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Buch: »Atlantis? Ein Indizienbeweis«


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Verfasst am: 02. 10. 2008 [17:28]
antimon
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Hallo,

ich möchte hier auf die Buchneuerscheinung "Atlantis? Ein Indizienbeweis" hinweisen. Ein Auszug aus dem Buch kann unter [url "http://www.antimon-verlag.de/atlantis"]www.antimon-verlag.de/atlantis[/url] eingesehen werden.

Ich denke ich kann hiermit stark zur Entmystifizierung der Atlantisthematik beitragen. Mein Ergebnis ist dass Platon in der Mehrheit seiner Aussagen (zur Lage und Dimension der Insel Atlantis als auch zur Lage, Dimension und Geomorphologie der Hauptstadt) Recht hat. Tatsächlich ist das Gebiet der Hauptstadt/Ringstruktur großflächig (über 20 qkm !) besiedelt gewesen (mindestens seit dem Neolithikum). Leider sind alle dort vorhandenen Gebäudefragmente einer starken Zerstörung u.a. durch dort ansässige Baufirmen ausgesetzt, da von diesen tagtäglich Steinplatten auf LKWs verladen und abtransportieren werden.

Dieser Zerstörung muss Einhalt geboten werden. Es wäre daher dringend zu wünschen, dass das Gebiet schnellstmöglich vom marokkanischen Staat zu einem Nationalpark erklärt wird. Vorbild hierfür könnte der Souss-Massa-Nationalpark im Süden von Agadir sein, der dem Naturschutz dient. Ebenfalls scheint es sinnvoll, das Gelände und die archäologischen Objekte in die Rote Liste des gefährdeten Welterbes der UNESCO aufzunehmen. Vorbild hierfür wäre z.B. das UNESCO Biosphären Reservat der Souss-Massa Ebene, das seit 1998 zum Schutz des Arganbaumes besteht. Glücklicherweise ist Marokko ein weltoffener Staat der ein großes Interesse an seiner Geschichte besitzt.

Eine Dokumentation der in der Hauptstadt befindlichen archäologischen Objekte sowie deren Zerstörung ist in Arbeit. Das Institut National des Sciences de l'Archéologie et du Patrimoine sowie das Deutsche Archäologische Institut sind informiert.

Viele Grüße
Michael Hübner


Circumstantial Evidence for Plato's Atlantis in South Morocco - A Hierarchical Constraint Satisfaction Approach: http://asalas.org
Verfasst am: 03. 10. 2008 [18:20]
kurti
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Aus dem Klappentext:

........Dieses Buch versucht >erstmalig< in Form eines >Indizienbeweises< zu zeigen, dass Atlantis tatsächlich keine Erfindung Platons ist.................
Ende

Das kommt mir irgendwie bekannt vor !? Kann es sein, daß ich das schon mal woanders gelesen habe? 07-cool.gif

Gruß
Kurti
Verfasst am: 13. 12. 2008 [16:30]
antimon
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Hallo Kurti,

kann sein, dass Du das irgendwo schonmal gelesen hast. Es ist sicherlich nicht das erste mal, das jemand versucht einen Indizienbeweis zu führen (solange man keine antikes Stadteingang-Schild findet, auf dem Atlantis steht bleibt einem ja auch nichts anderes übrig). Ich sage allerdings, dass mir der Indizienbeweis auch gelungen ist. Ich habe hierfür "das Pferd richtig rum gesattelt", soll heißen, ich habe eine in der Informatik häufig angewendete Methode (Top-Down-Approach) benutzt um Atlantis zu finden. Die meisten Hypothesen (Troja, Santorini, etc.) gehen von einem Ort aus, von dem irgend jemand sagt "oh, es liegt am Meer und es gibt einen Berg, ergo: es ist Atlantis", alle anderen Indizien fallen dann aber unter den Tisch oder werden highhanded uminterpretiert. Ich gehe die Sache anders herum an, indem ich initial global nach der Region suche. auf die alle von Plato genannten globalen Indizien zutreffen. Diese Region untersuche ich dann hinsichtlich der regionalen und anschließend der lokalen Indizien.

