Hier landen wir wieder auf dem weiten Feld der Hypothese - und wir können uns wegen mangelnder Funde und Schriften nur mithilfe von Indizien dort heraushelfen.
Deshalb glaube ich, dass es niemals und zu keinem Zeitpunkt irgendwo etwas wie ein "Paradies" gegeben hat - oder auch nur gegeben haben könnte.
Wir haben eben nur ein Heer von entsprechend psychisch wie emotional konditionierten Zeitgenossen, die solches unbedingt und beinahe zwanghaft in bestimmte Fund- und Faktenlagen hineininterpretieren woll(t)en.
Beispiel Maya:
Noch vor wenigen Jahrzehnten galt als ausgemacht, dass wir es hier mit einer nahezu pazifistischen Kultur zu tun haben, die kaum etwas so vehement und rigoros abgelehnt hatte wie Krieg. Als man dann plötzlich Tempelinschriften unzweifelhaft blutigen Inhalts fand und nicht sein konnte, was nicht sein durfte, arbeiteten die Notoriker sogar mit Fälschung und Lüge, um die Befundung entweder zu ignorieren oder die Finder Lügen zu strafen.
Die nackte wie reine Wahrscheinlichkeit, flankiert von Funden auf der ganzen Welt, sollten doch eine klare Sprache sprechen:
Der gesamte Norden wird durch Skelettbefundung im Grunde für seine gesamte Frühgeschichte als notorische Mangelwirtschaft bezeichnet, die trotz aller Mühen und Arbeit immer und immer wieder von furchtbaren Katastrophen heimgesucht und schwer dezimiert wurde. Rachitische Knochenveränderungen findet man zuhauf, vergleichsweise schlechte oder gar keine medizinische Versorgung ebenfalls.
Die Menschen rangen Äckern, Wäldern und Flüssen kaum genug zum schieren Überleben ab.
Wanderungen - und damit Einbrüche in fremde Territorien waren an der Tagesordnung; die berühmten Volkswanderungen fanden über viele Jahrhunderte statt und dürften kaum den Charakter eines Sonntagsnachmittagsspazierganges gehabt haben, sondern aufs nackte Überleben ausgerichtet gewesen sein.
Wer jedoch unfreiwillig "Gäste" auf seinem Gebiet hatte, dürfte sich darüber kaum gefreut haben......
Noch nicht einmal im Süden, wenn man das mal generalisieren will, war mit großer Entspannung zu rechnen. Mit der großen Ausnahme Ägypten raffte der Hunger trotzdem in kurzen Abständen ganze Landstriche hin und führte selbst Hochkulturen an den Rand der Vernichtung.
Und das, obschon es immerhin genau diese Region gewesen ist, die den Übergang vom Süßgras zum Emmer und von dort zum Weizen moderiert und raffinierte Düng- und Bewässerungstechniken entwickelt hatte, was die Erträge des gleichen Bodens um ein jeweils Vielfaches steigerte.
Keine einzige Kultur auf der Welt hat sich über einen langen Zeitraum von Kriegen freimachen können oder auch nur die eigene Versorgungssituation in eine hundertprozentig zuverlässige Stabilität gebracht.
Noch nicht einmal die kürzlich erst vollständig entdeckte "Terra-Preta"-Technik bewahrte Lateinamerika vor Kriegen. Eher im Gegenteil; sie scheinen durch die überbordende Fruchtbarkeit der Böden sogar noch angeheizt worden zu sein (habe ich den Eindruck).