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Was interessiert die Medien?


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Verfasst am: 25. 05. 2005 [15:00]
dianescherzler
Amateur
Themenersteller
Dabei seit: 11.04.2003
Beiträge: 38
Hallo in die Runde,
für einen Beitrag über Archäologie in Massenmedien werde ich eine Umfrage unter Journalisten und Redakteuren machen. Zum Beispiel möchte ich die Macher von Wissenschaftssendungen und -seiten fragen, welche archäologischen Themen für sie grundsätzlich interessant sind, welche nicht so sehr. Mich interessiert auch, welche Vorbedingungen sie brauchen, um über ein Thema zu berichten (z. B. könnte ein Zeitungsredakteur sagen, er braucht Bilder, die ihm der Archäologe zur Verfügung stellt).

Zweck meines Beitrags ist es, Archäologen eine klare Handhabe zu geben, wie sie am besten mit Journalisten umgehen können, um angemessen in Medien vertreten zu sein. Ich würde mich jetzt sehr über Anregungen von Euch freuen:
Welche Fragen gibt es aus Eurer fachlichen Sicht, die Ihr Journalisten gerne stellen würdet? Was ist Euch bis heute ein Rätsel hinsichtlich der Berichte über Archäologie in Zeitungen?
Ich freue mich auch über Anregungen und eine Diskussion von Euch, was Ihr gerne in so einer "Anleitung" zum Umgang mit Medien geklärt/beantwortet haben würdet.

Danke für Eure Unterstützung!

Diane
Verfasst am: 27. 05. 2005 [20:14]
jana
Experte
Dabei seit: 26.06.2002
Beiträge: 157
HI!

Meiner Meinung nach gibt es viel Wissen über "exotische Kulturen" wie die Inkas oder auch über Ägypten wird gern geschrieben/gedreht, aber die direkte Archäologie innerhalb Deutschlands bleibt den meisten Laien verborgen. Das fördert in gewisser Weise das Bild des Archäologen als Indiana Jones, weil viele denken, ein Archäologie gräbt nur im trockenen sandigen Klima. Dass wir hier in Deutschland auch jede Menge spannender Sachen neben der Scheibe von Nebra oder den Fürstengräbern vom Glauberg oder Hochdorf haben kommt oft zu kurz. Eine Dokumentation über die Neolithisierung wäre doch auch mal spannend.
Wenn es Dokumentationen gibt, dann sind sie meist gespickt mit Halbwahrheiten und Interpretationen, v.a. bei den schriftlosen Kulturen, da stellt sich mir die Frage, ob ein Archäologe des Fachgebietes überhaupt in die Arbeiten einbezogen wird.

Ciao Jana

Werden die Ergebnisse hier erscheinen?
Verfasst am: 30. 05. 2005 [08:58]
dianescherzler
Amateur
Themenersteller
Dabei seit: 11.04.2003
Beiträge: 38
Liebe Jana,
aus meiner eigenen Erfahrung als Journalistin kann ich Dir sagen, dass Wissenschaftler/Archäologen eigentlich regelmäßig involviert sein sollten - sei es als Interviewpartner, sei es als Informanten für ein Hintergrunddetail. Manchmal schreiben Journalisten allerdings auch der knappen Zeit bis zum Redaktionsschluss wegen rasch eine dpa-Meldung um und recherchieren das Thema nicht weiter.

Und die "Halbwahrheiten" - das ist ein guter Hinweis von Dir, dass Du das so empfindest, das ist auch eine häufige Klage. Neben tatsächlichen Fehlern wird von Wissenschaftlern auch oft das als falsch empfunden, was es faktisch nicht ist, sondern wobei es sich um eine notwendige Vereinfachung handelt: Wenn Du dem Journalisten beispielsweise lange etwas vom Übergang Hallstatt A zu B erklärt hast, und er schreibt dann, Dein Fund stamme aus der so genannten Hallstattzeit, empfindest Du das vielleicht als "halbwahr" oder "oberflächlich". Der Journalist muss aber oft so verfahren, damit seine Leser/Zuhörer/Zuschauer interessiert bleiben. Oder wie ginge es Dir, läsest Du einen Beitrag über Standardkerzen, also Sternenfamilien, deren Helligkeit mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt - interessieren Dich da die Supernova-Familien vom Typ 1a? Vermutlich eher in der gut geschriebenen Zusammenfassung.

Ich werde in dem Beitrag also sehr gerne auf die "Fehler" eingehen, die es in Massenmedien gibt. Außerdem darauf, wie man eine Situation möglichst dahin bringt, dass der Journalist den Archäologen kontaktiert, anstatt einfach draufloszuschreiben.

