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Verfasst am: 07. 06. 2011 [19:20]
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Gimli1993
Novize
Themenersteller
Dabei seit: 07.06.2011
Beiträge: 2
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Hey ich bin momentan in der 11.ten klasse eines Gymnasiums und mache in 2 Jahren meinen Abschluss. Mein Interesse für geschichtliches geht bis in meine frühe Kindheit zurück, und ca. seit der 2ten Klasse möchte ich Archaeologe werden.
Ich wollte mal einiges im Bezug auf den Beruf Archaeologe fragen:
1. Ich habe mir hier im Forum einige Beiträge durchgelesen, und festgestellt, das der Beruf sehr vielschichtig ist. Ich wollte mal wissen welche Arbeitsgebiete es in diesem Bezug gibt, und wofür man welche Ausbildung braucht.
2. Meine Eltern machen sich auch Sorgen wegen den Verdienstmöglichkeiten als Archaeologe, kann man von diesem Beruf leben
PS: ich bin besonders an der Feldarbeit und den Umgang mit historischen Quellen interessiert
Danke im vorraus
Phillip
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Verfasst am: 11. 06. 2011 [02:17]
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Carnyx
Routinier
Dabei seit: 26.06.2010
Beiträge: 88
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"Ich habe mir hier im Forum einige Beiträge durchgelesen, und festgestellt, das der Beruf sehr vielschichtig ist."
Viele der Beiträge hier im Forum werden ganz offensichtlich nicht von Archäologen geschrieben. Gerade die längsten Threads haben mit Archäologie so gut wie nichts zu tun. Glaub bitte nicht, dieses Forum hier könnte dir Hinweise auf das Studium der Archäologie geben.
"Ich wollte mal wissen welche Arbeitsgebiete es in diesem Bezug gibt, und wofür man welche Ausbildung braucht."
Es gibt eigentlich zwei Kernbereiche: Erstens an der Uni bzw. an einer Forschungsinstitution wie RGZM oder DAI. Zweitens in der Denkmalpflege. Dann könnte man in der Wissensvermittlung tätig werden, also in einem Museum oder bei einem Verlag. Es gibt natürlich weitere Berufsfelder, die einem als Archäologen offen stehen: Taxifahrer, Verkäufer und ähnliches. Äh, tschuldigung. Aber ist schon so: Archäologie liegt zur Zeit als Studienfach im Trend. Gleichzeitig werden überall Stellen abgebaut. Es ist also völlig ausgeschlossen, daß aus allen jetzigen und künftigen Studenten professionelle Archäologen werden können.
"Meine Eltern machen sich auch Sorgen wegen den Verdienstmöglichkeiten als Archaeologe, kann man von diesem Beruf leben" - sie machen sich zu Recht Sorgen. Allerdings gibt es zur Zeit wenige Studienfächer, deren Absolventen wirklich gebraucht werden und voraussichtlich gute Chancen auf eine Karriere und ein geregeltes Einkommen haben. Ich denke da vor allem an Mathe und die meisten Naturwissenschaften. Liegt dir nicht? Eben. So gehts den meisten. Deshalb hätte man in diesem Bereich ja auch gute Chancen (Angebot - Nachfrage...)
"ich bin besonders an der Feldarbeit und den Umgang mit historischen Quellen interessiert"
Letzteres schränkt die Auswahl ein: Für die Stein- und Bronzezeit gibts nämlich logischerweise keine historischen Quellen. Ur- und Frühgeschichte (bzw. prähistorische Archäologie) kommt für dich dann wohl nicht in Frage. Was bleibt ist Vorderasiatische Archäologie (um das richtig zu betreiben, mußt du dich dann aber früher oder später mit Altorientalischer Philologie beschäftigen), Ägyptologie (ebenso, in diesem Fall Hieroglyphen), Klassische Archäologie (also kurz gesagt Griechen und Römer), Provinzialrömische Archäologie (die Römer in ihren Provinzen, vor allem hier in Mittel-, auch in Westeuropa), und Mittelalterarchäologie. - Wichtig: Wenn du dich mit historischen Quellen beschäftigen möchtest, mußt du dich immer mit Sprachen beschäftigen! Und zwar mit alten! Du wirst Latein brauchen (und auch Lateinkenntnisse nachweisen müssen) für Klassische Archäologie und Provinzialrömische Archäologie. Für Mittelalterarchäologie höchstwahrscheinlich auch. Für Ägyptologie und Vorderasiatische Archäologie brauchst du Französisch, sonst kommst du nicht weit (und wahrscheinlich wirst du das ohnehin bis spätestens zur BA-Prüfung nachweisen müssen).
