- 1: Magazin.
- 1.1: Thema.
- 1.2: Fundpunkt.
- 1.2.1: Ausstellungen.
- 1.2.2: Ausgrabungen.
- 1.2.3: Forschung.
- 1.2.4: Sonstiges.
- 1.3: Nachrichten.
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Von A bis Z

Auch an den über 5000 in Kissi gefundenen Perlen unterschiedlichen Materials lassen sich Kontakte mit anderen Regionen ablesen, denn die wenigsten wurden vor Ort hergestellt. Besonders häufig sind Quarz- und Chalzedonperlen aus saharischen Werkstätten nördlich des Flusses Niger im heutigen Mali. Der Fluss war wohl eine regelrechte Handelsachse, entlang derer Waren transportiert und ausgetauscht wurden. So stammt auch ein spezieller Typus roter Steinperlen aus einer direkt am Fluss gelegenen Produktionsstätte in der Nähe des heutigen Niamey in Niger. Sogar noch weiter flussabwärts reichen die Verbindungen: im südnigerianischen Igbo Ukwu (ca. 9. bis 11. Jh.) wurden Glas- und Steinperlen mit zum Teil gleicher Herkunft wie in Kissi entdeckt. Eine chemische Analyse zahlreicher Glasperlen erbrachte für Kissi den Beleg, dass es sich wohl bei den meisten Glasperlen um Importe aus Persien handelt.
Mit zu den eindeutigsten Indizien für weit reichende Kontakte zwischen dem Sahel und der weiteren Welt zählen die Funde von Kaurischnecken, die in zwei Gräbern gemacht wurden. Es handelt sich bei ihnen um die Art Cypraea moneta, die ihre größte Verbreitung im Indischen Ozean hat. In historischer Zeit gelangten sie hauptsächlich von den Malediven nach Afrika. Jene Kauris aus den Gräbern von Kissi datieren in das ca. 5. bis 7. Jh. n. Chr. und sind damit die ältesten, die bisher in Westafrika gefunden wurden. Vermutlich wurden Kauris in dieser Zeit noch nicht als Zahlungsmittel verwendet, sondern dienten vielmehr als Schmuckstücke, vielleicht auch als Abwehrzauber. In den Gräbern lagen sie – flach, durch abgeschliffene Rückseiten - aneinandergereiht auf der Stirn der Bestatteten.
Ebenfalls zu den ältesten archäologischen Funden ihrer Art im subsaharischen Raum zählen die Textilreste, die in Kissi gemacht wurden. Durch die Fülle metallener Objekte in den Gräbern hat sich ein konservierendes Milieu entwickelt, so dass sich in unmittelbarer Nähe zum Metall zahlreiche organische Reste, unter anderem Textilien, erhalten haben. Die ältesten Textilfragmente datieren in das 1. bis 3. Jh. n. Chr. und sind damit annähernd 1000 Jahre älter als jene, die bisher als älteste galten – die Tellem-Textilien aus der Falaise de Bandiagara in Mali. Zwar sind die Fragmente nicht groß genug, um bestimmen zu können, ob es sich bei ihnen um Reste von Decken oder eher um Kleidung handelt. Was sich jedoch bestimmen ließ, war das Rohmaterial das für das Garn verwendet worden ist: Wolle. Nicht etwa Baumwolle, sondern feine Tierhaare wurden versponnen, um daraus die Textilien zu fertigen. Dies brachten Restauratoren des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz ans Licht. Ob die Wolle oder die Textilien importiert worden waren oder in Westafrika selbst hergestellt wurden, ist allerdings unbekannt.
Die Besiedlung von Kissi bricht nach dem 13. Jh. aus noch nicht restlos geklärten Gründen ab. Auch andere Siedlungen im Sahel von Burkina Faso werden in etwa in dieser Zeit bis zum 15. Jh. verlassen. Historisch belegt sind Einwanderungswellen von nomadischen Gruppen. Ein mögliches Szenario für den „Untergang“ von Kissi ist, dass in die Region einwandernde Nomaden mit ihren Viehherden um Wasser und Weide mit den dort sesshaften Ackerbauern konkurrierten und sie schließlich aus dem Gebiet verdrängten. Über 600 Jahre nach dem Abbruch der Besiedlung haben die Ausgrabungen in Kissi die Tür zu einer unerwartet reichen Vergangenheit Westafrikas aufgestoßen. Dabei weist der Fundort im Norden von Burkina Faso weit über den lokalen Kontext hinaus. Importfunde wie Glasperlen aus dem Vorderen Orient und Meeresschnecken aus dem Indischen Ozean zeigen, dass die Bewohner von Kissi bereits zu Beginn des ersten Jahrtausends n. Chr. Handelskontakte mit weit entfernten Regionen hatten.
Eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierte Sonderausstellung im Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt a. M. machte die Funde und Forschungsergebnisse vom 8. September bis 28. Oktober der Öffentlichkeit zugänglich. Die Artefakte werden nun offiziell dem Staat Burkina Faso zurückgegeben und ab dem 14. März 2008 im Nationalmuseum von Ouagadougou, der Hauptstadt des Landes, ausgestellt.
Literatur
Magnavita, S. 2001. A ceramic figurine from Kissi, Burkina Faso. Sahara 13, 128-129.
Magnavita, S. 2002. Das Grab des Kriegers. In: Reikat, A. (Hrsg.), Leben in Westafrika. J.W. Goethe Universität Frankfurt a. M., SFB 268 Kulturentwicklung und Sprachgeschichte im Naturraum Westafrikanische Savanne, Plexus-Verlag, Frankfurt a. M., pp. 44-49.
Magnavita, S., Hallier, M., Pelzer, C., Kahlheber, S. & Linseele, V. 2002.
Nobles, Guerriers, Paysans. Une nécropole de l’Age de fer et son emplacement dans l’Oudalan pré- et protohistorique. Beiträge zur Allgemeinen und Vergleichenden Archäologie 22, 21-64.
Magnavita, S. 2003. The beads of Kissi, Burkina Faso. Journal of African Archaeology 1 (1), 127-138





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