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Chancen Klassische Archäologie


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Verfasst am: 26. 12. 2012 [18:12]
GreenGlaux
Novize
Themenersteller
Dabei seit: 26.12.2012
Beiträge: 2
Egal wo ich mich im Internet umguck überall raten ehemalige Studenten von einem Studium der Klassischen Archäologie ab, aber wie schlecht stehen die Chancen jetzt wirklich?
Ich für meinen Teil bin in der 9. Klasse eines Gymnasiums und frag mich ob ich dem Wunsch Archäologie zu studieren nachgehen soll. Als Fremdsprachen liegen mir Latein und Englisch sehr gut, während Spanisch mir überhaupt nicht gefällt. Altgriechisch bring ich mir mit Hilfe von Lehrbüchern und Arbeits- bzw. Grammmatikheften (Kairos von CC. Buechner nur zu empfehlen) selber bei (angefangen hab ich eigentlich nur weil ich fand, dass die Sprache so unheimlich cool aussah 01-smile.gif ). In antiker Geschichte würd ich mich auch als eher gut einstufen, ich kenn mich gut mit den Kriegen und dem alltäglichen leben (am besten liegt mir das datieren von amphoren und die architektur) der griechen aus. zu römischer geschichte kenne ich auch die eckdaten (z. B. alle römischen Kaiser auswendig, daten der eroberung/Kriege auswendig und 50% der pronvinzen kann ich benennen und zuordnen). mit büchern hab ich ebenfalls in die grundtechniken der archäologie reingeschnuppert. 
Trotzdem denk ich dass meine Chance gegen 0 gehen wirklich später als archäologin zu arbeiten ...

~GreenGlaux~
Verfasst am: 26. 12. 2012 [21:03]
FESL
Amateur
Dabei seit: 11.12.2012
Beiträge: 11
Hallo

Ich finde du könntest es schaffen denn die Archäologie ist einfach das beste wenn du mich fragst. Ich bin selbst ein begeisterter Archäologie Fan und ich würde es dir raten es zu probieren.

FESL
Verfasst am: 27. 12. 2012 [15:21]
Melchior
Experte
Dabei seit: 13.06.2011
Beiträge: 266
Archäologiefan zu sein oder Archäologe im Fach zu sein sind zwei verschiedene Dinge. Das eine kann man jederzeit, denn man muss nicht seine Brötchen damit verdienen und kann seinem Interesse folgen. das andere erfordert,dass man einen Job findet. und die sind eine echte Seltenheit. Archäologen habeen als Uniabsolventen nur geringe Probleme einen Job zu finden, allerdings FACHFREMD. Einen Job in der Archäologie zu finden ist schwer, denn es gibt nur äusserst wenige Arbeitgeber. Wenn ein Archäologe überhaupt mal ne feste Stelle im Fach gefunden hat kannst du davon ausgehen dass er die bis zum Ruhestand behält, denn er weiss dass ihm so eine einzweites mal in seinem Leben kaum angeboten werden wird. Viele Stellen werden nur noch mit Doktoren besetzt, denn bei der Masse an ArchStudenten, deren Anzahl in Deutschland die Arbeitsstllen bei weitem übertrifft, können sich die Arbeitgeber den Luxus erlauben eine Dissertation zu verlangen. Wenn du mich fragst es gibt so einige Stellen bei Grabungsfirmen in die man besser reinkommt. Aber du musst bedenken dass das ein Knochenjob ist der schnell auf die Gesundheit geht. Und Aufstiegschancen gibts da quasi nicht. also meine Meinung: was anderes studieren.

Gruß

Melchior
Verfasst am: 27. 12. 2012 [19:54]
Kili
Beginner
Dabei seit: 15.12.2012
Beiträge: 5
Hallo,

zum einen hast du noch 3 Schuljahre vor dir, in denen noch viel Geschehen kann und sich deine Interessenslage noch ändern kann. Wenn du nach der Schule immer noch Archäologie studieren möchtest und es das ist, was du machen möchtest, dann solltest du es studieren. Natürlich sollte dir die Lage auf dem Arbeitsmarkt bewusst sein, aber man sollte, gerade zur Persönlichkeitsentwicklung, nicht immer den Weg des geringsten Widerstands gehen. 05-icon_wink.gif

Liebe Grüße
Verfasst am: 08. 01. 2013 [13:49]
p.b.
Experte
Dabei seit: 19.06.2006
Beiträge: 122
"...aber man sollte, gerade zur Persönlichkeitsentwicklung, nicht immer den Weg des geringsten Widerstands gehen."

