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Scherben m. schwarzer Innenseite
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Verfasst am: 23. 09. 2010 [16:34]
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uli
Beginner
Themenersteller
Dabei seit: 23.09.2010
Beiträge: 9
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Liebe Keramik-Experten, anbei meine erste Frage. Ich erbitte Nachsicht, wenn ich Unsinn schreiben Zur Vorgeschichte: Ich habe mal Ur- und Frühgeschichte im Nebenfach studiert. Meine Grabungen betrafen alle Spät-Mittelalter/frühe Neuzeit (Wüstung und Burg) im Göttinger Raum, meine Erfahrungen bei Feldbegehungen mit Hans-Georg Stephan, ebenfalls im Göttinger Raum, umfassen im wesentlichen auch mittelalterliche mit ein paar neolithischen Funden. Die folgenden Funde sind alle aus meinem Gemüsegarten beim Kartoffelernten angefallen. Den Fundort habe ich vor zwei Jahren beim Landesamt in Schleswig gemeldet. Er betraf zwei endneolithisch/bronzezeitliche Flintartefakte und etliche Scherben diverser, kaum näher eingegrenzter Zeitstellungen. Der Fundort liegt südöstlich von Rendsburg, südlich der Eider und westlich der Jungmoränengrenze auf einer Altmoränen-Kuppe in einem Dorf. Unter den Scherben sind mittlerweile etliche, die eine mehr oder weniger glänzende schwarze Innenseite haben. Die Bruchflächen sind problemlos mit dem Fingernagel abzukratzen, wobei sich schwarze Trauerränder unter dem Fingernagel bilden Beim Bewegen der Scherben zeigen einige Scherben metallische Reflexe, was mich auf Graphit schließen lässt? Insgesamt sieht das Ganze für mich (Nicht-Experten) nach relativ qualitätvoller, vor allem recht dünner, handgemachter Keramik aus. Drehspuren sind für mich(!) nicht zu erkennen. Für die dünnen Scherben habe ich keine korrespondierenden Randscherben gefunden. Dickere Scherben, die zumindest vom Kohlenstoff-Gehalt ähnlich sind aber gröber gemagert, existieren. Scherbe I - Außenseite rot: ![]() Scherbe I - Bruchkante: ![]() Scherbe I - Innenseite dunkel: ![]() Scherbe I - Innenseite Reflex: ![]() Scherbe II - Außenseite rot: ![]() Scherbe II - Bruchkante: ![]() Scherbe II - Innenseite schwarz: ![]() Scherbe II - Innenseite Reflex: ![]() Scherbe III - Außenseite schwarz: ![]() Scherbe III - Bruchkante: ![]() Scherbe III - Innenseite schwarz: ![]() Scherbe III - Innenseite Reflex: ![]() Scherbe IV - Außenseite grau-braun, mit leichtem Knick im Schulterbereich?: ![]() Scherbe IV - Innenseite grau-schwarz: ![]() Scherbe IV - Bruchkante: ![]() Scherbe IV - Ansicht von oben, seitlich dicker werdend (Übergang zu Henkel o.ä.?): ![]() Habt Ihr eine Ahnung, um was es sich hier handeln könnte - qualitätvolle Scherben, die älter als Spätmittelalter sind, oder primitive neuzeitliche Ware? Ich weiß: Es sind kleine Scherben, ohne Verzierung, ohne Randformen, ohne Möglichkeit, sie anzufassen. Vielleicht hat trotzdem jemand eine Idee... Liebe Grüße Uli |
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Verfasst am: 23. 09. 2010 [21:28]
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sebastian.b
Experte Moderator
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 180
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Hallo uli, Willkommen im Forum! Für mich sehen die Scherben eher modern aus. Die Magerung gibt eigentlich nichts älteres her. Aber auch ich bin kein Experte. Vielleicht findet sich noch jemand. Für die anderen: Für eine größere Anzeige der Bilder per rechter Maustaste auf "Graphik anzeigen" klicken. |
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Verfasst am: 24. 09. 2010 [08:12]
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Darth
Beginner
Dabei seit: 07.09.2010
Beiträge: 5
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Also ich hatte vor kurzer Zeit bei einer Grabung mitgewirkt, und hatte mit ein paar solcher Scherben zu tun. Ich bin der Meinung, dass dies Wechselbrandscherben sind. Typisch für diese sind ein dunkler Kern, an der Bruchstelle, der nach außen hin immer heller wird. Das heißt, die Scherbe wurde öfter gebrannt. Also der Archäologe meinte, dass solche Scherben auf das 12. oder 13. Jhd. zu datieren sind. Also das ist meine Meinung, aber ganz sicher bin ich mir nicht. Darth |
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Verfasst am: 24. 09. 2010 [08:49]
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volland
Amateur
Dabei seit: 24.09.2010
Beiträge: 16
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Hallo Leute, @Darth Wechselbrandscherben? Die Ursache, dass der Kern der Scherben dunkel ist, kann auf eine Brenntemperatur von unter 600 Grad zurückzuführen sein. In diesem Fall wird die Kernzone nicht lange genug erhitzt. @sebastian h. Wie kommst Du darauf, dass man aufgrund der Größe der Magerungspartikel das Alter der Keramik fixieren kann? @uli Hmm, ohne Ränder ist es unmöglich etwas genaues zu sagen. Aber auf Bild 4 "könnte" es sich um eine vorgesch. Scherbe handeln. Eisenzeit!? Sei doch bitte so nett und stell die Bilder der gröberen Kermaik mit den Randstücken ein. Ciao |
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Verfasst am: 24. 09. 2010 [11:00]
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uli
Beginner
Themenersteller
Dabei seit: 23.09.2010
Beiträge: 9
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Vielen Dank schon einmal für die Rückmeldungen. Ich weiß ja, dass solche Scherblein eine Zumutung sind ...
