13.02.2012 - 21:43:19

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Neue Ausgrabungen auf dem Dünsberg.

von Claudia Nickel -

Die Funde

Dunkelblaue Glas-Ringperle mit gelben Schraubenfäden.
Dunkelblaue Glas-Ringperle mit gelben Schraubenfäden.

Die Masse der Funde besteht aus Keramik. 2002 wurden rund 4550 Funde geborgen, davon rund 90 % Keramik, immerhin auch 5 % Eisen. Insgesamt belegen drei Spinnwirtel und ein Webgewicht von den unteren Flächen sowie je ein Spinnwirtel und Webgewichtfragment von den oberen Flächen die Produktion von Wolle und Textilien. Zum typischen Siedlungsmaterial zählen auch zahlreiche Fragmente von mehreren runden Drehmühlen aus Basalt sowie aus hartem Quarzit-Sandstein, die wahrscheinlich in jedem Haushalt zum Mahlen des Getreides vorhanden waren.

Es wurden mindestens elf Fragmente von Fibeln gefunden, davon drei aus Bronze. Nur ein Stück ist vor der Restaurierung genauer bestimmbar, es handelt sich um eine sog. Nauheimer Fibel. Der Bronzearmring entspricht dem Typ Dünsberg; die Verzierung ist unter der Patina noch nicht zu beurteilen, wahrscheinlich sind es Strichgruppen. Die halbe Ringperle aus kobaltblauem translucidem Glas mit gelben Schraubenfäden ist der bislang erste bekannte Fund dieser Art vom Dünsberg; es ist ein typischer Fund der Stufe Latène D1. Im letzten Jahr wurde nur wenige Meter entfernt im Bereich eines weiteren Hausgrundrisses das Fragment eines kobaltblauen Glasarmrings gefunden.

Besonders wichtig für die wirtschaftliche Bedeutung des Dünsbergs ist der Fund eines großen Stückes Schlacke; es handelt sich um eine typische kalottenförmige Eisenverarbeitungsschlacke, wohl aus dem fortgeschrittenen Verarbeitungsprozess (Schmieden, Schweißen, Ausheizen). Damit ist für diesen Bereich der Siedlung indirekt eine eisenverarbeitende Werkstatt nachgewiesen. Ein silbriger Gussbrocken ist ein weiterer Hinweis auf Metallhandwerk am Dünsberg. Eine metallurgische Untersuchung (Uni Frankfurt) wird hoffentlich Aufschluss darüber geben, ob das Stück sogar mit der Münzprägung in Zusammenhang gebracht werden kann. Insgesamt geben die Funde dieser Kampagne wichtige neue Einblicke in den Alltag am Dünsberg - gegenüber den eher "kriegerischen" Funden der früheren Grabungsjahre haben wir hier erstmals das "zivile" Leben der Bevölkerung dokumentieren können - Glas-Schmuck von Frauen, Ernährung, Handwerk, vielleicht sogar Wirtschaft.

Die Organisation

Ein Teil des internationalen Teams...
Ein Teil des internationalen Teams...

Die Gesamtleitung und Organisation obliegt Dr. Karl-F. Rittershofer von der Römisch-Germanischen Kommission des DAI in Frankfurt. In einer für Deutschland wohl beispiellosen Art und Weise hat er zahlreiche Vereine, Firmen und Geschäfte zum Sponsoring angeworben sowie die Unterstützung von öffentlichen Organisationen (z.B. THW) und nicht zuletzt auch der Bevölkerung gewonnen, die bei Führungen und Vorträgen teilweise große Summen spenden. Die Sponsorenliste wird in jedem Jahr länger, und wir können allen gar nicht genug danken; nur beispielhaft zu erwähnen sind die FH Giessen-Friedberg, die uns in diesem Jahr die Computerausstattung stellte, oder die Firma Schunk, die uns täglich rund 40 warme mehrgängige Mittagessen stiftet.