Nett, sehr nett.


Ich habe mich ja schon öfter zu dem Thema "Archäologie studieren - ja/nein?" geäußert und will dies um weitere Erfahrungen hier bereichern.

Ein Studium der Archäologie will gut überlegt sein. Ich habe eines abgeschlossen und einen Job, aber auch nur befristet. Viele meiner Kommilitonen haben das Studium nicht geschafft, viele Mitpromovierende haben ihre Dissertationen nicht fertig gekriegt und von denen, die die beiden Hürden meisterten, sind einige schon lange arbeitslos.

Die Archäologie ist ein hartes Brot,sowohl im Beruf als auch im Privatleben.
Die vielen Reisen und Auslandsaufenthalte gehen zu Lasten der Partnerschaften, Familie und Freunde. Schonmal am 60. deiner Mutter in einem verkackten Kaff in Griechenland gehockt? Während der Hochzeit deines besten Freundes auf einem Berg in der Türkei? Dein 10-jähriges Abinachtreffen auf einer Konferenz in England verbracht? Von der Geburt deines Patenkindes auf Exkursion im Mittleren Osten gehört und die Kleine im Alter von 6 Monaten zum ersten Mal gesehen? WILLKOMMEN IN DER ARCHÄOLOGIE!

Sie brauchen kein Privatleben, keinen langfristigen Wohnsitz, keine Arbeit mit gerechter Bezahlung und keine langfristigen Verträge? Sie leben gern aus dem Koffer, sitzen gerne im Zug und Flugzeug, wollen keine Familie und sind gerne alleine? Dann studieren sie Archäologie.

Das ist zwar etwas zugespitzt, aber trifft den Kern.
Es muss jeder selbst entscheiden, ob er dieses Leben führen will, nur sollte man sich klar sein, dass Archäologie ein hartes Brot ist. Es macht Spaß in diesem Bereich zu arbeiten, doch bedeutet auch Opfer.
Verfasst am: 08. 01. 2013 [15:57]
astrofratz
Moderator
Dabei seit: 12.07.2010
Beiträge: 701
Zitat:
Sie brauchen kein Privatleben, keinen langfristigen Wohnsitz, keine Arbeit mit gerechter Bezahlung und keine langfristigen Verträge? Sie leben gern aus dem Koffer, sitzen gerne im Zug und Flugzeug, wollen keine Familie und sind gerne alleine? Dann studieren sie Archäologie.

Besser noch. Als junger Mensch ist man auch noch voller Tatendrang, man will hinaus in die Welt usw. Und dann bumm, kommt bei den meisten plötzlich eine Beziehung. So war es bei mir. So was kommt ja meist immer so, dass man es nicht gebrauchen kann, bei mir mitten im Abschlusshalbjahr.
Jetzt gibt es ja auch noch die Möglichkeit so was auszuschlagen und weiter Karriere als Archäologe zu machen oder stehen zu bleiben und eine Familie zu gründen. Selbst in meiner Situation wo es nie Kinder geben wird, war es eine ziemliche Strapaze mit den ständigen Reisen und einen Job in der Nähe konnte ich vergessen (mit Kindern könnte ich so was mir gar nicht mehr vorstellen, dass würde einem doch das Herz brechen). Mittlerweile hab ich jedoch einen guten Job, der zwar nicht gut bezahlt aber besser bezahlt ist als das was ich als wissenschaftlicher Assi bekam und bin seid 10 Jahren glücklich in einer Lebenspartnerschaft.
Bereut hab ich das Studium nicht wirklich, für mich gab es eigentlich keine Alternative, nur der Weg den man sich als Jugendlicher ausmalt kann eben ganz anders sein als den welchem man vielleicht mit 30 erreicht haben will.
Verfasst am: 09. 01. 2013 [10:28]
p.b.
Experte
Dabei seit: 19.06.2006
Beiträge: 122
Das ist auch ein wichtiger Punkt. Ich führe seit nunmehr 7 Jahren immer wieder Fernbeziehungen. Dabei stammen meine Partnerinnen stets aus dem Fach, da andere Menschen diesen Lebenswandel des ständigen Reisens nicht mittragen.
Verfasst am: 09. 01. 2013 [12:46]
MrGriffith
Novize
Dabei seit: 30.07.2012
Beiträge: 3
Es gibt die Möglichkeit der Praktika (auch schon während der Schulzeit). Diese kann man durchaus in Museen und Denkmalämtern, sowie Grabungsfirmen und diversen Kultureinrichtungen ableisten und sich dann mal selbst ein Bild des Ganzen machen. Hier bekommt man auch Hinweise und Ratschläge zum Berufsleben später. Ebenfalls bietet sich die Möglichkeit der eigenen Spezialisierung zu Studienbeginn nach Interesse und beruflicher Aussicht.
Man sollte auch in Betracht ziehen im Nebenfach eventuell Fachverwandte Disziplinen zu besuchen; Archäozoologie, Archäobotanik etc.

