26.05.2012 - 12:11:15
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Alle Jahre wieder:

Die Grabungen am Dünsberg 2003

Dünsberg, Kr. Gießen. Wallanlagen und Grabungsprojekte 2003.
Dünsberg, Kr. Gießen. Wallanlagen und Grabungsprojekte 2003.

Auch im Jahre 2003 haben wieder Grabungen am Dünsberg stattgefunden: wie bei diesem wohl einmaligen Projekt üblich, mit sehr geringer "professioneller" Leitung und ansonsten ehrenamtlichen Archäologie-begeisterten Helfern. In fast drei Monaten wurden von diesen rund 1300 unbezahlte Arbeitstage geleistet - ein gewaltiges Sponsoring! Beteiligt waren 145 Personen aus 19 Nationen.

Neben Deutschland waren die Länder Frankreich, Italien, Spanien bzw. Baskenland, Rußland, Korea, Slowakei, Neuseeland, Ghana, Indien, Hong Kong, Mexiko, Dänemark, Polen, Schweden, USA und Lettland vertreten. Durchschnittlich waren rund 25 Personen pro Tag beteiligt. Es wurden an drei verschiedenen Stellen drei unterschiedliche Quellengattungen untersucht: die Siedlung am Osthang des Dünsberg, die Wasserstelle Schulborn im Norden sowie ein von Raubgräbern zerstörtes Gräberfeld ca. 5 km westlich des Dünsbergs.

Besiedlung am Ostsporn

Der Ostsporn ist eine relativ ebene zungenförmige Ausbuchtung im Ostteil des Dünsberg innerhalb des mittleren Ringwalls. Hier entlang führt ein fast geradliniger Fußweg vom Parkplatz zum Gipfel durch das Tor 9. Am Rand dieses Weges wurden 1965 mit Bodenfräsen zwei Kabelgräben zum Sendeturm gelegt. Innerhalb einer "1,20 m tiefen Grube von 60 bis 70 cm Durchmesser", in deren Umfeld sich weitere Gruben und Pfosten befanden, konnten große Mengen von verkohltem Getreide geborgen werden. Anhand der Keramik sowie einer 14C-Datierung auf 100-50 cal BC weisen die Funde in die Spätlatènezeit [1]. Zudem zeigen die Fundkartierungen von Jacobi, Schlott und Schulze-Forster, die meist illegal ausgegrabene Funde umfassen, Konzentrationen am Ostsporn [2].
Zudem konnte, ebenfalls anhand von "Einzelfunden", eine "dichte Fundstreuung" aus alamannischer Zeit - v.a. Waffen - festgestellt werden; dabei handelt es sich entweder um eine "alamannische Gauburg des 4./5. Jahrhunderts" [3] oder um Kampfhinterlassenschaften [4]. Hierbei ist festzuhalten, dass bei der Grabung 2003 kein einziger alamannischer Fund zutage kam [5].

In der Zeit vom 1. Juli bis 20. September wurden im Bereich des Ostsporns an drei verschiedenen Stellen Grabungen durchgeführt. Im höchstgelegenen westlichen Schnitt 33 wurde der aus dem "Schlachtfeld" bekannte Laacher Bims in mächtiger Ablagerung angetroffen; im mittleren Schnitt 32 wurde der Übergang zweier Podien erfasst. Der östliche Schnitt 31 / 35 / 36 liegt am östlichen Rand des Ostsporns unmittelbar vor dem Materialgraben; sowohl das Tor 9 als auch ein weiter Bereich des Walles ist von hier sichtbar. In diesem Bereich ist die größte Befund-Dichte zu vermerken, ebenfalls die größte Menge an verkohltem Getreide und an Hüttenlehm.

  • [1] A. Kreuz/M. Hopf, Ein Gerstenfund vom keltischen Oppidum Dünsberg bei Gießen. In: S. Hansen/V. Pingel (Hrsg.), Archäologie in Hessen. Neue Funde und Befunde. Festschr. F.-R. Herrmann. Stud. Honoraria 13 (Rahden/Westf. 2001) 165-169. - Demnach befinden sich die Unterlagen im Amt Marburg. Bei J. Schulze-Forster wird die Keramik unter Taf. K40-K49 abgebildet mit Verweis auf Fundber. Hessen 5/6, 1965/66, 145. Verbleib: Oberhess. Mus. Gießen. Zudem fraglich zugehörig der Ring Nr. 1087.
  • [2] Schulze-Forster 2002 Abb. 97: Lt (B2-) C1 mit Kleidung/Schmuck und Werkzeug und Gerät; Abb. 103: Nauheimer Fibeln (Lt D1) waren vor der Grabung 2003 dagegen nicht belegt. Trinkhornenden der Stufe Lt D2 kommen hingegen wieder konzentriert am Osthof vor (Abb. 107).
  • [3] F.-R. Herrmann, Der Dünsberg bei Gießen. Arch. Denkmäler Hessen 60 (Wiesbaden 2000).
  • [4] G. JACOBI, Die Metallfunde vom Dünsberg. Mat. Vor- u. Frühgesch. Hessen 2 (Wiesbaden 1977); freundl. Mitt. B. Steidl, München.
  • [5] Vorbehaltlich einer noch nicht erfolgten Keramik-Auswertung.

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