Diese Methode führt zu der sogenannten Souss-Massa Ebene in Südmarokko, südlich des Hohen Atlas, die von Amazigh (Berbern) wegen ihrer isolierten Lage tatsächlich auch heute noch "Insel" genannt wird. Die Metapher Insel wurde für dieses Gebiet sehr wahrscheinlich von Händlern geprägt und schon in der Antike (von Phöniziern, Ägyptern oder Libyer allgemein) verwendet. Auch alle anderen von Plato genannten Indizien treffen zu (!) oder es gibt zumindest logisch leicht nachvollziehbare Erklärungen was Platon damit meinte. Insbesondere gibt es dort eine kreisförmige geomorphologische Struktur, welche in Ausmaßen (d = 27 Stadien) und Lage (Enternung zum Meer = 50 Stadien) fast exakt mit Platons Angaben übereinstimmt und zusätzlich übersät ist mit antiken Ruinen (über 20 qkm, in etwa 10 mal mehr als Pompeji).

Darüber hinaus ergeben sich sehr interessante Erkenntisse über bisher unbekannte Sachverhalte (z.B.: Die Goldenen Äpfel der Hesperieden*) passen in ihrer Beschreibung auf den in der Souss-Massa Ebene endemischen Arganbaum Argania Spinosa, auch für den Drachen Ladon, welcher den Garten bewacht, gibt es eine verblüffend einfache und einleuchtende Erklärung, oder auch warum der Atlas bei den Griechen Träger heißt...etc. etc.)

Das schöne ist: Atlantis muss nicht nach Amerika, Antarktis, ins Mittelmeer oder sonst wohin verschoben werden. Es liegt genau dort, wo Plato sagt das es ist: Am Atlantik, hinter den Säulen des Herakles beim (Gebirge) Atlas!

Das Buch ist jetzt auch bestellbar (funktionierte eine zeitlang nicht): [url "http://www.amazon.de/gp/product/3981215001/ref=olp_product_details?ie=UTF8&me=&seller="]http://www.amazon.de/gp/product/3981215001/ref=olp_product_details?ie=UTF8&me=&seller=[/url]

Viele Grüße
Michael

*) in der Herakles-Mythologie die Töchter von Atlas


Circumstantial Evidence for Plato's Atlantis in South Morocco - A Hierarchical Constraint Satisfaction Approach: http://asalas.org
Dateianhang

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Verfasst am: 21. 02. 2009 [06:27]
antimon
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Zu der Theorie gibt es jetzt auch eine Site: [url "http://www.asalas.org"]http://www.asalas.org[/url]

Die Seite befindet sich nch im Aufau und wird stückweise komplettiert sobald ich Zeit habe. Die Paper sind zurzeit nicht öffentlich.

Ich denke Afrika war möglicherweise nicht nur die Wiege der Menschheit (anthropologisch), sondern auch die Wiege der Zivilisation (kulturgeschichtlich). Hierfür gibt es immer mehr Indizien (ein paar davon sind z.B. in diesem [url "http://www.mysteria3000.de/forum/viewtopic.php?t=1074"]Threat[/url] zusammengefasst). Eines dieser Indizien ist auch Platos Bericht über Atlantis, das meiner Meinung nach im heutigen Südmarokko in der sogenannten Souss-Massa Ebene lag.

Platos Bericht über Atlantis ist ein flüchtiger (und eventuell glorifizierter) Einblick in diese vorgeschichtliche Welt Nordafrikas. Ein (oder wahrscheinlich das) Zentrum dieser Welt lag geschützt vor Nordwind südlich des Hohen Atlas direkt am Atlantik. Dieses Gebiet, die sogenannte Souss-Massa Ebene ist vermutlich seit mindestens 5.000 Jahren Kulturraum der Amazigh. Die Amazigh besitzen im Ursprung eine matriarchale und matrilineare Kultur (ähnlich anderer inzwischen verschwundener Kulturen aus dem westlichen Mittelmeer z.B. Malta) und besitzen ein mindestens 2.000 Jahre altes (Stand der Wissenschaft) Alphabeth.

Die Souss-Massa Ebene war zur Grünen Sahara Zeit aller Wahrscheinlichkeit nach ein hochfertile 'Oase' welche durch Schneeschmelze im Hohen Atlas ganzjährig bewässert wurde. Insgesamt bot dieses Gebiet ähnliche günstige Voraussetzungen für eine Hochkultur wie das Nildelta für die ägyptische Kultur (hinsichtlich Klima, Meer, Bewässerung, etc). Meiner Meinung nach kann die in der Souss Massa Ebene ehemals ansässige Kultur als ein Art Anti-Ägypten verstanden werden, die zu gleicher (oder sogar früherer) Zeit entstanden ist wie die ägyptische Kultur. Das erstaunliche ist, dass diese Ebene und die angrenzenden Täler von den Amazigh auch heute noch 'Insel' genannt wird. Und was passt besser auf die von Platon gegebenen antithetischen Indizien Insel und kontinentale Ausmaße als ein Gebiet, das Teil eines Kontinents ist und Insel genannt wird?