Wenn du wissen möchtest, worum es beim Studium der Archäologie geht, lies Einführungsbücher. Z.B.:
- Martin Trachsel: Ur- und Frühgeschichte. Quellen, Methoden, Ziele.
- Manfred K. H. Eggert: Prähistorische Archäologie. Konzepte und Methoden.
- Colin Renfrew & Paul Bahn: Archaeology: Theory, Methods and Practice (solls mittlerweile auch auf Deutsch geben)
- Tonio Hölscher: Klassische Archäologie - Grundwissen
- Marlies Heinz: Vorderasiatische Altertumskunde - Eine Einführung.
- Günter Fehring: Die Archäologie des Mittelalters. Eine Einführung.
- Barbara Scholkmann: Das Mittelalter im Fokus der Archäologie.
Falls du genauer wissen möchtest, womit sich genau die einzelnen Archäologien beschäftigen, und wie sie sich zu dem entwickelt haben, was sie heute sind: Manfred K. H. Eggert: Archäologie - Grundzüge einer Historischen Kulturwissenschaft.
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Verfasst am: 11. 06. 2011 [13:22]
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Gimli1993
Novize
Themenersteller
Dabei seit: 07.06.2011
Beiträge: 2
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Danke für die umfangreiche Antwort, könntest du mir den andere historische felder empfehlen, die a) gefragt sind und b) die Verdienste reichen
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Verfasst am: 11. 06. 2011 [21:09]
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patchulie
Amateur
Dabei seit: 27.05.2010
Beiträge: 26
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Oje, also es ist erstmal Quatsch, dass man auf jeden Fall arbeitslos wird. Wer den Popo hochbekommt und sich bemüht, kriegt AUF JEDEN FALL ETWAS. Klar, dass es nicht gleich ne W3-Professur ist.
Grabungen wirst du auch machen können, die Unis suchen ständig nach engagierten Helfern/Lehrgräbern.
Ob man davon leben kann, hängt von einem selbst ab. Porsche-fahrende Archäologen gibts nur wenige .
Sicher ist, dass Deutschland weniger Geld in die Wissenschaft steckt als andere Länder, man ist ja auch nicht landesgebunden. Es sind so viele Stellen in zB GB oder der Schweiz ausgeschrieben, dass man (bei geeignetem Lebenslauf) schon erfolgreich werden kann.
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Verfasst am: 12. 06. 2011 [16:13]
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Paulus7a
Veteran
Dabei seit: 05.01.2010
Beiträge: 787
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Hallo Carnyx, 
wir zwei Beiden hatten ja hier schon eine ganze Weile nichts miteinander zu tun. Auch sind wir sicherlich in vielen Dingen sehr unterschiedlicher Auffassung. Ich möchte Dich daher bitten, das Folgende nicht als "Angriff" zu verstehen, sondern eher als Ergänzung oder als Diskussionsbeitrag (mit anderer Meinung) …
Zitat Carnyx: " Viele der Beiträge hier im Forum werden ganz offensichtlich nicht von Archäologen geschrieben. Gerade die längsten Threads haben mit Archäologie so gut wie nichts zu tun. Glaub bitte nicht, dieses Forum hier könnte dir Hinweise auf das Studium der Archäologie geben. "
Wenn auch schlecht nachprüfbar, so ist es doch sicher richtig, dass viele Beiträge hier im Forum nicht von offiziell bestellten (gemeint sind ausgebildete Archäologen, die auch als solche in offizieller Richtung arbeiten – in welcher Form auch immer) Archäologen stammen. Gute (und manchmal auch lange) Diskussionen kommen eben meistens dann zustande, wenn zwar unterschiedliche Meinungen aufeinanderprallen, sich aber alle Beteiligten an die Regeln halten. Das ist nun mal so – und ganz sicher nicht zum Schaden dieses Forums, auch wenns manchmal ein bisschen unbequem ist. Unschöne Gegenbeispiele gibt’s aber wahrlich genug.
