26.05.2012 - 12:18:50
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"Gold und Silber wünsch´ ich mir ..."

Grabungsfläche der Kampagne 2004 im südlichen Vorfeld des Dünsberg. (Karte: Claudia Nickel)
Grabungsfläche der Kampagne 2004 im südlichen Vorfeld des Dünsberg. (Karte: Claudia Nickel)

Goldmünzen bei einer Ausgrabung zu finden, ist schon etwas ganz Besonderes! Und zwar ganz besonders am Dünsberg bei Gießen - doch dazu später.

Damit haben wir auch nicht gerechnet, als wir Ende Juni zur sechsten Grabungskampagne am Dünsberg starteten. Es nahmen 85 Personen aus neun Ländern teil, die rund 1100 Arbeitstage ehrenamtlich leisteten.

Nach der Untersuchung im Zentralbereich des Oppidums 2003 war in diesem Jahr das Ziel, verschiedene Fragen zu klären, die die Situation im südlichen Vorfeld der Wallanlagen betreffen - vor allem die Deutung der Waffenfunde vor Tor 4. Kleinere Untersuchungen erfolgten zudem am vorgelagerten Plateau "Schimmelhain", an einem der Strahlenwälle - an dieser Stelle konnte nun erstmals ein eindeutiger römischer Schuhnagel nachgewiesen werden - sowie im Graben vor Tor 5.

Dort waren Anfang des 20. Jahrhunderts angeblich Knochen gefunden worden. Dies sollte überprüft werden, da bei unseren Grabungen aufgrund des sauren Bodens bislang kaum Knochen bekannt sind. In dem sehr deutlichen Spitzgraben fand sich neben viel Keramik auch ein römisches Schleuderblei - allerdings kein einziger Knochen ...

Am Zugangsweg zu den Toren

Eiserne mehrteilige Trense nach der Restaurierung: mit rotem Email verziert! (Foto: Claudia Nickel)
Eiserne mehrteilige Trense nach der Restaurierung: mit rotem Email verziert! (Foto: Claudia Nickel)

Im Winkel der heutigen Wege zu Tor 5 und Tor 4 wurde eine rund 100 m2 große Fläche angelegt. Die für den Südteil des Dünsbergs typische Bimsauflage setzt in diesem Bereich ein; im Osten der Fläche reicht sie über 1 m tief, während im Westen teilweise nach nur 25 cm der anstehende Kieselschieferuntergrund erreicht wurde.Fast 90 % der Funde stammen hier schon aus den oberen Bereichen. Verfärbungen konnten in dieser Fläche nicht festgestellt werden. Die Funde waren relativ gleichmäßig verteilt.

Mit nur 89 Stücken ist die Menge allerdings gering, und im Gegensatz zu den meisten anderen Flächen dominieren Eisenfunde noch vor der Keramik. Darunter sind mehrere Lanzenspitzen, ein Beil und ein bereits restaurierter Eisenkomplex zu nennen, der wohl zu den größten "Überraschungen" dieser Grabungskampagne gelten kann: Die komplett verrosteten Objekte ergaben eine mehrteilige feingliedrige Pferdetrense, deren zentraler Riemenverteiler mit roten radialen Emailstreifen verziert ist.

In der Bimsschicht

Nur wenig entfernt wurden weitere 110 m2 flächig untersucht. Ausgewählt wurde der Bereich aufgrund der Nähe zu dem 1999-2000 angelegten Schnitt; zwischen diesem und der diesjährigen Grabung befindet sich der stark gestörte Bereich der Dachsbauten. Hier ist der Laacher Bims besonders tiefgründig. Besonders in dieser Fläche fiel auf, dass der anstehenden Boden eine extrem unterschiedliche Oberfläche und Struktur aufweist. Im südlichen Flächenteil konnten ein holzkohlehaltiger Bereich mit zahlreichen Eisenfunden (u.a. mehrere stabförmige dünne Eisenobjekte und Trensenteile) und weitere grubenartige Vertiefungen mit Keramik, Eisen, Pferdezähne und kalzinierten Knochen festgestellt und dokumentiert werden.

Meist konnten diese Bereiche erst im untersten Planum erkannt werden, da sich die Verfärbung im Laacher Bims nicht von der Umgebung unterscheidet und der Boden stark durchwurzelt ist. Ohnehin ist nicht sicher, ob es sich überhaupt um intentionell angelegte "Gruben" handelt, oder ob derartige Vertiefungen eher natürlichen Ursprungs sind. Die großen Mengen an Funden sind jedenfalls nicht ausschließlich auf diese Befunde beschränkt.