Polizisten, Feuerwehrleute und in der Medizin arbeitende haben Schichtdienst. Bundeswehrsoldaten müssen immer wieder ins Ausland. Viele Handwerker fahren mehrmals im Jahr auf Montage. Meiner Meinung nach sind Auslandsaufenthalte kein wirkliches Argument gegen den Beruf. Die Teilnahme an Tagungen ist eher gegenteilig der eigenen Arbeit dienlich!
Archäologie und Privatleben lassen sich durchaus miteinander verknüpfen!!!

Da seien eher die Anstellungen und Jobaussichten allgemein als Argumente ins Feld geführt! Das ist wirklich nicht das Gelbe vom Ei. Hier muss man frühzeitig auf Zeitverträge eingestellt sein. Aber es geht auch anders, wenige feste Stellen gibt es auch. Vorteilhaft ist dabei auch den Stellenmarkt im Ausland im Auge zu behalten.
Verfasst am: 09. 01. 2013 [16:07]
p.b.
Experte
Dabei seit: 19.06.2006
Beiträge: 122
MrGriffith schrieb:



Polizisten, Feuerwehrleute und in der Medizin arbeitende haben Schichtdienst. Bundeswehrsoldaten müssen immer wieder ins Ausland. Viele Handwerker fahren mehrmals im Jahr auf Montage. Meiner Meinung nach sind Auslandsaufenthalte kein wirkliches Argument gegen den Beruf. Die Teilnahme an Tagungen ist eher gegenteilig der eigenen Arbeit dienlich!
Archäologie und Privatleben lassen sich durchaus miteinander verknüpfen!!!



Arbeiten im Schichtdienst ist echt die Hölle. Da geht auch noch der Biorythmus kaputt und die Leute sehen nach ein paar Jahren aus wie wandelnde Leichen. Könnte ich wahrscheinlich körperlich nicht. Soldaten haben m.E. sowieso den schlimmsten Job. Könnte und wollte ich auch nicht machen.

Schlimmer geht immer.

Ich kann nur jeden warnen, dass man wirklich VIEL unterwegs ist, wenn man eine Chance auf einen Job haben will. Fast Jeder unterschätzt das. Selbst unabhängig vom Reisestipendium kenne ich Leute die innerhalb eines Jahres nur 14 Tage zu Hause (im Sinne von: Wohnsitz und Familie) waren. Bei mir war der Rekord mal ca. 7 Monate am Stück nicht bei meiner Familie/Wohnsitz. Klar hängt das von der jeweiligen Anstellung ab, doch trifft das wenigstens temporär 90 % der Leute, die über den MA hinaus kommen und wirklich eine Chance auf Jobs haben.

Wer gut aus dem Koffer leben kann und auch mal lange auf die Familie und seine "alten" Freunde verzichten kann, für den ist das super. Achja, man sollte auch Fan von Fernbeziehungen oder eingefleischter Single sein.

Jeder soll studieren, was er mag. Klar ist die Archäologie manchmal ein Abenteuer, wenn man einen guten Einstieg hatte. Klar kann es spannend und interessant sein. DOCH sollten auch die Schattenseiten bekannt sein oder wenigstens angedeutet werden.

Zu den festen Stellen und wie die vergeben werden, sag ich mal lieber Nichts.
Verfasst am: 09. 01. 2013 [19:45]
astrofratz
Moderator
Dabei seit: 12.07.2010
Beiträge: 701
@MrGriffith

Ich will eigentlich keinen davon abhalten, sondern meine Erfahrung damit klar machen. Aber wenn du schon einen Arbeiter vergleichst, dann nimm den Arbeiter bei einer Zeitarbeitsfirma. Dann kommst du in etwa auf das Gefühl eines Archäologen der immer nur ein paar Monate hier und da was zu arbeiten hat. Von der Rente will ich da mal gar nicht sprechen.



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