Es ist aber ganz sicher nicht richtig, dass die längsten Threads (meist Alternative Theorien) nichts mit Archäologie zu tun hätten. Im Gegenteil – sie haben ungeheuer viel mit Archäologie zu tun!
Sie zeigen jetzt schon auf, in welche Richtung sich die Archäologie in nächster Zeit entwickeln wird. Es führt kein Weg daran vorbei, auch wenn vielleicht heute noch nicht alles bis zum letzten Yota richtig ist. Gimli1993 kann daran beispielsweise erkennen, in welche Zwickmühlen er unter Umständen geraten kann, und, dass das für den Einzelnen nicht immer gut ausgehen muss, und dass man eventuell einen sehr langen Atem braucht.
Auch soetwas kann die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Richtung erleichtern. Und vielschichtig (sozusagen "multistratigraphisch" – wie Gimli selbst schreibt – ist es auf jeden Fall. Solche Infos wird er aber sicher nicht von irgendeiner Studieneinführung bekommen, die kriegt er nur in diesem Forum oder durch eigene Erkenntnis/Arbeit – was aber nicht einfach ist.
Und egal was er macht, eine Garantie für irgendwas gibt’s heute kaum noch irgendwo. Und falls doch, so ist es meistens irgendein Beschi…
In den hiesigen Diskussionen werden ab und zu einmal die alten Gleise verlassen, die nicht zwingend richtig sein müssen … und oft mit hoher Wahrscheinlichkeit schwer revisionsbedürftig sind.
Und wenn dieses Forum keine Hinweise geben könnte, so frage ich mich, warum Du und ich und Patchulie und Andere dann Hinweise geben?
Es kann also. Ob's was hilft, steht natürlich auf einem anderen Blatt.
Zitat Carnyx: " … Gleichzeitig werden überall Stellen abgebaut. … "
Hast Du schon mal drüber nachgedacht, warum das so ist? An der Baustelle sollten wir beispielsweise dringend gemeinsam arbeiten, auch wenn der Bau heute oder morgen noch nicht vollendet sein wird …
Beste Grüße
Paulus7 
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Verfasst am: 13. 06. 2011 [01:36]
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Carnyx
Routinier
Dabei seit: 26.06.2010
Beiträge: 88
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"Oje, also es ist erstmal Quatsch, dass man auf jeden Fall arbeitslos wird."
Man wird natürlich nicht AUF JEDEN FALL arbeitslos.
"Grabungen wirst du auch machen können, die Unis suchen ständig nach engagierten Helfern/Lehrgräbern."
Als Student MUSS man sogar Grabungen nachweisen. Das ist klar. Bezahlt werden die jedoch normalerweise nicht. Die wenigen Grabungen, für die man Geld bekommt, sind hoffnungslos überlaufen.