Und ja, ich schreibe auch etwas für Archäologie online. Es gibt also "die Ergebnisse" hier. Liebe Jana, danke für Deine Mühe!

Diane
Verfasst am: 30. 05. 2005 [12:48]
jana
Experte
Dabei seit: 26.06.2002
Beiträge: 157
HI!

Mit "Halbwahrheiten" meine ich eher die Interpretationsansätze, die oft nicht sehr sachlich und eher massenmedienwirksam klingen, so wird fast alles, was außergewöhnlich aussieht als Kult gedeutet. Ich finde, dass man auch mal sagen könnte, dass die Art der Verwendung im Unklaren liegt und es sein könnte, dass es sich um ... handelt.
Auch die Verallgemeinerungen, die aus einem Gegenstand gezogen werden, empfinde ich als Halbwahrheiten, denn ein Fundstück sagt noch lange nichts über die Bandbreite einer frühreren Kultur aus.
Man muss die "Laien" nicht mit übermäßigem Fachgeschwätz verjagen, aber man kann Ihnen auch mal ein bisschen mehr zu trauen.

Ciao Jana
Verfasst am: 30. 05. 2005 [13:54]
dianescherzler
Amateur
Themenersteller
Dabei seit: 11.04.2003
Beiträge: 38
Liebe Jana,
okay, Botschaft ist angekommen. Wenngleich Du ja bestimmt auch weißt, dass es viele, viele Beispiele gibt, wo in Medien akkurat und sorgsam mit archäologischen Themen umgegangen wird. Da müssen wir Archäologen aufpassen, nicht selber zu Vereinfachern zu werden und journalistisches Arbeiten zu verallgemeinern.

Gibt es noch Fragen, die Du oder jemand anders gerne gestellt und beantwortet haben möchte?

Diane
Verfasst am: 30. 05. 2005 [19:34]
jana
Experte
Dabei seit: 26.06.2002
Beiträge: 157
HI!

Ja das auch ordentlich und korrekt gearbeitet wird, ist mir bewusst.
Die Frage: Warum es verhältnismäßig weniger "deutsche" als "exotische" Themen gibt wäre mir, wie schon oben angeklungen sein wird sehr wichtig. Wie werden die Themen ausgewählt und vorbereitend bearbeitet?
Ansonsten an wen man sich wenden kann, wenn man solch eine Zusammenarbeit selbst in Betracht zieht.

Ciao Jana
Verfasst am: 30. 05. 2005 [20:10]
kurti
Koryphäe
Dabei seit: 07.11.2003
Beiträge: 1384
Hallo Diane,

ich glaube nicht, daß das generelle Problem bei Wissenschaftsberichten ein Kommunikationsproblem zwischen Journalisten und Wissenschaftlern ist, sondern die Art und Weise der Aufbereitung und der "Ausschlachtung" eines Themas.
Wenn Du Journalisten fragst, was für Themen sie interessant finden und mit diesen Erkenntnissen dann Archäologen berätst, wie sie ihr Thema am besten einem Journalisten schmackhaft machen, dann kommt als Resultat ein "Meller-Teller" heraus.
Genau das sollte aber tunlichst vermieden werden und wenn ich Jana richtig verstanden habe, dann galt ihre Kritik dem Wissenschaftsbericht als Ergebnis einer unseligen Paarung aus Sensationsjournalismus und wissenschaftlicher Selbstdarstellung.
Objektive, wissenschaftliche Berichterstattung bleibt dabei meistens auf der Strecke.
Ein guter Journalist sollte wissen was für seine Leser bzw. Zuschauer interessant ist und andererseits kennt er dann auch die Quellen wo er berichtenswerte Themen findet.
Ein Wissenschaftler faßt seine Forschungsergebnisse ohnehin schriftlich ab und kann in
Fachjournalen und gegebenenfalls in Büchern veröffentlichen. Hier findet dann der gute
Journalist auch seine Themen und der Wissenschaftler muß sich nicht mit der "Handhabung" von Journalisten beschäftigen, um " ins Fernsehen zu kommen "! Bei aktuellen Sachen, wie der Himmelsscheibe, haben eine Uni bzw. ein Museum ja ihren Pressesprecher, der für die notwendige Aufmerksamkeit der Journalisten sorgt.
Gerade bei Beiträgen über die Frühgeschichte scheint es mir wichtig zu sein, daß man gut
recherchierte Fakten präsentiert und diese von "mehreren" Wissenschaftlern interpretieren läßt.Der interessierte Leser oder Zuschauer kann sich dann selbst ein Bild machen und der einen oder anderen These den Vorrang geben. Selbst in "spielfilmartigen" Beiträgen kann man die verschiedenen Möglichkeiten gut und interessant darstellen.
Aber gerade hier werden meist Vorgänge mit einer Selbstverständlichkeit geschildert, die völlig ausschließt, daß es auch anders gewesen sein könnte.
Wenn Du für Deine Kollegen hier ein paar Kriterien zusammenstellen könntest, dann wäre schon viel erreicht. Jeder Beitrag muß klar hervorheben, was These und was wissenschaftlich gesichertes Faktum ist.
Andererseits muß natürlich jedem wissenschaftlichen Berater das Manuskript bzw.der Mastercut vor der Veröffentlichung zur Korrektur vorgelegt werden. Das geschieht leider nicht immer und "verkürzte" Wiedergaben und die "eigenen" Worte des Journalisten gehen oft, wenn auch ungewollt, an der korrekten, wissenschaftlichen Interpretation vorbei.
Die Frage sollte eigentlich heißen:" Was müssen die Medien ändern?" Denn wie schon gesagt, halte ich es für ungut den Archäologen Tips und Tricks zu präsentieren,wie sie ihre Story am besten an den Mann bzw.Frau bringen. Wer dann am vollmundigsten labern kann, ist dann ständig auf der Mattscheibe präsent, ganz egal wie wissenschaftlich seine Äußerungen sind.


