22.05.2012 - 05:31:03
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Haarmann?


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Verfasst am: 14. 05. 2012 [22:10]
ARFINDA1
Experte
Dabei seit: 18.09.2010
Beiträge: 298
"Nileule" schrieb:

Hier landen wir wieder auf dem weiten Feld der Hypothese - und wir können uns wegen mangelnder Funde und Schriften nur mithilfe von Indizien dort heraushelfen.

Deshalb glaube ich, dass es niemals und zu keinem Zeitpunkt irgendwo etwas wie ein "Paradies" gegeben hat - oder auch nur gegeben haben könnte.
Wir haben eben nur ein Heer von entsprechend psychisch wie emotional konditionierten Zeitgenossen, die solches unbedingt und beinahe zwanghaft in bestimmte Fund- und Faktenlagen hineininterpretieren woll(t)en.

Beispiel Maya:
Noch vor wenigen Jahrzehnten galt als ausgemacht, dass wir es hier mit einer nahezu pazifistischen Kultur zu tun haben, die kaum etwas so vehement und rigoros abgelehnt hatte wie Krieg. Als man dann plötzlich Tempelinschriften unzweifelhaft blutigen Inhalts fand und nicht sein konnte, was nicht sein durfte, arbeiteten die Notoriker sogar mit Fälschung und Lüge, um die Befundung entweder zu ignorieren oder die Finder Lügen zu strafen.

Die nackte wie reine Wahrscheinlichkeit, flankiert von Funden auf der ganzen Welt, sollten doch eine klare Sprache sprechen:
Der gesamte Norden wird durch Skelettbefundung im Grunde für seine gesamte Frühgeschichte als notorische Mangelwirtschaft bezeichnet, die trotz aller Mühen und Arbeit immer und immer wieder von furchtbaren Katastrophen heimgesucht und schwer dezimiert wurde. Rachitische Knochenveränderungen findet man zuhauf, vergleichsweise schlechte oder gar keine medizinische Versorgung ebenfalls.
Die Menschen rangen Äckern, Wäldern und Flüssen kaum genug zum schieren Überleben ab.
Wanderungen - und damit Einbrüche in fremde Territorien waren an der Tagesordnung; die berühmten Volkswanderungen fanden über viele Jahrhunderte statt und dürften kaum den Charakter eines Sonntagsnachmittagsspazierganges gehabt haben, sondern aufs nackte Überleben ausgerichtet gewesen sein.

Wer jedoch unfreiwillig "Gäste" auf seinem Gebiet hatte, dürfte sich darüber kaum gefreut haben...... detective.gif

Noch nicht einmal im Süden, wenn man das mal generalisieren will, war mit großer Entspannung zu rechnen. Mit der großen Ausnahme Ägypten raffte der Hunger trotzdem in kurzen Abständen ganze Landstriche hin und führte selbst Hochkulturen an den Rand der Vernichtung.
Und das, obschon es immerhin genau diese Region gewesen ist, die den Übergang vom Süßgras zum Emmer und von dort zum Weizen moderiert und raffinierte Düng- und Bewässerungstechniken entwickelt hatte, was die Erträge des gleichen Bodens um ein jeweils Vielfaches steigerte.

Keine einzige Kultur auf der Welt hat sich über einen langen Zeitraum von Kriegen freimachen können oder auch nur die eigene Versorgungssituation in eine hundertprozentig zuverlässige Stabilität gebracht.

Noch nicht einmal die kürzlich erst vollständig entdeckte "Terra-Preta"-Technik bewahrte Lateinamerika vor Kriegen. Eher im Gegenteil; sie scheinen durch die überbordende Fruchtbarkeit der Böden sogar noch angeheizt worden zu sein (habe ich den Eindruck).

Hallo Nileule,
mit Ihrem Nickname treffen Sie den Nagel auf den Kopf.
So ein Strom wie das Nil gibt es an vielen Orten mit den gleichen Eigenschaften. Die Fruchtbare leichte Humusschicht wird aus dem Flussumfeld bei Regen eingespült und durch den schnellen Abfluss bis zum breiter werdenden Delta mitgeschwemmt und durch die Verlangsamung abgelagert. Das was oberhalb der Flüsse an fruchtbaren Erde fehlt ist in Delten mehr als genug vorhanden und führt zu Paradiesischen Zuständen. Ich persönlich kenne diesen Zustand vom Ufer der Saar, deren Böden durch Jahrtausenden durch Hochwasser mit Schlammablagerung sehr fruchtbar und zudem mit geringem Anteil an Sand einen lockeren Konsistenz bekommen hatte.

Wenn, wie in alten Literaturen geschrieben wurde, vier Flüsse ins Paradies führen, sind es die zufuhr von der Vierfachen an Nährstoffen, das mehr ist, als Pflanzen zum Wachstum brauchen.
Es ist daher kein Zufall, das die meisten Hochkulturen an Flüssen oder Seen lagen.
Wie wir auch wissen, sind solche Orten auch von Katastrophen schneller betroffen.
Es sind nicht Kriege, die Hochkulturen einfach vernichten.
Wenn das Wasser sich zurückgezogen und das Schlamm über den Siedlungen abgelagert wurde wird wieder auf der gleichen Stelle gesiedelt.

MfG
ARFINDA1
Verfasst am: 18. 05. 2012 [13:00]
Nileule
Amateur
Dabei seit: 20.04.2012
Beiträge: 34
"tkerwel" schrieb:

war die technik nicht in amazonien verbreitet? mir ist jedenfalls nichts in lateinamerika davon bekannt. oder sprechen wir hier von unterschiedlichen begriffen, der schwarzen erde?


***Schluck*** jetzt hab ich den Salat. 15-unsure.gif
Und gesundes Halbwissen in eine Diskussion eingebracht, ohne es tiefer aus eigenem Vermögen begleiten zu können.

Zu Deiner Frage: Jein. 04-icon_cheesygrin.gif

Richtig ist, dass z.B. Azteken im Rahmen ihrer intensiven Anbauwirtschaft zwar durchaus Dünger anwandten - aber eben keine "Terra Preta", die kam in der Tat (wie ich recherchierte) nur in Amazonien vor.
Aber, wie Wikepedia informiert und meine Argumentationsführung im Nachhinein dennoch adelt, führten auch die "Terra-Preta-Völker" wie z.B. die Tupi durchaus gewohnheitsmäßig Kriege - als Kopfjäger und Kannibalen sogar häufig und brutal.

Wir dürften uns darüber einig sein, dass von den Maya bis hin zu den Azteken eine komplexere Landwirtschaftstechnik eingesetzt wurde. Doch konnte sie eine Auslaugung, Erosion und somit Unproduktivität auf Dauer nicht verhindern; einigen Generationen mit hohem Wohlstand folgte die nackte Not.
Wir finden überall auf der Welt -trotz aller Wunschträumerei!- immer wieder und in allen Epochen (streckenweise extrem grauenvolle) Kriege - bisher hat seit den Sauriern kein einziger Mensch jemals in einem "Paradies" gelebt, so wie wir es uns heute vorstellen.

Somit sind alle Bemühungen von vornherein unsinnig, ein solches Paradies finden zu wollen.




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