Auffällig sind in diesem Flächenteil verschiedene Fundkonzentrationen. In der Nordwestecke traten zahlreiche Scherben relativ oberflächennah auf. Hier wie auch im übrigen Flächenbereich konnten mehrfach kleine becherförmige Gefäße festgestellt werden, die Brandspuren aufweisen. Neben vielen kleinen Gefäßen kamen auch regelrechte Miniaturformen vor.

Am südlichen Flächenrand wurden eine fast 50 cm lange Lanzenspitze und eine weitere, ca. 12 cm lange Lanzenspitze entdeckt; die kurze Lanze steckte mit der Spitze nach unten direkt neben der waagrecht liegenden großen Lanze. Die Restaurierung zeigte bei dem großen Stück eine massive antike Beschädigung: Die Lanze wies eine S-förmige Biegung im Mittelteil auf. Zudem fehlte die Spitze, und das Blatt war seitlich mehrfach antik beschädigt.

Dass Funde senkrecht im Boden stecken, konnte mehrfach während dieser Grabung beobachtet werden. Ebenso deutlich wie in den weichen Bimsschichten war dies auch an den Stellen zu beobachten, wo die Bimsauflage geringer war und Funde auf oder im anstehenden Kieselschiefer steckten.

Detail der roten Emailverzierung. (Foto: Claudia Nickel)
Detail der roten Emailverzierung. (Foto: Claudia Nickel)

An einer anderen Stelle fand sich ein Komplex aus zahlreichen großen Schildnägeln und weiteren, bislang nicht bestimmten Eisenteilen, die in mehreren Schichten freigelegt wurden. Derartige Komplexe sind sowohl für die Ausgrabung als auch für die Restaurierung sehr schwierig. Die fotografische und zeichnerische Dokumentierung ergänzt in diesen Fällen die regelmäßige dreidimensionale Einmessung. Diese wird bei der Auswertung, wenn die Funde restauriert und zu identifizieren sind, von enormer Hilfe sein. Die tatsächlichen Vergesellschaftungen und Anordnungen von Funden können in den meisten Fällen erst dann gedeutet werden. Bislang können nur einzelne Eisenobjekte mit Vorbehalt angesprochen werden: einige Eisenmesser mit Ringgriff, ein eisernes Schwert sowie mehrere Lanzenspitzen sind zu nennen. Mehrere Fibelfragmente sowie ein Glasarmringbruchstück gehören hingegen zum Bereich der Tracht, im Fall des Glasarmrings zur Frauentracht.

Bronze fand sich in diesem Bereich relativ wenig; mindestens zwei Pferdegeschirrteile sind darunter. Zudem kamen hier insgesamt sieben silberne Münzen zutage - ein Silberquinar vom "Nauheimer Typ", ansonsten - was auch für die übrigen sechs Silbermünzen gilt - immer das "Tanzende Männlein", die lokale Prägung.

Die Fundverteilung zeigt deutlich den Anstieg nach Süden, zum heutigen Weg hin. Da eine Datierung des hier 15 m weiter südlich verlaufenden Hohlweges nicht möglich war, würde eine Erweiterung der Grabungsfläche nach Süden die Frage nach dem Verlauf des latènezeitlichen Weges beantworten: Würde sich die Fundstreuung bis an den Hohlweg fortsetzen, wäre wohl dieser benutzt worden; ansonsten - was wahrscheinlicher ist - würde der keltische Weg im Bereich des heute bestehenden liegen.

Wie bereits erwähnt, fanden sich im südlichen Flächenteil zahlreiche Pferdezähne und kalzinierte Knochen. Von den gleichen Tieren stammen diese Fundgruppen wohl nicht, da die Pferdezähne unverbrannt sind und zur Erreichung dieses Verbrennungsgrades hohe Temperaturen nötig sind. Es bleibt zu hoffen, dass bei einer osteologischen Analyse herausgefunden werden kann, ob es sich bei den verbrannten Knochen um menschliche oder tierische Reste handelt. Leider sind die meisten Stücke sehr klein und konnten oft nur im Rahmen von Bodenproben geborgen werden. Gegen Leichenbrand spricht auch die meist weiche Struktur; normalerweise sind kalzinierte Knochen, wie sie in Gräbern gefunden werden, deutlich härter und daher auch größer als die hier vorliegenden Teile.

Kommentare

pablo , 09.02.2010 21:43
sehr geehrte frau doktor nickel

der fund auf meinem besitz ist von recht differenter natur.

die werkzeuge und waffen sind aus erz (aus nickel, kobalt und wolframit), sehr schwer und vor allem aelter, als alles weitere erdenkliche.

fuer naehere auskuenfte verbleibe ich bis bald sehr gerne

ihr pablo
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