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Römische Großgrabhügel???


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Verfasst am: 27. 01. 2012 [23:16]
utnapischtim
Routinier
Themenersteller
Dabei seit: 15.12.2010
Beiträge: 52
Hallo,

habe da eine einfache Frage, die auch nichts mit Pyramiden o.ä. zu tun hat 05-icon_wink.gif

Zur Erläuterung:
Bei uns im Landkreis gibt es viele Zeugnisse der keltischen und römischen Vergangenheit. Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit unserem langjährigen Beauftragten für Denkmalschutz - von welchem ich zur Zeit noch "eingearbeitet" werde. Darin ging es um einen Großhügel, welcher im Flurname und bei der Bevölkerung auch "Römerhügel" genannt wird.

Bisher wird angenommen, dass es sich entweder um einen Mottenhügel handelt, oder um ein keltisches Hügelgrab - ein römischer Ursprung wurde immer verneint.
Der besagte Hügel liegt ca. 100 Meter von einer Römerstraße entfernt, hat einen Durchmesser von ca. 35 Metern und ist ca. 4 Meter hoch. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich noch 3 weitere, aber deutlich kleinere Hügel.

Heute bin ich nun auf folgende Internetseite gestossen:

http://www.regionalgeschichte.net/hunsrueck/region/orte/orte-m/mastershausen/sehenswuerdigkeiten/roemischer-grossgrabhuegel-thonhuegel.html?L=0

Darin wird von einem römischen Großhügelgrab gesprochen -
also von etwas - was mir zumindest - noch nie zu Ohren kam.

Daher meine Frage: gib/gab es in Südwestdeutschland tatsächlich römische Großgrabhügel?

Vielen Dank
Bernd

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 27.01.2012 um 23:21.]
Verfasst am: 27. 01. 2012 [23:38]
ARFINDA1
Experte
Dabei seit: 18.09.2010
Beiträge: 304
"utnapischtim" schrieb:

Hallo,

habe da eine einfache Frage, die auch nichts mit Pyramiden o.ä. zu tun hat 05-icon_wink.gif

Zur Erläuterung:
Bei uns im Landkreis gibt es viele Zeugnisse der keltischen und römischen Vergangenheit. Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit unserem langjährigen Beauftragten für Denkmalschutz - von welchem ich zur Zeit noch "eingearbeitet" werde. Darin ging es um einen Großhügel, welcher im Flurname und bei der Bevölkerung auch "Römerhügel" genannt wird.

Bisher wird angenommen, dass es sich entweder um einen Mottenhügel handelt, oder um ein keltisches Hügelgrab - ein römischer Ursprung wurde immer verneint.
Der besagte Hügel liegt ca. 100 Meter von einer Römerstraße entfernt, hat einen Durchmesser von ca. 35 Metern und ist ca. 4 Meter hoch. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich noch 3 weitere, aber deutlich kleinere Hügel.

Heute bin ich nun auf folgende Internetseite gestossen:

http://www.regionalgeschichte.net/hunsrueck/region/orte/orte-m/mastershausen/sehenswuerdigkeiten/roemischer-grossgrabhuegel-thonhuegel.html?L=0

Darin wird von einem römischen Großhügelgrab gesprochen -
also von etwas - was mir zumindest - noch nie zu Ohren kam.

Daher meine Frage: gib/gab es in Südwestdeutschland tatsächlich römische Großgrabhügel?

Vielen Dank
Bernd

Hallo utnapischtim,
was haben die Römer mit ihren Toten nach einer Schlacht gemacht?
Massengrab, Einzelgrab, Urnen???

MfG
ARFINDA1
Verfasst am: 27. 01. 2012 [23:39]
Irminfried
Experte
Dabei seit: 16.09.2011
Beiträge: 214
Hallo Utnapischtim,

m.W. nach gab es keine rein römischen Grabhügel.
Es gibt z.Bsp. die Grabhügel von Oberlöstern , die mit römischen Elementen (eckige Grundform, Formsteine...) aufgebaut wurden. Die Bestattungen selbst sind leider beraubt.
Auch wurden im ausgehenden 19. Jhdt. Grabhügel als römisch angesprochen, da hier größere Mengen an römischem Material (Glas, Keramik, Fibeln etc.) gefunden wurden.