Problem - bei uns siehts so aus: Seit Einführung des BA-Studiengangs kommen jedes Wintersemester über 30 neue Studenten hinzu. Während der ersten beiden Semester springen jeweils ein paar ab, verbleiben ca. 25, die den BA machen. Keiner von denen hört dann auf, weil jedem klar ist, daß der BA nur in etwa der früheren Zwischenprüfung entspricht und nicht als vollwertiger Abschluß anerkannt wird. Beispiel WS 08/09: Das Institut war noch nicht eingestellt auf die neue Situation. Das Pflichtseminar "Paläolithikum" wurde von über 60 Studenten belegt, die alle einen Schein brauchten und alle dafür ein Referat halten mußten. Anzahl der Treffen mit Referaten: 12 oder 13. Nun stell dir mal vor, wie viele Referate das pro Doppelstunde gibt. Natürlich mußten am Ende des Semesters zusätzliche Treffen vereinbart werden, die jeweils bis spät abends andauerten. Das Instutut hat dazugelernt und die Einführungsveranstaltungen finden nun dreifach statt. Das ist ein absolutes Novum. Es ist abzusehen, daß wir schon in naher Zukunft jedes Jahr ca. 25 Archäologen mit MA-Abschluß in die Welt entlassen werden. Früher waren es vielleicht fünf bis zehn im Durchschnitt. Ich frage mich wirklich, wo die alle unterkommen sollen.
Archäologie ist gesellschaftlich völlig irrelevant. Es ist also einerseits schön, wenn der Beruf "Archäologe" positiv besetzt ist und unsere jeweiligen Interpretationen der Vergangenheit medial aufbereitet und unter die Leute gebracht werden. Da dürfen sich dann gerne mal Schlapphut-Träger an Lianen schwingend auf die Suche nach verborgenen Schätzen begeben. Denn nur so fließt weiterhin Geld. Andererseits erscheint Archäologie dann als Traumberuf. Ist es für manche vielleicht tatsächlich. Aber wenn viele so denken, kann das für den einzelnen Studenten negative Auswirkungen haben: Er ist dann nur noch anonymer Teil einer amorphen Menge, die halt irgendwie durchgeschleust werden muß.
"Es ist aber ganz sicher nicht richtig, dass die längsten Threads (meist Alternative Theorien) nichts mit Archäologie zu tun hätten. Im Gegenteil – sie haben ungeheuer viel mit Archäologie zu tun!
Sie zeigen jetzt schon auf, in welche Richtung sich die Archäologie in nächster Zeit entwickeln wird."
Seh ich anders. Die Archäologie entwickelt sich in Richtung Naturwissenschaften. Die eine Uni vielleicht rascher als die andere, die einzelnen archäologischen Disziplinen sicherlich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Aber der Trend ist eindeutig. Naturwissenschaft, damit meine ich die Analyse stabiler Isotopen z. B. in Knochenkollagen und Zähnen oder Blei-Isotopenanalysen bei Metallen. Anthrakologische und Pollenanalysen. Oder DNA-Analysen - lief letztes Semester das erste Mal als BA-Pflichtkurs inklusive Laborpraktikum (das übrigens mindestens ein überraschendes Ergebnis erbrachte: über die Hälfte der Teilnehmer erwies sich als laktose-intolerant -ziemlich atypisch für Mitteleuropa- , ausgerechnet die einzige Repräsentantin der ältesten europäischen mtDNA-Haplogruppe U5 jedoch nicht). Mikromorphologische Untersuchungen, um die Sedimentgenese zu verstehen. Natürlich Datierungsmethoden: 14C inklusive Kalibrierung und Wiggle Matching oder auch Thermoluminiszenz und Radiometrik. Und natürlich werden Computer immer wichtiger: Anthropologen arbeiten heute nicht mehr mit Tasterzirkel und Sandbox, sondern mit 3D-Scannern und 3D-Modelling, und GIS und Archäo-CAD lernt man eh schon im Grundstudium.
Man will heute eben alles ganz genau wissen. Und deshalb läuft -aus meiner Sicht- so manches aus dem Bereich der "Alternativen Theorien" einfach ins Leere. Da werden zum Teil Argumente aufgewärmt, die schon Jahrzehnte alt sind und -möglicherweise- damals nicht so ohne weiteres von den "konventionellen" Archäologen widerlegt werden konnten. Heute schon. Natürlich bleibt immer noch Raum für Spekulationen und Interpretationen. Das "Wie?", "Womit?", "Woher?" läßt sich -gerade unter Anwendung moderner Methoden- meist klären. Spannend wird natürlich immer die Frage nach "Warum?" bleiben.