Warum dieses Gebiet 'untergegangen' ist kann mehrere Ursachen haben. Eine Hypothese von mir, ein oder mehrere Megatsunamis, die auf die afrikanisch Küste trafen, wird durch das Paper von [url "http://www.google.de/search?q=Ward%26Day"]Ward&Day[/url] "Potential collapse and tsunami at La Palma", das ein zukünftiges Katastrophenszenario beschreibt, unterstützt.

Ein weiteres entscheidendes Indiz sind natürlich weitläufige prähistorische Siedlungsspuren (auf einem Gebiet von über 20qkm) innerhalb einer kreisförmigen geomorphologischen Struktur, die in ihren Ausmaßen 25 ägyptischen Stadien (27 Stadien bei Plato) und der Entfernung zum Meer von ~56 ägyptischen Stadien (50 bei Plato) fast der Beschreibung von Plato entspricht. Für die fehlenden kreisförmigen Kanäle gibt es eine nachvollziehbare Exegese: drei Kanäle (genaugenommen Oueds) die aus der Struktur herausführen.

Leider scheint sich der marokkanische Staat nicht bewußt zu sein welchen Schatz er im Lande hat, denn dieses einmalige archäologische Stätte unterliegt einer massiven Zerstörung durch lokale Baufirmen, die tagtäglich Steine der dort vorhandenen (vermutlich teilweise neolithischen) Ruinen abtransportieren um die touristische Boomstadt (Neu-) Agadir aufzubauen. Mann möge sich mal vorstellen Stone Henge würde als Steinbruch genutzt! Andere Länder kümmern sich um ihre archäologischen Schätze (oder streiten sogar darum das echte Atlantis im Lande zu haben). Marokko kümmert sich nicht darum, obwohl es nicht zuletzt auch touristisch ein Milliardenmarkt wäre. Ich hoffe dieses wird sich möglichst bald ändern.



Platoni credemus
Michael Hübner


Circumstantial Evidence for Plato's Atlantis in South Morocco - A Hierarchical Constraint Satisfaction Approach: http://asalas.org
Verfasst am: 29. 03. 2009 [18:01]
hns
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Ich habe mir das kreisförmige Gebiet auf Google Earth angeschaut und in 3D-Perspektive ist das wirklich beeindruckend. Und - mit aller Vorsicht zur "Luftbildarchäologie" per Google Earth - erkennt man eine größere Zahl von Bodenstrukturen die aufgelassene Gebäude sein könnten. Mehrere davon könnten dem Eindruck nach aber auch moderne "Ferienhotels" oder "Luxusvillen" gewesen sein die erst im letzten Jahrhundert entstanden - und wieder verfallen sind. Oder doch der Tempel des Poseidon?

Antwort auf:

Warum dieses Gebiet 'untergegangen' ist kann mehrere Ursachen haben.

Vielleicht auch de.wikipedia.org/wiki/Agadir

Zitat:
Am Abend des 29. Februar 1960 wurde die Stadt durch ein Erdbeben mit einer Stärke von 5,7 auf der Richterskala verwüstet, wobei rund 10.000 bis 15.000 Menschen ums Leben kamen.


Hat sich das Deutsche Archäologische Institut schon geäußert?

Nikolaus
Verfasst am: 29. 03. 2009 [21:14]
antimon
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Hallo Nikolaus,

ja, Agadir und die Struktur liegen ziemlich exakt auf der so genannten Southern Atlasic Fault (s. Attachement). Dieses kann natürlich auch der Grund für einen möglichen Untergang sein (Erdbeben+Tsunami). Anbei auch ein 3d-Bild der Struktur mit Ortsmarken von Ruinen (in erster Linie) und anderen Objekten. Dieses gibt einen vagen Eindruck wie großflächig die einstmalige Besiedlung war. Unsere Expedition hat gezeigt, dass fast alle Ruinen "alt" sind, da alle Steinwerkzeuge innerhalb solcher Ruinen gefunden wurden (wie alt genau kann nur durch umfangreiche archäologische Untersuchungen festgestellt werden, insbesondere auch was evtl. noch ältere Schichten anbelangt).