Ich denke, kann dabei aber auch daneben liegen, daß diese Hügel der einheimischen "Führungsschicht" zu Ehren aufgebaut wurden. Die Bestattung mit dem Wertvollsten aus dem Besitz des Verstorbenen war ja Usus und die römischen Importgüter gehörten mit Sicherheit dazu.

Gruß
Irminfried


Thüringen in den Grenzen von 530! 05-icon_wink.gif
Verfasst am: 27. 01. 2012 [23:57]
Melchior
Experte
Dabei seit: 13.06.2011
Beiträge: 146
Hallo!

Ich denke hier sieht man zwei Dinge:

- Als sich vor Jahrhunderten die Menschen genau wie heute, über die alten Ruinen und Grabhügel wunderten, hieß es bei ihnen schnell: römisch. Grund hierfür ist, dass man bis weit in die Neuzeit von der Antike geschweige denn von den Zeiten davor nichts wusste. Deshalb finden sich an seeeehr vielen Orten solche Bezeichnungen wie Römerwall, Römerburg etc. Das hält dem heutigen Kenntnisstand meist natürlich nicht stand. Daher sollte der Name dieses Hügels stammen.

- Zweitens: Der Autor dieses Artikels auf regionalgeschichte.net haut einiges durcheinander, sprich es wimmelt von Fehlern. Es sollte "römerzeitlicher Grabhügel" heißen. Dieser Ausdruck sagt nur aus, dass der Hügel aus der Zeit in der es auch Römer gab stammt, also gleichzeitig mit ihnen ist. Der Autor scheint das nicht gewusst zu haben und hat dann eben das da raus gemacht.

Eine zuätzliche Möglichkeit: wie mir grade auffällt wurde der Grabhügel 1888 ausgegraben. Das ist zur Kinderzeit der Archäologie und der Wissensstand war noch nicht so riesig. Diese Verwirrung kann auch daher stammen, dass der Grabhügel ausgegraben wurde und diese römischen Aschekisten ( ich meine mich zu erinnern dass Römer die wirklich hatten) dort gefunden wurden. Deshalb haben die Ausgräber des 19 Jh geschlossen, dass der Hügel römisch sein muss. Problem: solch markante Geländepunkte werden häufig Jahrhunderte später als Bestattungsort wieder aufgegriffen. Der Hügel kann eisenzeitlich, die Kisten römisch sein.
Falls du Lust hast dich mit der Archäologie des 19 Jh zu befassen solltest du dir das Buch besorgen wo der "Römerhügel" veröffentlicht wurde. Is sicherlich spannend zu lesen was die Leute derozeiten herausgefunden haben!

Gruß, Melchior
Verfasst am: 28. 01. 2012 [00:04]
Irminfried
Experte
Dabei seit: 16.09.2011
Beiträge: 214
...auch daß Römerstraßen an Grabhügeln vorbeiführen ist sicher kein Zufall.
Die teils bedeutend älteren Hügel wurden immer wieder auch als Wegmarken genutzt. Die bestehenden Pouten wurden von den Römern "nur" gepflastert.

Gruß
Irminfried

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 28.01.2012 um 00:04.]

Thüringen in den Grenzen von 530! 05-icon_wink.gif
Verfasst am: 28. 01. 2012 [00:11]
Pygmalion
Experte
Dabei seit: 17.03.2010
Beiträge: 139
Die Römer haben auf jeden Fall "extra murus" beigesetzt, also an den Ausfallstraßen ihrer Städte...ich würde gar nicht unbedingt zu 100% ausschließen, dass es dabei nicht auch die form eines hügels geben konnte, auch wenn es sicher nicht typisch römisch ist...die waren da ja gar nicht so unkreativ, was das angeht. die einfache nähe zu einer römerstraße ist jedoch kein hinweis.

der hügel könnte nebendem auch wesentlich später sein als römisch, so wie ich das verstehe, ist ja nur bekannt, dass es ein hügel ist, nichtmal ob es das fundament einer motte ist.
auch die merowinger haben z.b. Hügelgräber angelegt und die alten römerstraßen natürlich auch weiter genutzt.