Nochmal zurück zur Frage, ob man Archäologie studieren soll. Ja, wenn man willens ist, sich mit Naturwissenschaften zu beschäftigen. Denn in diesen Bereichen hat man bislang noch verhältnismäßig wenig Konkurrenz, und hier werden die meisten Stellen erhalten bleiben oder sogar neu geschaffen. Nein, wenn man mit Schlapphut, Hacke und Spaten verlorene Schätze finden möchte.
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Verfasst am: 13. 06. 2011 [17:30]
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Paulus7a
Veteran
Dabei seit: 05.01.2010
Beiträge: 787
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Hallo Carnyx, 
ich zweifle nicht an Deinen Ausführungen. Das wird alles so sein, wie Du es schilderst. Derweil kann ich es nicht wirklich verstehen, weil Deine Schilderungen einen unglaublich widersprüchlichen Eindruck auf mich machen.
Meine erste Frage lautet: Warum werden so viele Studenten zum Studium zugelassen, wenn man schon vorher weiß, dass es am Ende zuuuuuuhu viele sind?
Gibt’s da kein Regularium?
Zitat Carnyx: " Archäologie ist gesellschaftlich völlig irrelevant. …"
Es erstaunt mich zutiefst, dass ausgerechnet ein Archäologe (?) das schreibt.
Das seh ich völlig anders. Was meinst Du, warum die Archäologie so hart umkämpft ist – zwischen Konventionellen, Alternativen und "diversen Dritten"?
Ich denke, letzten Endes wird durch den Fortgang der Archäologie entschieden, wie (und ob) es mit der heutigen Gesellschaft tatsächlich weitergeht.
Nur wer die wirkliche Vergangenheit kennt, kann ihre Fehler in der Zukunft vermeiden. Das dürfte von essentieller Bedeutung für die Menschheit werden bzw. heute schon sein.
M.E. ist deshalb die Archäologie mit all ihren Facetten außerordentlich wichtig für die Gesellschaft. (Und das schreib ich, ohne mich bei Dir einkratzen zu wollen)
Zitat Carnyx: " Da dürfen sich dann gerne mal Schlapphut-Träger an Lianen schwingend auf die Suche nach verborgenen Schätzen begeben."
Was hat denn die Si-Ei-Äjh damit zu tun?
Zitat Carnyx: " Seh ich anders. Die Archäologie entwickelt sich in Richtung Naturwissenschaften. "
Das begrüße ich nun wieder mit wehenden Fahnen. NUR die Naturwissenschaften sind (irgendwann mal) in der Lage, wirklich Klarheit zu schaffen. Insbesondere die "Hilfswissenschaft" Mathematik.
Andererseits plädiere ich für den ordnungsgemäßen Umgang mit naturwissenschaftlichen Methoden. Beispielsweise sehe ich die vielgerühmte C14-Methode (inklusive Kalibrierung) als BLANKE Scheinwissenschaft an.
Aber darüber brauchen wir uns hier jetzt nicht schon wieder zu streiten. Dafür gibt’s ja schon einige Threads in denen ich mir (u.a.) hinreichend das Maul verbrannt habe.
Trotzdem wird aber die "Buddelei" die Grundlage jeder archäologischen Arbeit bleiben. (in der Erde und in Archiven)
Was sollte denn sonst im Anschluss naturwissenschaftlich untersucht werden?
Zitat Carnyx: "Und natürlich werden Computer immer wichtiger: …"
Auch das ist sehr zu begrüßen. Gegen Arbeitserleichterung und –verbesserung kann eigentlich niemand etwas haben. Auch haben es die Jungen – die damit schon als Kinder aufgewachsen sind – sicher einfacher damit umzugehen, als wir.
Das ernste Problem was ich dabei sehe, ist, dass sich zu sehr auf diese tolle Technik verlassen wird – und dadurch das Selberdenken auf der Strecke bleibt.