Das Deutsche Archäolgische Institut hat leider noch nicht reagiert (im November letzten Jahres sagte man mir man werde jemanden vom Goethe Institut aus Tiznit vorbeischicken, im Januar diesen Jahres sagte man mir, dass es die ganze Zeit geregnet hätte und deswegen noch niemand dort war!?). Derjenige, der mir dieses sagte, hatte auch die Scherben des Depotfundes auf 4.000 BC geschätzt. Ich befürchte das hier die Mühlen der Bürokratie noch nicht mal angefangen haben sich zu drehen.

Ich bin gerade dabei einen Brief an die UNESCO zu verfassen (Rote Liste des Weltkulturerbes). Ich hoffe, dass hierdurch wenigstens eine initiale Sondierung des Gebietes ermöglicht wird.

Viele Grüße
Michael


Circumstantial Evidence for Plato's Atlantis in South Morocco - A Hierarchical Constraint Satisfaction Approach: http://asalas.org
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Verfasst am: 09. 04. 2009 [20:51]
antimon
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Für alle die es interessiert, hier der Link zu den Vollversionen der Papers:

www.asalas.org/doku.php?id=papers:fullversions

Viele Grüße
Michael


Circumstantial Evidence for Plato's Atlantis in South Morocco - A Hierarchical Constraint Satisfaction Approach: http://asalas.org
Verfasst am: 16. 06. 2009 [16:23]
hns
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Hallo Michael und alle Leser,

ich habe mir mal Dein Buch besorgt uns fleissig gelesen. Als Vergleich und Ergänzung der Thematik habe ich auch noch "Platons Insel Atlantis" von Ulrich Hofmann studiert.


Zunächst fällt auf dass Ihr beide auf einer sehr ähnlichen Spur seid. Die Kernpunkte scheinen mir:

a) Atlantis ist keine Erfindung Platons sondern eine Überlieferung eines Ägyptischen Textes im Neith-Tempel in Sais
b) den Begriff "Insel" darf man nicht allzu wörtlich nehmen (d.h. im Sinne von "komplett mit Wasser umgebenes Land" sondern eher als "das Eingegrenzte" - vgl. "Wüsteninsel"05-icon_wink.gif
c) Das Gebirge ist der Atlas in Nordafrika
d) die Nachfahren der Atlanter sind die heutigen Berber
e) bei den Berbern heisst das Atlas-Gebiet "Insel" (Algerien = Insel des Westens)

Insbesondere die Ausführungen von Hofmann, dass Platon überhaupt keinen erkennbaren Grund hatte eine solche ungewöhnlich detaillreiche Geschichte zu erfinden und dann auch noch dem berühmten Solon in den Mund zu legen, sind überzeugend. Kritias wirft sie mehr oder weniger als Diskussionsvorlage in die Runde. Und ausserdem gibt es Berichte dass schon alte Griechen in Sais nachgeforscht haben und die Stele gefunden haben wollen, wo die Atlantergeschichte niedergeschrieben war.

Im Detail gibt es aber gravierende Unterschiede zwischen beiden Analysen.


"Platons Insel Atlantis" geht von folgender Situation aus:

1. nach der letzten Eiszeit entstand in Nordafrika eine frühe Hochkultur, die in und rund um die Sahara Felszeichnungen von Elefanten, Giraffen, aber auch Pferden, Pferdewagen und Schiffen hinterlassen hat
2. diese wanderten ab ca. 3000 bis 2500 v. Chr. nach Osten und gründeten am Nil das alte Ägypten
3. diese fingen allmählich an sich nach Westen abzugrenzen und ihre Vorfahren zu bekämpfen
4. um 1250 v.Chr. war die Sahara schon deutlich trockener geworden so dass die dortige Hochkultur Kriege im Osten führte, also Griechenland (Mykene usw.) und Agypten. Davon berichtet die Atlantissage - wobei Athen eine (nicht überlieferte) zentrale Rolle spielte
5. das "Atlantische Meer" war das heutige Chott-El-Dscherid in Tunesien und Algerien, das damals eine Verbindung mit dem Mittelmer hatte ("Säulen des Herakles"05-icon_wink.gif. Es ist mit dem sagenhaften "Tritonsee" (Herodot u.a.) identisch.

Damit lokalisiert er (wenig überzeugend) die Stadt Atlantis auf einem älteren Satellitenbild (das Buch ist 2004 erschienen). Wenn man diese Stelle heute auf Google Earth sucht, findet man dort viel bessere Fotos (Bir'Soltane in der Nähe der Stadt M'Sila) - aber nichts was auf Atlantis hindeutet.