also ist im grunde gar keine aussage zu eurem großhügel möglich, es kann ein eisenzeitliches oder späteres grab sein, oder auch ein mottenhügel...*schulterzuck*
Verfasst am: 28. 01. 2012 [03:26]
Brennos
Amateur
Dabei seit: 18.12.2011
Beiträge: 23
Es ist zwar ein relativ schlechtes Beispeil aber ich bringe es trotzdem.
Tacitus berichtet (ich glaube in seinem "De Germani" ) , davon, dass Germanicus die Reste der Soldaten, die in der Varusschlacht gefallen waren, und die er auf einem Feldzug in der Germania Magna enddekckte, in einem großen Grabhügel bestatten lies.
Ich kann aber nicht sagen, ob es sich dabei um eine Art von militärischen Ritual oder um eine Notmaßnahme gehandelt hat.
Was aber für eine gewissen rituelle Komponten sprechen könnte ist, dass in Kalkriese (am wahrscheinlichsten Ort der Varusschlacht) kein Grabhügel sondern mehrere Knochengruben fanden und wenn man sich schon die Mühe macht zu behaupten es sei ein Grabhügel scheint dem ein gewisses Prestige anzuhaften.
Alles hochspekulativ und mit Halbwissen durchsetzt, man möge mich also korrigieren wenn was falsch ist.


[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 28.01.2012 um 03:27.]
Verfasst am: 28. 01. 2012 [11:24]
utnapischtim
Routinier
Themenersteller
Dabei seit: 15.12.2010
Beiträge: 52
Hallo,

danke für Eure interessanten Infos und Links.

Leider wurden im Bereich des Hügels noch keine Lesefunde gemacht, Hügel steht heute auch im Wald. Daher wird es wohl weiterhin spekulativ bleiben, welchen Ursprungs der Hügel ist.

Mich hat eigentlich nur der Ausdruck "Römerhügel" im von mir verlinkten Beitrag irritiert.

Zwar gab es im Umkreis von 2 Kilometern des Hügels 3 römische Gutshöfe, aber auch wichtige Fundstellen vom Neolithikum bis in die Eisenzeit hinein.
Verfasst am: 28. 01. 2012 [14:40]
Melchior
Experte
Dabei seit: 13.06.2011
Beiträge: 146
Wie gesagt:

- volkstümliche Namensgebung eines alten Bauwerks
- Namensgebung durch die Ausgräber von 1888
- Fehler durch den Internetautoren

Die zwei ersten sind am wahrscheinlichsten. Finden sie doch mal eine alte Karte. So von 18*irgendwas. Wenn der Name da schon auftaucht ist der Fall klar. Dann isses auf jeden Fall das erste!

Gruß, Melchior
Verfasst am: 28. 01. 2012 [17:03]
utnapischtim
Routinier
Themenersteller
Dabei seit: 15.12.2010
Beiträge: 52
Hallo Melchior,

der Link mit den Hügeln bezieht sich nicht auf den Hügel in meiner Region. Die von mir verlinkte Seite stellte nur etwas
neues für mich dar, wovon ich zuvor nie etwas gehört hatte.

Dieser Hügel bei mir im Kreis wird schon seit langer Zeit Römerhügel genannt, ist aber auch bei unserer römischen Vergangenheit nicht weiter verwunderlich - aber das mit einer
alten Karte ist trotzdem eine gute Idee.

Der Hügel wird als Bodendenkmal aufgeführt, aber wie schon zuvor geschrieben, ist eben nicht klar ob Motte oder hallstattzeitlich. Daher wäre eben auch die dritte Option "römisch" interessant gewesen - falls existent.

Ein Foto habe ich interessehalber angefügt, aber eine fotografisch-räumliche Darstellung im Wald ist eben ein bissle schwierig. 01-smile.gif

Viele Grüße


[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 28.01.2012 um 17:04.]
Dateianhang

Hügel.jpg — 21 mal heruntergeladen
Typ: image/jpeg, Größe: 956.12 Kilobyte



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