Zumindest heute sind ja Computer noch strohdoof! Nicht viel klüger als ein Taschenrechner. Auch wenn sie schöne bunte Bilder liefern, sind sie nicht schlauer, als der, der dahinter sitzt und ihnen die Befehle erteilt. Diese Gefahr sollte nicht unterschätzt werden …
Zitat Carnyx: " Man will heute eben alles ganz genau wissen."
Da bin ich mir ganz und gar nicht sicher, ob es wirklich an dem ist. Beim Wissenwollen scheint es von Bevölkerungsgruppe zu Bevölkerungsgruppe ERHEBLICHE Unterschiede zu geben.
Zitat Carnyx: " Und deshalb läuft -aus meiner Sicht- so manches aus dem Bereich der "Alternativen Theorien" einfach ins Leere. Da werden zum Teil Argumente aufgewärmt, die schon Jahrzehnte alt sind …"
Ja. Das stimmt. Leider. Teilweise.
ABER: Das ist bei einigen konventionellen Wissenschaften ganz und gar nicht anders – im Gegenteil: Eher noch schlimmer. Dafür gibt es viele Beispiele, wie etwa die Chronologie, C14, … usw. usf.
Vielleicht ist das wirklich in der menschlichen Natur begründet? Ich weiß es nicht.
Das ist gerade einer der Punkte, die mich zwingen, im Innersten EvD-Anhänger zu sein. Selbst nach Jahrzehnten ist EvD Neuem immer noch aufgeschlossen. Ganz im Gegensatz zu etlichen konventionellen Wissenschaftlern.
Beispielsweise besteht ja meine derzeitige Arbeit zu einem großen Prozentsatz aus blanker Naturwissenschaft. Gegenwärtig fast ausschließlich am grünen Tisch und mit strohdoofem Computer. Ich würde schon ganz gern öfters mal raus …
Aber auch das ist wichtig! Auf ernstzunehmende Widerlegungen von beispielsweise "Henochs Uhr", "Wenn die Erde eine Kugel wäre …" oder "Teufelswerk" bin ich ja schon mal lange gespannt – lächle in erwartungsvoller Vorfreude solange dümmlich vor mich hin, und arbeite einfach weiter. (Das wird schwierig für die konventionelle Wissenschaft …)
Zitat Carnyx: " Nein, wenn man mit Schlapphut, Hacke und Spaten verlorene Schätze finden möchte."
Wie schon gesagt: Das ist die Grundlage von allem. Die große Frage ist, wie man am Besten dort hin kommt …
Beste Grüße
Paulus7 
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Verfasst am: 15. 06. 2011 [00:57]
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p.b.
Amateur
Dabei seit: 19.06.2006
Beiträge: 43
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Die Archäologie ist ein schöner Beruf, doch ist gerade die Zukunftsperspektive für Absolventen sehr problematisch.
Der Kampf um die Stellen ist hart und die meisten sind befristet, sodass man ständig auf Jobsuche ist und quasi aus dem Umzugskarton lebt. (Ich hab mal 14 Monate meinen Kulturbeutel nicht ausgepackt, da ich nie länger als 10 Tage irgendwo war) Dies ist meist sehr belastend für das Privatleben und wurde von JEDEM Archäologen, den ich kenne unterschätzt. Man führt Fernbeziehungen, sieht seine Freunde sehr selten und verpasst viele Feste.
Andererseits kommt man viel rum und erlebt echt abgefahrene Sachen. Es gilt zu erwägen was einem wichtiger ist. Darüber sollte man wirklich sehr genau nachdenken.
Zum Studium: Die Abschlussquote ist meiner Erfahrung nach recht gering. Als Hindernisse sind da einerseits die Sprachen zu nennen und andererseits, dass die Studenten direkt nach dem Semester auf Feldkampagnen fahren. Somit nie zu Ruhe kommen und meist auch an Nachprüfungen (sollten sie irgendwo durchgefallen sein) nicht teilnehmen können (Das bezieht sich vor allem wieder auf die Sprachen).
