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Wer kann mir etwas über diesen Fund sagen


Autor Nachricht
Verfasst am: 06. 05. 2010 [09:05]
leni556
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Themenersteller
Dabei seit: 05.05.2010
Beiträge: 5
Hallo zusammen,

ich bin kein Hobby- Archäologe, geschweige denn ein Profi, also bitte habt Nachsicht
wenn ich dumme Fragen stelle, aber es interessiert mich einfach.

Ich habe auf einem Acker im Landkreis Cloppenburg/ Niedersachsen zufällig diesen Fund
gemacht.

Jetzt würde mich interessieren:
- Aus welcher Zeit kommt dieses Werkzeug ca.
- Ist dies ein seltener Fund (nach meiner Meinung ist dieses Werkzeug nicht fertig gestellt worden)

Vielleicht kann mir jemand einige Antworten geben, ich würde mich sehr freuen.

Gruß und Danke im Voraus


Jürgen
Dateianhang

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Verfasst am: 06. 05. 2010 [12:34]
sebastian.b
Experte
Moderator
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 180
Merkwürdiges Teil. Gesehen hab ich diese Form noch nie unter den Steinwerkzeugen. Es scheint allerdings auch nichts aus der Steinzeit zu sein, denn:
Die (unvollendete) Bohrung ist anscheinend modern, da sie mit einem Hohlbohrer angefertigt worden zu sein scheint. So hat man und konnte man in der Steinzeit nicht bohren.
Offenbar hat da jemand in neuerer Zeit versucht, eine recht merkwürdige Vorstellung von einem Steinwerkzeug umzusetzen.

Grüße!
Verfasst am: 06. 05. 2010 [13:25]
leni556
Beginner
Themenersteller
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Beiträge: 5
Hallo,
ich möchte nur zu bedenken geben, das der Fundort direkt an dieses Großsteingrab angrenzt. (siehe Link)

Gruß
Jürgen


http://www.stonepages.de/db/stone.php?rcrd=123&menu=Cloppenburg
Verfasst am: 06. 05. 2010 [13:59]
sebastian.b
Experte
Moderator
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 180
Am besten Mal jemandem aus dem Landesamt vorlegen. Es lässt sich schwer anhand der Fotos einschätzen, ob es sich um etwas Prähistorisches handelt. Die Nähe zu dem Grab ist aber durchaus auffällig. Ein Werkzeug ist das nicht, aber es könnte sich durchaus um ein Kultbeil handeln. Dazu muss das aber mal genauer in Augenschein genommen werden.
Verfasst am: 06. 05. 2010 [16:54]
a.brunn
Admin
Dabei seit: 27.07.2000
Beiträge: 357
Hallo Jürgen,

ich würde sagen, es handelt sich um eine nicht fertig gestellte jungsteinzeitliche Axt, vermutlich der Trichterbecherkultur (ca. 4200–2800 v. Chr.). http://de.wikipedia.org/wiki/Trichterbecherkultur

Die unvollendete Bohrung ist nicht modern - solche Kernbohrungen sind im Neolithikum eine gängige Technik bei der Herstellung von Äxten. Man findet auch öfter die dabei übrig gebliebenen Kerne, wie z.B. diese schnurkeramischen Exemplare aus Wattendorf-Motzenstein bei Bamberg:
http://www.landschaftsmuseum.de/Bilder/Motzenstein_Bohrkerne-2.jpg

Mehr Infos dazu auf dieser Seite: http://www.landschaftsmuseum.de/seiten/lexikon/Steinbeile.htm
Dort ist auch das folgende Schema der Bohrtechnik abgebildet:
http://www.landschaftsmuseum.de/Bilder/Hohlbohrung_Schema-2.jpg

Beispiele für unvollendete Bohrungen gibt es auch einige - ob es die auch aus der betreffenden Gegend gibt, weiß ich allerdings nicht, kann also nicht sagen, wie selten das Stück ist.
Auf jeden Fall würde ich an Deiner Stelle den Fund an das zuständige Denkmalamt melden. Die können Dir mehr zu dem Stück sagen:

Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
Scharnhorststraße 1
30175 Hannover
Tel. 0511/925-5300
Fax 0511/925-5296
E-Mail: archaeologie(at)nld.niedersachsen[dot]de

http://www.denkmalpflege.niedersachsen.de/



Verfasst am: 06. 05. 2010 [20:37]
sebastian.b
Experte
Moderator
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 180
Wow, das hätte ich nicht gedacht, dass man in der Steinzeit bereits Hohlbohrungen vorgenommen hat.

