stabilisierung vorgelegt. Schräg über diesen ausgehöhlten Eichenbohlen fand sich eine Wallverkleidung aus oberflächlich sehr unregelmäßig geformten Raseneisenerzplatten. Dieser Befund konnte auf einer Länge von 1,60 m aufgenommen werden, seine Breite lag zwischen 0,35 m und 0,5 m.

Hinter der Palisade fanden sich zum Wall hin parallel zum Wallverlauf geschichtet liegende Hölzer (Bretter, Bohlen, Äste), welche das Fundament des äußeren Wallfußes bildeten.