Was hier im Forum passiert darfst du auf KEINEN Fall als Berufsbild werten. Das meiste ist soweit ab von der wirklichen Lebenswelt eines Archäologen wie nur vorstellbar.
ad Paulus:
Deine Aussagen kann man echt nicht so stehen lassen.
- "Meine erste Frage lautet: Warum werden so viele Studenten zum Studium zugelassen, wenn man schon vorher weiß, dass es am Ende zuuuuuuhu viele sind?
Gibt’s da kein Regularium?"
Ist die Frage ernst gemeint? Weißt du wie Geld an den Unis verteilt wird? Anscheinend nicht. Zwei Faktoren sind die Menge an zugelassenen Studenten und die Menge an Abschlüssen, sodass ein Uni Institut nur vernüftig planen und arbeiten kann, wenn es mit einer hohen Auslastung im Lehrbetrieb läuft.
- "Nur wer die wirkliche Vergangenheit kennt, kann ihre Fehler in der Zukunft vermeiden. Das dürfte von essentieller Bedeutung für die Menschheit werden bzw. heute schon sein.
M.E. ist deshalb die Archäologie mit all ihren Facetten außerordentlich wichtig für die Gesellschaft."
So alte Ansicht, so falsche Ansicht. Kein Historiker, Archäologe etc. wird das mehr so unterschreiben.
Es geht um die Frage: Wo kommen wir her? Warum sind wir dahin gelangt, wo wir stehen?
- "Andererseits plädiere ich für den ordnungsgemäßen Umgang mit naturwissenschaftlichen Methoden.Beispielsweise sehe ich die vielgerühmte C14-Methode (inklusive Kalibrierung) als BLANKE Scheinwissenschaft an."
Das sagt ein Scheinwissenschaftler, der noch nicht mal rechnen kann.
Bleib doch bitte bei alternativen Theorien.
P.S.: Natürlich gibt es die Möglichkeit mit Büchern wie uns Erich Geld zu verdienen, doch dann sollte man keine Archäologie studieren. Das ist dann nur hinderlich.
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Verfasst am: 15. 06. 2011 [19:26]
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Paulus7a
Veteran
Dabei seit: 05.01.2010
Beiträge: 787
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@ p.b.
Zitat p.b.: " … Weißt du wie Geld an den Unis verteilt wird? …"
Nach Euren Aussagen scheint die gegenwärtige Lösung nicht die glücklichste zu sein. Jedenfalls bekommt man als Außenstehender diesen Eindruck.
Aber hast schon Recht: Geht mich nichts an, ich muss ja nicht damit leben …
Zitat p.b.: " So alte Ansicht, so falsche Ansicht. … "
Alt? Mag sein.
Falsch? Ganz sicher nicht.
Stell Dir mal vor: Schon vor 30-, 50-, … 100-Tausend Jahren hätte jemand die Büchse der Castora weit geöffnet und die wenigen Überlebenden hätten uns eine Warnung hinterlassen …
Dann wärest Du - als Archäologe (?) – dafür verantwortlich, diese Warnung heute als solche zu erkennen und zu veröffentlichen.
Nun stell Dir mal weiter vor: Ein Nachfolger von Schorsch Dabbeljuuhu (oder irgendjemand Anderes) würde die Büchse der Castora noch einmal öffnen – und Du hättest den Rest der Menschheit nicht gewarnt, obwohl Du es gekonnt hättest. Würdest Du diese Schuld auf Dich laden wollen?
Ach ja, ist ja richtig: Du bräuchtest (könntest) Dich ja dann nicht mehr verantworten …
Zitat p.b.: " Kein Historiker, Archäologe etc. wird das mehr so unterschreiben."
Ich bin zwar nur sehr bedingt ein "Berufshistoriker", aber unterschreiben würde ich es auf jeden Fall. Und ein paar Andere mit Sicherheit auch!
Zitat p.b.: " Es geht um die Frage: Wo kommen wir her? Warum sind wir dahin gelangt, wo wir stehen?"