Aber hältst Du es denn wirklich für ein Werkzeug? Sieht für mich wirklich nicht danach aus.
Verfasst am: 06. 05. 2010 [22:32]
Pygmalion
Experte
Dabei seit: 17.03.2010
Beiträge: 139
Na es ist jedenfalls ganz offensichtlich eine Axt, die irgendwie aber nicht fertiggestellt wurde...sofern es keine offensichtlichen Sprünge im Stein gibt, kann man über den Grund nur spekulieren...

Es wurden einige Experimente mit Steinäxten gemacht, die haben durchaus geschafft, damit einen Baum zu fällen...z.T. waren solche Äxte, vor allem die aufwendigen, auch nur Zierwaffen, z.B. als Symbol der Herrschaft, oder dergleichen....die Form ist eigentlich auch nicht unbedingt ungewöhnlich für eine Axt...
Verfasst am: 06. 05. 2010 [22:32]
a.brunn
Admin
Dabei seit: 27.07.2000
Beiträge: 357
Nun ja, es ist ja offensichtlich nicht fertig geworden. Man hätte ansonsten den Stein und vor allem die Klinge noch geschliffen.

Im Vergleich mit einer modernen Axt dürfte der Werkzeugcharakter deutlicher werden:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5b/Spalthammer2.jpg

http://www.archaeologie-online.de/typo3temp/pics/d13df5d0af.jpg

Braucht man sich also nur geschäftet vorzustellen und ein wenig schärfer 01-smile.gif

Aufgrund der geringen Größe des Stückes dürfte es aber vermutlich weniger als tatsächlich praktisch einzusetzendes Werkzeug/Waffe gedacht gewesen sein, sondern sollte wohl eher symbolischen Charakter haben.


Verfasst am: 07. 05. 2010 [13:26]
sebastian.b
Experte
Moderator
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 180
Dass es grundsätzlich die Form eines Beils hat, ist schon klar. Aber ich hab speziell eine solche Form noch nie bei einem Beil gesehen, das als Werkzeug diente.

Habe was Interessantes entdeckt:
http://pvbrowser.de/home/saalhauser-bote/index.php?menu=2&topic=2&bote=ausgaben/html/bote-1-2010/de_p3.html
Zitat:
Die Schaftbohrung dieser uralten, nur dem Kult dienenden Beile wurde, wie auch die Beile selbst, im Verlauf der Zeit nicht mehr ganz ausgeführt – verständlich auch durch die enorm schwierige Bearbeitung des Steins mit Knocheninstrumenten -, so dass schließlich nur die schalenförmige Anbohrung übrig blieb. Sie fand sich sowohl auf den großen Handsteinen, die den kostbaren Kultgegenstand allmählich ersetzten, wie auf beilförmigen Bernstein-Amuletten und künstlerischen späten Beilen aus Ton mit Bronzeüberzug.
Verfasst am: 10. 05. 2010 [13:02]
leni556
Beginner
Themenersteller
Dabei seit: 05.05.2010
Beiträge: 5
Hallo zusammen,

danke für die interessante Diskussion und die ausführlichen Infos, jetzt weiss ich schon mal etwas mehr über diesen Hammer! Danke!!

Eine Frage habe ich noch:
Was bringt mir jetzt noch eine Meldung beim zuständigen Denkmalamt, die werden mir auch nicht viel mehr dazu sagen können, oder? .... zum Schluss muss ich das Teil auch noch abgeben.....

Danke und Gruß

Jürgen



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