Seine Überlegung zum Triton-See enthält m.E. auch einen kleinen Widerspruch. Einerseits beschreibt er dass der Tritonsee um 500-400 v.Chr. noch befahrbar war (S63) - mit enger Einfahrt und Insel (Skylax von Caryanda, 5. Jhdt. v. Chr. - Übersetzung: www.le.ac.uk/ar/gjs/skylax_for_www_02214.pdf). Andererseits wäre das Wissen um die genaue Lage der Säulen des Herakles und und zu passierenden Meerenge schon zu Herodots Zeiten in Vergessenheit geraten (S67) und deshalb das atlantische Meer seither mit dem heutigen "Atlantik" gleichgesetzt worden.

Die weiteren Ausführungen gehen in sehr detaillierte Studien zu altägyptischen Hieroglyphen und Bildern, aus denen er Details abzulesen meint, die bestätigen dass die Feinde der Ägypter eben aus dem Westen kamen, irgendwie ähnlich und verwandt waren, aber auch hellhäutig wie die Berber. In diesem Gebiet kenne ich mich überhaupt nicht aus, so dass ich das nicht weiter bewerten kann. Das englische Wikipedia scheint das aber zu bestätigen: http://en.wikipedia.org/wiki/Berber_people

Schließlich zitiert er einen Geographen (Paul Borchard) der 1927 versucht hat die in der Atlantis-Sage vorkommenden Eigennamen vor dem Hintergrund der Berbersprachen zu deuten. Meines Erachtens ist der Versuch aber gescheitert.


Dagegen geht der "Indizienbeweis" von folgendem aus:

1. die globalen Indizien lassen nur die Gegend von Agadir in Marokko übrig (hier muss m.E. die Überlegung von Hofmann zu den Chotts einfließen, da kaum anzunehmen ist dass sich die Küstenlinien in den letzten 5000 Jahren nicht verändert haben)
2. es gibt bei Agadir eine Geländestruktur, wo der Palast von Atlantis stand
3. das "atlantische Meer" ist der heutige Atlantik
4. fast alle lokalen Indizien passen

Mir scheint es nach der Analyse von Hofmann aber nicht mehr sicher ob man es sich so einfach machen kann, Atlantis nur mit der Souss-Massa-Ebene zu identifizieren. Insbesondere die Überlegungen zu einer Hochkultur die ganz Nordafrika beherrschte läßt die Souss-Massa-Ebene allenfalls als "Hauptregion" oder eine der Provinzen erscheinen. Insbesondere der "Tritonsee" würde die globalen Masken "Meerenge" und "Meernähe" und "Gebirge im Norden" verändern.

Und manche der lokale Indizien (Steinfarben, Ornamente, ...) können vor mehreren tausend Jahren auch auf andere Regionen zugetroffen haben - selbst wenn wir uns das heute kaum vorstellen können ("blühende Sahara"05-icon_wink.gif.

Dennoch habe ich den Eindruck dass die Lokalisierung bei Agadir "interessanter" ist.


Beim Lesen beider Bücher ist mir aber noch etwas aufgefallen, was die "Argan"-Theorie im "Indizienbeweis" unterstreicht (wobei zu bedenken ist dass deren Verbreitungsgebiet vor 5000 Jahren wesentlich größer gewesen sein könnte!). Und zwar die Parallele zur Argonauten-Sage ("das goldene Vlies"05-icon_wink.gif, insbesondere die Geschichte mit dem "Säen von Drachenzähnen wo Krieger draus wachsen".

Die Argonautensage ist ja eine Erzählung in der offensichtlich ältere Werke dramaturgisch aufbereitet wurden, denn die Rückreise Jasons ähnelt sehr der homerschen Odyssee. Also könnte die Grundlage der Hinreise sehr wohl die Sage des "Diebstahls der Äpfel der Hesperiden / Atlanter" gewesen sein. Auch wenn Jason aus dramaturgischen Gründen nach Kolchis nach Osten fuhr (Kaukasus & Schwarzes Meer statt Atlas & Altlantisches Meer).

Interessanterweise heisst das Drama (lt. Wikipedia): Chrysómallon Déras. Melon ist dagegen der Apfel. D.h. der Unterschied zwischen "goldenem Vlies" und "goldenem Apfel" ist anscheinend gerade mal ein mallon <-> melon.