Ach ja?
Das ist doch von "der" Wissenschaft längst klar und präzise beantwortet: Alles dummer Zufall.
Wozu also weitersuchen?
So ist es ja kein Wunder, dass die Archäologie vernachlässigt wird …
Zitat p.b.: " Das sagt ein Scheinwissenschaftler, der noch nicht mal rechnen kann."
In der Tat: Es gibt Menschen, die Traum und Wirklichkeit nicht auseinanderhalten können. Das hätte ich so nicht erwartet …
Zitat p.b.: " Bleib doch bitte bei alternativen Theorien."
Dein Wunsch sei mir Befehl, oooh "Herr". Da ist die Einschaltquote eh höher …
Gut, dass wir freie Bürger in einem freien Land sind: Da kann sich jeder wünschen, was er möchte – und manchmal geht’s sogar in Erfüllung (wenn auch nicht auf ewig) …
Aber hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen, …
Zitat p.b.: " … doch dann sollte man keine Archäologie studieren. Das ist dann nur hinderlich."
Da könntest Du ausnahmsweise sogar Recht haben: " Wer einmal auf der Akademie gelernt hat, Pferde zu malen, wird immer wieder Akademiepferde malen " oder so ähnlich.
Wer hat das doch gleich gesagt?
PS: Ich frag mich echt, wo diese Eifersucht herkommt?
So dolle liebt mich Carnyx ja nun auch nicht, dass Du uns gleich eine Szene machen musst …
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Verfasst am: 15. 06. 2011 [22:50]
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p.b.
Amateur
Dabei seit: 19.06.2006
Beiträge: 43
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"Paulus7a" schrieb:
Alt? Mag sein.
Falsch? Ganz sicher nicht.
Stell Dir mal vor: Schon vor 30-, 50-, … 100-Tausend Jahren hätte jemand die Büchse der Castora weit geöffnet und die wenigen Überlebenden hätten uns eine Warnung hinterlassen …
Dann wärest Du - als Archäologe (?) – dafür verantwortlich, diese Warnung heute als solche zu erkennen und zu veröffentlichen.
Ja wenn Jemand die Büchse der Pandora öffnen würde, die neben den Beweisen für Außerirdische in einen Archiv in Berlin liegt....
"Paulus7a" schrieb:
Ich bin zwar nur sehr bedingt ein "Berufshistoriker", aber unterschreiben würde ich es auf jeden Fall. Und ein paar Andere mit Sicherheit auch!
Nein
"Paulus7a" schrieb:
Ach ja?
Das ist doch von "der" Wissenschaft längst klar und präzise beantwortet: Alles dummer Zufall.
Wozu also weitersuchen?
So ist es ja kein Wunder, dass die Archäologie vernachlässigt wird …
Wenn du es zu Ende "rechnest" kommt irgendwann der Zufall oder Gott (sprich ein allmächtiges Wesen) ins Spiel.
"Paulus7a" schrieb:
Dein Wunsch sei mir Befehl, oooh "Herr". Da ist die Einschaltquote eh höher …
Bei deinem Sendungsbewusstsein ist das auch nötig...
"Paulus7a" schrieb:
Gut, dass wir freie Bürger in einem freien Land sind: Da kann sich jeder wünschen, was er möchte – und manchmal geht’s sogar in Erfüllung (wenn auch nicht auf ewig) …
Aber hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen, …
da wurden Pyramiden auf der Lichtgeschwindigkeit gebaut bis die böse Stiefmutter sie kaputt machte und diese doofe Idee der Plattentektonik und der mathematischen Regeln erfand.
"Paulus7a" schrieb:
Da könntest Du ausnahmsweise sogar Recht haben: " Wer einmal auf der Akademie gelernt hat, Pferde zu malen, wird immer wieder Akademiepferde malen " oder so ähnlich.
Wer hat das doch gleich gesagt?
Wenigstens weiß man dann, dass ein Pferd nicht wie ET aussieht.
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