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Verlegung des sächsischen Landesmuseums für Archäologie


Umfrage
Frage:
Haltet Ihr die Verlegung für den richtigen Schritt?
ja
 
2 von 6 Antworten (33%)
nein
 
4 von 6 Antworten (67%)


Autor Nachricht
Verfasst am: 16. 09. 2012 [12:03]
Tarkan
Routinier
Themenersteller
Dabei seit: 15.09.2012
Beiträge: 82
Hallo,

das sächsische Landesmuseum für Archäologie wird von Dresden (Japanisches Palais) nach Chemnitz in ein ehemaliges Kaufhaus verlegt. Was denkt Ihr dazu?

Mal abgesehen davon das der Umbau des Kaufhauses möglich ist, ist es der richtige Schritt?

Ich denke das Archäologiemuseen ohnehin nicht so stark frequentiert sind, so dass eine zentrale Lage (wie am Elbufer in Dresden) eher noch Leute (die nicht zu denen gehören die ohnehin soetwas besuchen) motiviert das Museeum zu besuchen als ein Standort weit ab sonstiger wichtiger Museen.

Was denkt Ihr?

"Meine Herren: schließen Sie mich bei denen ein, die auszuschließen sind!"
Verfasst am: 16. 09. 2012 [18:14]
Pygmalion
Experte
Dabei seit: 17.03.2010
Beiträge: 339
Die Frage ist ja erstmal...warum verlegen sie es denn überhaupt?

Verfasst am: 16. 09. 2012 [18:18]
astrofratz
Moderator
Dabei seit: 12.07.2010
Beiträge: 701
Erinnert mich an die Verlegung des "Westfälische Landesmuseum für Archäologie" von Münster nach Herne. Wobei Chemnitz wahrscheinlich noch eine Weltmetropole gegen Herne ist.
Da sind eigentlich nur alleine politische Interessen hinter denke ich, da will irgend ein Politiker einfach ein bisschen seine Heimatstadt aufhübschen und schwupps werden Museen verlegt und man wundert sich anschließend, dass die Besucherzahlen einbrechen.
Verfasst am: 16. 09. 2012 [19:47]
Steinmetz
Experte
Dabei seit: 22.08.2012
Beiträge: 175
"astrofratz" schrieb:

...Da sind eigentlich nur alleine politische Interessen hinter denke ich, da will irgend ein Politiker einfach ein bisschen seine Heimatstadt aufhübschen und schwupps werden Museen verlegt und man wundert sich anschließend, dass die Besucherzahlen einbrechen...


Hallo Tarkan,

zu der Standortfrage kann ich persönlich z. Zt. nicht so ganz viel sagen. Aber ging es möglicherweise auch darum, dass da günstig was zu kaufen oder verkaufen (bzw. mieten oder vermieten) war oder ist?

Was sollte denn eigentlich dagegen sprechen, das Museum in der interessanten Stadt Dresden zu belassen? Der Umzug erschließt sich mir nicht wirklich, aber Chemnitz kenne ich nicht vom persönlich dort gewesen sein und in Dresden habe ich nur mal geschnuppert. Das, was ich aber in Dresden gesehen habe, fand ich persönlich bombastisch interessant und sehenswert - also auch touristisch sehr interessant.
Im Vergleich zu "Japanisches Palais" klingt "ehemaliges Kaufhaus" schon mal alles andere als "erotisch" und wirkt recht unsensibel. Hat das ehemalige Kaufhaus denn irgendwelche infrastrukturellen oder baulichen Vorzüge par exellance im Vergleich zum bisherigen dresdner Standort?

[Dieser Beitrag wurde 3mal bearbeitet, zuletzt am 16.09.2012 um 19:52.]
Verfasst am: 16. 09. 2012 [20:44]
Tarkan
Routinier
Themenersteller
Dabei seit: 15.09.2012
Beiträge: 82
Das Kaufhaus Schocken ist ein Gebäude aus der Zwischenkriegszeit und zuletzt in der DDR als Centrum Warenhaus genutzt. Die Schockens waren Juden - insofern wundert es mich noch immer den Staat als Besitzer des Hauses zu sehen. In Westdeutschland firmierten diese Warenhäuser unter "Horten".

Von der Architektur (lange Fensterbänder, niedrige Decken) ist das Gebäude meiner Meinung nach als Museum eher weniger geeignet. Das japanische Palais ist im 18. Jahrhundert gebaut worden um die Porzellansammlung August des Starken präsentieren zu können. Es ist also als höfisches Museum geplant worden. Übrigens: an der Gestaltung des historischen Grünen Gewölbes, die auf ihn zurück geht, sieht man das er Ahnung von soetwas hatte. Die Porzellansammlung ist heute gut im Zwinger untergebracht. Das Museumfür Archäologie ist seit den zwanziger Jahren im japanischen Palais zuhause gewesen.

Chemnitz ist unter den größeren sächsischen Städten die Stadt mit den wenigsten Museen und kulturellen Einrichtungen. Es ist eine ehemalige Industriestadt eben.

Als Argument pro Chemnitz könnte dienen das Chmnitz zentraler in Sachsen liegt als Dresden oder Leipzig.

Eine wirkliche Begründung warum das Museum nach Chemnitz gehen soll wurde bisher nicht gegeben. Das Widersinnige ist: das Landesamt für Archäologie bleibt in Dresden!