In diesem Sinne, mit freundlichem Gruß
Kurti




Verfasst am: 31. 05. 2005 [12:52]
dianescherzler
Amateur
Themenersteller
Dabei seit: 11.04.2003
Beiträge: 38
Hallo Kurti,
was ist denn bitte ein "Meller-Teller"??

Es dürfte in Deutschland ein paar Handvoll Wissenschaftsjournalisten geben, die die Zeit und die Möglichkeiten haben, Fachzeitschriften und -bücher durchzusehen. Die schauen dann aber "Science" oder "Nature" durch, sicher kein archäologisches Magazin. Journalisten, auch gute Journalisten, beschaffen sich ihre Information in den meisten Fällen anders.

Du verstehst mich hoffentlich richtig: Die Kriterien für "meine Kollegen" sollen Ratschläge für Archäologen sein, wie sie mit Massenmedien umgehen können, nicht umgekehrt.

Dass ein Wissenschaftler das Manuskript vor Abdruck vorgelegt bekommen müsse, war vor Jahren Gegenstand einiger Diskussionen.
Ich rate jedem Wissenschaftler ab, auf einer Korrekturfahne zu bestehen - die meisten Journalisten, die ich kenne, würden umgehend auf den Beitrag verzichten und über etwas anderes schreiben. Die Frage ist doch: wer ist der Autor des Artikels? Der Journalist oder der Wissenschaftler, über den geschrieben wird? Der Journalist, das kann man ja wohl sagen. Und dem darfst Du nicht ins Handwerk pfuschen. Erstmal wäre das eine schlichte Beleidigung, da Du offensichtlich an seiner Kompetenz zweifelst. Zweitens ist es allzuhäufig nicht praktikabel: Wenn z. B. zwischen der Fertigstellung des Textes und der Endabnahme durch den CvD (Chef vom Dienst) 30 Minuten Zeit sind, müsste der Wissenschaftler wartend da sitzen und dann rasch gegenlesen. Alle Korrekturen des Archäologen müssten außerdem binnen der 30 Minuten eingearbeitet sein. Dann kommt der CvD, der die Veranstwortung für sein Blatt hat (bleiben wir mal beim Print); der will dann die Überschrift anders, und so würde dann gedruckt, keine Diskussion.
Du siehst: geht nicht, bringt nur Ärger. Eine Ausnahme sind Deine Zitate, also das, was Du wörtlich gesagt hast. Das muss Dir vorgelegt werden, außer, Dir ist beim Interview klar, dass es wiedergegeben werden soll, und es herrscht großer Zeitdruck.
Was du allerdings kannst, ist anzubieten (!), das Du den Text/den Beitrag auf sachliche Fehler durchschaust. Nicht gekränkt sein, wenn abgelehnt wird, und keinesfalls mehr als die Fakten korrigieren (wenn der Journalist schreibt, dass sich alle Anwohner über die Stadtkerngrabung ärgern, musst Du das leider so stehen lassen).
Dennoch danke für den Hinweis, ich schreib dann darüber, wie man die Wahrscheinlichkeit faktischer Fehler in einem journalistischen Beitrag deutlich senken kann.

