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Jaeger Sammler und Göbekli Tepe
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Verfasst am: 18. 09. 2011 [18:04]
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estersandro
Beginner
Themenersteller
Dabei seit: 08.01.2011
Beiträge: 8
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Bis jetzt habe ich immer angenommen das die Sammler-Jaeger (vor der Neolitische Revolution), waren verteilt in Banden; diese Banden waren selbsgenuegend weil es gab keine Politische Struktur weder Religion. Also ueberhaupt keinerlei Organisation. Es war nicht notwendig. Laut John Zerzan war diese Zeit die beste Zeit der Menschheit. Wie kann es moeglich sein das unter solche Bedingungen Göbekli Tepe entstand? Gibt es andere Erklaerungen? Sind es wirklich die Sammler Jaeger die Bauer von diese Anlagen? Moechte gerne Ihre Meinung hoeren. Danke |
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Verfasst am: 19. 09. 2011 [01:30]
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Carnyx
Routinier
Dabei seit: 26.06.2010
Beiträge: 88
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1. Ich würde nicht darauf achten, was Philosophen dazu zu sagen haben. Zerzan kann gerne als Wildbeuter leben, wenn er sich ohne Arbeitsteilung und "Entfremdung" glücklicher fühlt, das sei ihm unbenommen. Letztlich vertritt er nur eine Variation eines alten Themas: Das Individuum VOR dem contrat social. Locke meinte, in diesem "Naturzustand" sei der Mensch des Menschen Wolf gewesen, Rousseau ist der Begründer der romantisch verklärten Sicht dieses Zustands, der natürlich ein rein hypothetisches Konstrukt ist. Nimm Rousseau, mische ein bißchen Foucault dazu plus eine Prise Anarchismus, dann ergibt das Zerzan. Mit Wissenschaft hat das überhaupt nichts zu tun, das ist einfach nur Philosophie. Wissenschaftler versuchen zu erkennen und zu beschreiben, wie die Welt ist (oder war, bezogen auf Archäologen). Philosophen beschäftigen sich damit, was "gutes" Handeln ist, wie ein Gemeinwesen aufgebaut sein sollte, was jenseits der empirischen Welt liegt (Metaphysik, Transzentalphilosophie), was wir überhaupt wissen können und wie sicher dieses Wissen ist, und dergleichen mehr. Sie wühlen aber nicht im Boden, dokumentieren keine Befunde, erstellen keine Typentafeln und datieren keine Proben. Wenn Philosophen sagen, Wildbeuter hätten weder politische Strukturen noch Religionen gekannt, dann behaupten sie das auf der Grundlage von Prämissen, die für empirische Wissenschaftler völlig irrelevant sind. 2. Göbekli Tepe ist in der Tat erstaunlich. Ich weiß auch nicht so recht, was ich dazu sagen soll. Normalerweise sag ich dazu gar nichts, sondern verweise auf die kommenden Jahre und Jahrzehnte, die vermutlich Aufschluß bringen werden - denn bis jetzt ist ja nur der kleinste Teil dieser Monumentalanlage erforscht. Im Moment denke ich folgendes (aber meine Meinung kann sich unter dem Eindruck neuer Informationen rasch ändern): Die Menschen, die Göbekli Tepe bauten, müssen reichlich Ressourcen zur Verfügung gehabt haben. Jedenfalls so viele, daß sie es sich leisten konnten, seßhaft zu werden, in verhältnismäßig großer Zahl auf verhältnismäßig engem Raum zu leben, und, als Konsequenz davon, verhältnismäßig komplexe Sozialstrukturen auszubilden. Sie müssen dazu nicht zwingend Getreide kultiviert oder Tiere domestiziert haben. Es ist möglich, daß damals so viele jagdbare Tiere und eßbare Pflanzen zur Verfügung standen, daß das nicht nötig war. - Allerdings ist Fakt, daß ungefähr zu dieser Zeit, wohl etwas später, die Gegend um Göbekli Tepe eine der Keimzellen der Neolithisierung wurde, und ich vermute, man wird in den nächsten Jahren Hinweise darauf finden, daß die Erbauer von Göbekli Tepe zwar noch nicht über das neolithische Gesamtpaket verfügten, aber einzelne Pflanzensorten und/oder Tierarten schon kultiviert, bzw. domestiziert hatten. Das Natufien der Levante zeigt ja eigentlich ein ähnliches Bild: Von einer "neolithischen Revolution" kann da keine Rede sein, eher von einem schleichenden Übergang. Und die spätmesolithische Ertebölle-Kultur zeigt, daß beispielsweise Keramik auch "Nicht-Neolithikern" von Nutzen sein konnte - hier wurde die Seßhaftigkeit ermöglicht durch reichliche marine Ressourcen. Ich sehe den Übergang vom Mesolithikum / Epipaläolithikum zum Neolithikum ungefähr so, wie den vom Mittelalter zur Neuzeit: Zunächst nicht besonders spektakulär, erst recht nicht revolutionär, und nur im Rückblick als Zäsur zu erkennen, aus der heraus sich neue Möglichkeiten ergeben sollten. |
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Verfasst am: 19. 09. 2011 [18:13]
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estersandro
Beginner
Themenersteller
Dabei seit: 08.01.2011
Beiträge: 8
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Danke fuer die "reiche" Antwort. Ueberzeugend! Gibt es Autoren / Buecher zu empfehlen? |
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Verfasst am: 26. 09. 2011 [10:19]
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duse
Beginner
Dabei seit: 26.09.2011
Beiträge: 7
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Hallo! In einer der letzten Ausgaben der NG war ein sehr interessanter Hauptartikel über Göbekli Tepe. Auf der deutschen Website fand ich leider nur eine Fotostrecke, aber auf der amerikanischen gibts den Artikel in englisch. Hier ist der Link: http://ngm.nationalgeographic.com/2011/06/gobekli-tepe/mann-text Wirklich sehr interessant. Die Hauptfrage ob Religion aus der Sesshaftigkeit entstand oder andersrum. Also die Seshaftigkeit aus der Religion. Hoffentlich findest du in dem Artikel noch ein paar Infos MfG Duse |
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Verfasst am: 26. 09. 2011 [22:37]
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kurti
Koryphäe
Dabei seit: 07.11.2003
Beiträge: 1241
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In diesem Zusammenhang ermöglicht die "Poverty Point Cultur" in Nordamerika mit ihren beachtlichen "Erdwerken" einige Rückschlüsse warum "Jäger u.Sammler" seßhaft (?) wurden und sich zwangsweise (!?) organisierten bzw. arrangierten. Der Zeitunterschied zu Göbekli Tepe spielt dabei keine Rolle, denn beide Kulturen stehen als Jäger und Sammler vor dem Übergang zur Ackerbaukultur. http://de.wikipedia.org/wiki/Archaische_Periode_(Amerika)#Kulturen http://de.wikipedia.org/wiki/Poverty_Point Was Zerzan`s Philosophiererei anbelangt, so hat der gute Mann wohl vergessen, dass er vom "Homo sapiens" ( einsichtsfähiger/weiser Mensch) spricht. Gruß Kurti [Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 26.09.2011 um 22:40.] |
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