Kommt etwas später. Allerdings sind die Lesefunde natürlich bunt gemischt und nicht aus einem gemeinsamen Befund. Ob also die Randformen der gröberen Keramik mit der oben gezeigten feineren etwas zu tun hat, ist ja nicht gesagt. Soll ich die Fotos wieder als Bilder einstellen oder nur als Links - wegen der Ladezeiten? Liebe Grüße Uli |
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Verfasst am: 24. 09. 2010 [12:23]
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volland
Amateur
Dabei seit: 24.09.2010
Beiträge: 16
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Ich finde die Ladezeiten der Bilder noch erträglich. |
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Verfasst am: 24. 09. 2010 [17:54]
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uli
Beginner
Themenersteller
Dabei seit: 23.09.2010
Beiträge: 9
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Folgende Randformen weisen den starken Kohlenstoff-Anteil auf, wie die oben gezeigten dünneren und feiner gemagerten Scherben. Der Bruch kann mit dem Fingernagel gerade geschabt werden, während die Oberflächen knapp härter als der Fingernagel ist:![]() Randform 03 weist eine relativ starke Rundung auf, die anderen weisen auf einen recht großen Mündungsdurchmesser. Rand 01 Innenseite: ![]() Rand 01 Außenseite: ![]() Rand 02 Innenseite: ![]() Rand 02 Außenseite: ![]() Rand 03 Innenseite: ![]() Rand 03 Außenseite: ![]() Rand 04 Innenseite: ![]() Rand 04 Außenseite: ![]() Rand 05 Innenseite: ![]() Rand 05 Außenseite: ![]() Das Fundareal misst etwa 5 x 10 Meter. Das Dorf ist 1264 zum ersten Mal erwähnt und die entsprechende graue Kugeltopfware ist auch mit den größten Scherben vertreten - zusammen mit früh neuzeitlichen, innen glasierten Grapen. Ich kenne halt die mittelalterlichen Wüstungen im Kreis Göttingen. Deren Lese-Funde sind sehr viel einheitlicher (um nicht zu sagen: langweiliger) mit grauer Irdenware und Faststeinzeug. Deshalb bin ich so verwundert über die Vielfalt an Keramikwaren und Formen in meinem kleinen Gemüsebeet. Liebe Grüße Uli |
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Verfasst am: 24. 09. 2010 [18:22]
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volland
Amateur
Dabei seit: 24.09.2010
Beiträge: 16
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Hallo Uli, danke für die Bilder. Ich komme aus der Nähe Deiner ehemaligen Heimat. Da kann ich Dir ja nichts Neues sagen. Der Rand 1 passt doch einigermaßen in die von Dir angegebene Zeitstellung. Ich denke, dass Du ihn auf einer Deiner Göttinger Wüstungen eher in das frühe MA stellen würdest? So 8/9 Jhd.! Bei den anderen fällt mir nichts ein außer hart gebrannter Irdenware, relativ porös. Ich habe allerdings keine Ahnung von mittelalterlicher Keramik in SH. Ciao Mit welcher Software hast Du die Profile erstellt? Ganz prima. [Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 24.09.2010 um 18:23.] |
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Verfasst am: 24. 09. 2010 [18:48]
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a.brunn
Dabei seit: 27.07.2000
Beiträge: 460
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Hallo Uli, nach dem, was man so auf den Fotos und Zeichnungen erkennen kann, würde ich meinen, dass die Scherben allesamt ins 12./13. Jh. zu datieren sind. Ähnliches Material kenne ich von Ausgrabungen, allerdings aus Süddeutschland. Kann sein, dass solche Keramik in Norddeutschland anders datiert wird, aber die Datierung würde doch gut zu der ersten Erwähnung des Ortes 1264 passen. Grüße Andreas Brunn
www.archaeologie-online.de |
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Verfasst am: 24. 09. 2010 [19:00]
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volland
Amateur
Dabei seit: 24.09.2010
Beiträge: 16
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Hallo a.brunn, ohne Sie belehren zu wollen, möchte ich anmerken, dass der ausbiegene Rand ohne Innenkehlung (Rand 1) durchaus ins ausgehende Frühmittelalter datiert werden kann. Jedenfalls im Göttinger Bereich Ich habe eine im 8ten Jhd. urkundlich fassbare Wüstung, die außer der üblichen hochmittelalterlichen, hart gebrannten, graublauen, gekehlten Kugeltopfware die erwähnten einfachen Ränder liefert. Die sind unstrittig ins 8/9 Jhd. datiert. Auf jeden Fall hat kein Stück, wie von sebastian.b. angeführt, eine moderne Zeitstellung. Ciao |
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Ich habe eine im 8ten Jhd. urkundlich fassbare Wüstung, die außer der üblichen hochmittelalterlichen, hart gebrannten, graublauen, gekehlten Kugeltopfware die erwähnten einfachen Ränder liefert. Die sind unstrittig ins 8/9 Jhd. datiert.