"Meine Herren: schließen Sie mich bei denen ein, die auszuschließen sind!"
Verfasst am: 16. 09. 2012 [22:37]
EinsamerSchütze
Amateur
Dabei seit: 24.01.2012
Beiträge: 30
Ich vermute mal, der Hauptgrund für die Verlegung war, dass im Japanischen Palais nicht genug Platz für eine vernünftige Präsentation nach modernen Museumsmaßstäben vorhanden ist. Immerhin sind ja dort noch zwei weitere Museen untergebracht. Ein Standort ganz allein für die Archäologie ist daher schon sinnvoll.

Ob Chemnitz dafür jetzt die richtige Wahl war, weiß ich nicht. Ich war bisher noch nie dort und das betreffende Kaufhaus kenne ich auch nicht aus eigener Anschauung. Ich vertraue einfach mal darauf, dass die zuständigen Personen gute Arbeit leisten und daraus ein schönes, modernes Museum zaubern. Und wenn dadurch ein bisschen mehr Kultur nach Chemnitz kommt, ist das natürlich auch eine gute Sache.

Andererseits bin ich aber ein bisschen skeptisch. Zum einen finde ich es als Dresdner natürlich etwas schade, wenn uns ein Museum einfach so "weggenommen" wird. Zum anderen finde ich es als Archäologe auch etwas fragwürdig, dass die Archäologie in Sachsen damit jetzt dreigeteilt ist: Der Sitz des Landesamtes bleibt ja in Dresden, die einzige Studienmöglichkeit für UFG ist in Leipzig und das Landesmuseum wandert jetzt nach Chemnitz. Das finde ich persönlich etwas umständlich. Da ist mir Sachsen-Anhalt doch etwas lieber, wo alles wunderbar in Halle konzentriert ist.
Verfasst am: 17. 09. 2012 [08:53]
astrofratz
Moderator
Dabei seit: 12.07.2010
Beiträge: 701
Zitat:
Chemnitz ist unter den größeren sächsischen Städten die Stadt mit den wenigsten Museen und kulturellen Einrichtungen. Es ist eine ehemalige Industriestadt eben.


LOL das ist so ziemlich das Gleiche wie mit Herne. Herne war für mich als Kind ein Stadtteil von Gelsenkirchen, nichts weiter. In Herne wollte man nicht tot übern Zaun hängen. Scheint Methode zu haben, das mit den Museumsumzügen. Wenn da mal nicht die ... hinter stehen 07-cool.gif
Verfasst am: 20. 09. 2012 [04:02]
ra7zz
Amateur
Dabei seit: 07.09.2010
Beiträge: 28
Ich kann mir auch nicht vorstellen, warum Karl-Marx-Stadt für dieses Museum prädistiniert sein sollte. Besucher dürfte es in Dresden entschieden mehr geben. Und das ist doch der Sinn von Museen, Leuten etwas nahe zu bringen. Oder irre ich mich da?
Verfasst am: 20. 09. 2012 [12:13]
Irminfried
Experte
Dabei seit: 16.09.2011
Beiträge: 318
Hi zusammen,

die Abstimmung funktionierte nicht, aber nichtsdestotrotz mein Senf dazu...
Also, nach reiflichem Überlegen ist die Entscheidung m.E. die richtige.
Es stimmt, daß das einmalige Ambiente in Dresden nicht zu toppen geht, auch die Aufsplittung der Fachbereiche ist ein Negativfakt.
Aber man muß auch bedenken, in Dresden ist das Museum nur eins unter vielen anderen. Die weitaus meisten Besucher fahren nach DD um die architektonischen Meisterwerke, die Gemälde- und Porzellansammlungen zu bestaunen und auf der Elbe herumzuschippern...
Die Neuaufstellung in Chemnitz (ex- Gorl-Murgs- Stodd) birgt hingegen sowohl für das Museum als auch für die Stadt gewisse Vorteile.
Durch das zwangsläufig in Chemnitz befindliche Naturkundemuseum mit dem versteinerten Wald werden hierhin Leute gezogen, welche sich auch für ältere Sachen interessieren, als die "moderne Goldfoliengeschichte", die Dresden repräsentiert. Diese werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch das AM frequentieren, wie auch der Besucher"strom" in der anderen Richtung laufen wird.
Chemnitz erhofft sich dadurch natürlich auch einen Besucherzuwachs.
Für die Museumsbestände kann solch ein Umzug auch gut von Vorteil sein, da mit einer Neukonzipierung der Ausstellung oftmals eine tiefgreifende Prüfung der Bestände einhergeht, was wiederum erfahrungsgemäß zu einigen interessanten "Überraschungsfunden" führen kann.
Der Neuaufbau einer Sammlung nach modernem Maßstab (natürlich kein Disney-Pro7-Kram) kann auch wieder jüngere Leuts in die Museen bringen....

Also warten wir´s ab, wie sich die Geschichte entwickelt.

Gruß
Irminfried


Thüringen in den Grenzen von 530! 05-icon_wink.gif
Verfasst am: 21. 09. 2012 [10:03]
Eres
Novize
Dabei seit: 21.09.2012
Beiträge: 1
Hallo zusammen.
Auch das Landesamt wird im Rahmen des goßen Behörden-Monopolys bis 2020, als letzte im Bunde, nach Chemnitz umziehen. Siehe:

Mit dem Archäologischen Landesmuseum in Chemnitz will man sich an prominenter Adresse groß repräsentieren und hofft damit, unter anderem, dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle etwas entgegensetzen zu können. Das Ausstellungskonzept und der Vorentwurf können hier abgerufen werden:

Gruß, Eres.



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