Verkürzen muss man, das ist der Basisjob jedes Journalisten. Was würdest denn Du tun, wenn Du als Journalist 60 Zeilen Platz für ein Thema hast? Du kannst als Archäologe aber einiges dafür tun, dass das, was Dir am Herzen liegt, unterkommt. Gehe ich gerne drauf ein.

Die Frage kann nicht primär sein: "Was müssen die Medien ändern?". Ich kenne persönlich beide Seiten, die archäologische und die journalistische, habe u. a. auch hier schon darüber geschrieben ("Die Möglichkeiten nutzen". [font "Helv"][url "http://www.archaeologie-online.de/magazin/fundpunkt/2004/07/medientraining_1.php"]http://www.archaeologie-online.de/magazin/fundpunkt/2004/07/medientraining_1.php[/url][/font][font "Helv"][url "http://www.archaeologie-online.de/magazin/fundpunkt/2004/07/medientraining_3.php"][/url][/font]). Die Medien müssen sicher auch 'ne Menge lernen, gerade auch im Umgang mit Wissenschaftlern. Da läuft vieles schief und falsch, ich bin einer Meinung mit Dir!
Aber Du brauchst sie, und wenn es Dir nur um schnöde Forschungsgelder geht, die ja immer mehr daran geknüpft werden, wie sehr sich ein Forscher auch einem breiten Publikum gegenüber öffnet. Die Medien brauchen Dich als einzelnen Wissenschaftler umgekehrt höchstwahrscheinlich nicht. Irgendein berühmter (deswegen hab ich auch den Namen vergessen) Kommunikationsforscher hat mal gesagt: die Massenmedien verändern zu wollen, ist als versuchte ein Moskito einen Schnellzug zum Stehen zu bringen.

Ich meine, da ist trotzdem 'ne Menge an besserer Zusammenarbeit möglich. Seit Jahrzehnten gibt viele Bemühungen, die heißen dann "Public Understand of Science and Humanities" oder seit neueren von der Europäischen Kommission "Science in Society". Viele Geisteswissenschaften ignorieren das großzügig und verpassen so eine Menge Chancen. Als könnten sie sich das leisten.

Also, das war eine lange Antwort auf ein langes Schreiben von Dir (danke!). Ich hab 'ne Menge notiert und dazugelernt, auch wenn ich oft anderer Meinung bin als Du.

Noch mehr Ideen, mehr Fragen an die Macher von Wissenschaftsbeiträgen?


Diane
Verfasst am: 31. 05. 2005 [13:51]
kurti
Koryphäe
Dabei seit: 07.11.2003
Beiträge: 1384
Hallo Diane,

"kurz vor Redaktionsschluß" schnell noch eine Antwort auf Dein Posting.
Unter "Meller-Teller" versteht man die Himmelsscheibe von Nebra. So benannt, weil Dr. Meller sich um diesen archäologischen Schatz besonders "verdient" gemacht hat.
Der "Meller-Teller" ist ein Paradebeispiel dafür, wie Wissenschaft durch Kommerz unter die
Räder kommt und seien es auch nur die des "Sonnenwagens von Trundholm".
In Deinem Posting schilderst Du ja anschaulich die Realität und dieser ist leider nichts "positives" mehr hinzuzufügen.
Man muß es deshalb begrüßen, wenn "Insider" wie Du sich bemühen etwas zu verbessern.

Mit besten Grüßen
Kurti
p.s.
Ich habe schon verstanden, was Dein Anliegen ist.Meine Befürchtungen habe ich ja klar ausgedrückt. Vielleicht kannst Du ja in Deiner "Anleitung" unterbringen "wie man es nicht
machen soll"!


Verfasst am: 27. 08. 2006 [22:50]
jens-olafwalter
Amateur
Dabei seit: 26.07.2002
Beiträge: 42
Ein Jahr vergangen und keiner postet hier mehr? Na ja. So weit ich die Mediendiskussion im Internet verstanden habe, gibt es im Journalismus den Begriff "Relevanz". Archäologie ist demnach kein Bereich, der für Relevanz steht. Normale Erfahrung bedeutet also: Die Archäologen reissen sich eine Grabungssaison den A... auf, und dann gibt es gnädigerhalber einen Medienbericht in der Lokalpresse. So läuft das. Ich habe das Thema alte Medien durch. Ich interessiere mich für Archäologie, ständig, ich warte nicht mehr auf die alten Medien, ich publiziere, wenn ICH davon ausgehe, es sei wichtig. Das ist Web 2.0. Oder liege ich falsch hier?



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