Darüber hinaus arbeiten alle Helfer kostenlos auf der Grabung, d.h. ohne Bezahlung - aber mit "All Inclusive"-Verpflegung und freier Unterkunft in Zelten beim Vogelsberg-Wanderheim. Eine besonders wertvolle Unterstützung ist dabei dem Dünsberg-Verein zu verdanken, der stets Spenden sammelt; sogar die Erlöse des diesjährigen Keltenfestes kommen vollständig der Grabung und der Restaurierung der Metallfunde zugute. Letzteres ist der größte Posten, den es zu bewältigen gilt, weil sonst die Funde weder wissenschaftlich beurteilt noch erhalten und ausgestellt werden können. Daher bitten wir auch an dieser Stelle um Spenden speziell für die Restaurierung. Die Spendenkonten (Stichwort "Ausgrabungen Dünsberg") lauten: KtNr. 265 3699 bei der Volksbank Heuchelheim (BLZ 513 610 21) und KtNr. 590 001 25 bei der Sparkasse Wetzlar (BLZ 515 500 35). Der Dünsberg-Verein ist als gemeinnützig anerkannt und wird den Spendern auf Wunsch steuerwirksame Quittungen ausstellen. K.-F. Rittershofer ist auch der Herausgeber der Publikationsreihe "Forschungen zum Dünsberg", in der bereits zwei Bände erschienen sind. Die rund 80 Mitarbeiter, die in diesem Jahr wieder ehrenamtlich auf der Grabung ihren Urlaub verbracht haben, setzen sich aus allen Alters- und Berufsgruppen zusammen. Alle sind aber aus reinem Interesse und Begeisterung für die Archäologie dabei - viele Rentner oder Hausfrauen aus der Umgebung, Vermesser aus Norddeutschland, Journalisten, Lehrer, Schüler, Ärzte, Softwaredesignerin.... Für internationales Flair sorgten ein Neuseeländer, zwei Basken, zwei Slowakinnen, zwei in Saudi-Arabien wohnende Amerikaner und ein Brite.

Wir hoffen, auch in den nächsten Jahren die Grabung in dieser Form fortsetzen zu können. Zielsetzung ist etwa die Nachuntersuchung des 1907 ausgegrabenen Schulborn, einem holzverschalten großen Brunnenkasten; möglicherweise hat sich hier Holz erhalten, das zur Dendrodatierung verwendet werden kann. Mittlerweise hat sich ein "fester Kern" gebildet von erfahrenen Mitarbeitern, der sich mit jeder Kampagne erweitert und für eine Kontinuität und Wahrung der Qualität der wissenschaftlichen Ergebnisse garantiert. Nicht zuletzt ist es die positive und zwanglose Atmosphäre, wodurch alle Mitarbeiter freiwillig das Beste geben - eine Grabung, die einfach Spaß macht!

Literatur

  • K. Reeh, Der Dünsberg und seine Umgebung. Eine Bestandsaufnahme der Bodendenkmäler. Forsch. Dünsberg 1 (Montagnac 2001).
  • K.-F. Rittershofer, Forschungen am Dünsberg. Teil I: Vorbericht zu den Ausgrabungen am Dünsberg 1999-2001. Ber. Komm. Arch. Landesforsch. Hessen 6, 2000/2001, 125-133.
  • Ch. Schlott, Zum Ende des spätlatènezeitlichen Oppidum auf dem Dünsberg (Gem. Biebertal-Fellingshausen, Kreis Gießen, Hessen). Forsch. Dünsberg 2 (Montagnac 1999).
  • J. Schulze-Forster, Forschungen am Dünsberg. Teil II: Kampf und Kult am Dünsberg. Zu den Funden der Ausgrabungen 1999-2001. Ber. Komm. Arch. Landesforsch. Hessen 6, 2000/2001, 135-146.

Kontaktadressen

Dr. Karl-F. Rittershofer - Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailrittershofer(at)rgk.dainst.de
Dr. Claudia Nickel - Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailc_nickel(at)t-online.de

www.duensberg.de

www.keltenstadt.de

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