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Ein Krieger auf Eis

9.9.2006
Landschaft am Olon-Kurin-Gol im mongolischen Altaj. Links am rechten Ufer des Sees ist das Camp der deutsch-russisch-mongolischen Grabungsmannschaft zu erkennen.
Landschaft am Olon-Kurin-Gol im mongolischen Altaj. Links am rechten Ufer des Sees ist das Camp der deutsch-russisch-mongolischen Grabungsmannschaft zu erkennen. (Foto: DAI Berlin)

Einem internationalen Forscherteam ist Ende Juli 2006 im Permafrostboden des mongolischen Altai ein großartiger Fund gelungen. Auf 2600 Meter Höhe im Dreiländereck Mongolei, China und Russland entdeckten die Wissenschaftler einen intakten, unberaubten Kurgan eines skythischen Kriegers mit hervorragenden Erhaltungsbedingungen.

Die hervorragenden Erhaltungsbedingungen ergeben sich aus der Tatsache, dass es sich hier um einen sog. Eiskurgan handelt. Hierbei füllt sich bereits kurz nach der Bestattung die Grabkammer mit Wasser, das im Hochgebirge gefriert und nicht mehr auftaut. Diese Eislinsen erhalten den Toten und die Gegenstände, die ihm mitgegeben wurden. Vor allem Gegenstände aus organischen Materialien wie Filz, Wolle, Seide oder Holz, die üblicherweise auf archäologischen Ausgrabungen Mangelware sind, bleiben in dieser Umgebung erhalten und bieten somit einen ganz besonderen Einblick in die materielle Welt der damaligen Zeit.

Die Skythen ...

Als Skythen werden die eisenzeitlichen Reiternomaden des südrussischen und mongolischen Steppenraumes bezeichnet, die zwischen dem Schwarzen Meer und den Flüssen Donau, Dnjestr, Bug, Dnjepr und Don lebten. Aus assyrischen Quellen kann man erschließen, dass die Skythen sich im 8. Jh. v. Chr. im Gebiet des Urmiasees ansiedelten. Ende des 7. Jh. v. Chr. unternehmen sie Kriegszüge bis nach Syrien. An der ägyptischen Grenze kann Pharao Psammetich nur durch die Bitten und Geschenke die Reiterkrieger zu einer Rückkehr bewegen, wie Herodot berichtet. Mit der Nordexpansion der Griechen im 5. Jh. v. Chr. beginnt eine Zeit des intensiveren kulturellen Austauschs. Ab Ende des 3. Jh. v. Chr. müssen sich die Skythen der Macht der Sarmaten beugen und ziehen sich auf die Krim zurück. 193. n. Chr. werden die Skythen von König Sauromates II. Vernichtend geschlagen.

... im Altai

Das Altai-Gebirge gehört heute zu den vier Staaten Russland, Mongolei, Kasachstan und China. Aus allen Teilen dieses Gebirges sind skythische Kurgane (Grabhügel) bekannt. Die zeitlichen und kulturellen Gemeinsamkeiten werden unter dem Begriff „Pazyryk-Kultur“ zusammengefasst und gehören überwiegend in den späteren Abschnitt der skythischen Periode, also in das 5. - 3. Jh. v. Chr.

Der südliche Teil des Altai-Gebirges ist bisher im Zusammenhang mit den Skythen weitestgehend unerforscht geblieben. Kulturelle Beziehungen der Pazyryk-Kultur in den Süden galten aber immer schon als gesichert, denn viele charakteristische Elemente in der Kunst, z.B. im skytho-sibirischen Tierstil, zeigen deutliche Einflüsse aus der Westlichen und Östlichen Han-Dynastie in Nordchina. Seidenstoffe aus den Kurganen von Pazyryk deuten auf Handelsbeziehungen zu China hin. In Gräberfeldern im nördlichen Xinjiang konnten auf Grund des trockenen Wüstenklimas Mumien geborgen werden, deren Bekleidung, bei Männern wie bei Frauen, deutliche Parallelen zu den Funden der skythischen Kurgane aufzeigen. Diese Verbindungen zeigen den Aufbau eines Netzes von Fernverbindungen, für die später der Begriff „Seidenstraße“ geprägt wird.

Kommentare

doadnana@aol.com , 04.08.2007 10:51
:) Ich habe selten so einen super interessanten Bericht über letzte Ausgrabungsergebnisse gelesen.
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Manfred , 30.12.2007 22:13
Sehr guter Bericht,lehrreich,interessant und weiter zu empfehlen.

Danke!
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