Also scheint mir auch noch die Argonautensage aus der Atlantis-Geschichte abgeleitet zu sein.

Nun die Kernfrage: warum heisst das "Argonauten"? Nach dem Anführer "Argo". Oder ist das vielleicht eine versteckte Überlieferung des antiken Namens der "Argan"-Frucht?

Andersherum: woher hat die Frucht ihren Namen? Eventuell von lat. Argentum (über das portugiesische)? Oder kommt das lateinische Argentum von der Farbe der Argan-Frucht?

Soweit meine eigenen Spekulationen als "Atlantis-Laie".


Jetzt seid Ihr Atlantis-Profis wieder dran,

Nikolaus Schaller
Verfasst am: 18. 06. 2009 [02:45]
antimon
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Hallo Nikolaus,

vielen Dank für deine umfangreiche Antwort und, wie ich finde, positiven Bewertung meines Buches! Auch deine Überlegungen zu dem "Goldenen Vlies" vs. "Goldenen Äpfeln" finde ich sehr interessant und naheliegend (ich habe den Eindruck, wenn man ein wenig mehr an der Oberfläche griechischer Mythen kratzt, hier insbesondere Herakles, Odysseus, Perseus, Argonauten, etc. und diese hinsichtlich der Westküste Afrikas, oder konkreter, des von mir lokalisierten Ortes, der Souss-Massa Ebene in Südmarokko, untersucht, können noch viele andere Parallelen entdeckt werden). Die Perseus Sage z.B. handelt u.a. ebenfalls von einem König Atlas (aber auch faktisch von dem Gebirge Atlas), goldenen Äpfeln und Hesperieden. Auch wird hier zur Beschwichtigung des Meeresungeheuers Ketos, das immer wieder die Küste verwüstet, die schöne Andromeda geopfert. Ich denke, dieses könnte als ein Hinweis auf Tsunamis an der dortigen (äthiopischen) Küste gewertet werden (!). (Äthiopisch bedeutet übrigens sonnengebräuntes Gesicht und hat nichts mit dem heutigen Äthiopien zu tun; vgl. auch Hanno der Seefahrer). Darüber hinaus gibt es, denke ich, auch Quellen aus anderen Kulturkreisen, die eventuell das gleiche Gebiet beschreiben.

Hofmanns Buch kenne ich und finde es sehr gut (lesenswert!). Ich denke wir haben auch tatsächlich viele Gemeinsamkeiten (insbesondere, dass Atlantis sich über große Teile Nord-West Afrikas erstreckte (wie es Platon auch explizit erwähnt)). Allerdings differenziere ich zwischen Djesirat el Maghreb, der Insel des Westens, womit heute der ganze Nordwesten Afrikas gemeint ist und der Bezeichnung Insel, mit der die Berber alleine die Souss-Massa Ebene sowie deren angrenzende Täler meinen. Diese Insel ist, denke ich, das Kernland von Platos Atlantis.

Zu der Herleitung der Atlantis-Region mittels globaler Indizien hast Du geschrieben:

Antwort auf:
Zitat: (hier muss m.E. die Überlegung von Hofmann zu den Chotts einfließen, da kaum anzunehmen ist dass sich die Küstenlinien in den letzten 5000 Jahren nicht verändert haben)
und

Antwort auf:
Zitat:Insbesondere der "Tritonsee" würde die globalen Masken "Meerenge" und "Meernähe" und "Gebirge im Norden" verändern

Hier muss ich aus zwei Gründen widersprechen:

Zum einen ist es mir nicht bekannt, dass der Tritonsee wirklich mit dem Mittelmeer verbunden war (jedenfalls nicht in dem von mir betrachteten Zeitraum von 15.000 Jahren). Hier fehlen mir geologische Beweise bzw. wissenschaftlicher Konsens (ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren). Betrachtet man das Gebiet zwischen dem Chott und dem Mittelmeer in Google Earth mit Höhenangaben, findet sich keine Stelle die durchgehend tiefer als 40 m über NN ist (über 100 km in der Breite) (hier kann aber auch Google Earth die Höhendaten falsch interpolieren). Zudem: Geht man von einer Regression des Gebietes über lange Zeiträume aus, muss auch mit einem entsprechend niedrigeren Meeresspiegel gerechnet werden. D.h.: das Land war früher evtl. tiefer, aber das Meer lag vermutlich noch wesentlich tiefer.

Zum anderen beschreibt Platon die Meerenge als Verbindung zwischen einem riesigen Meer und einem kleinen Meer (wörtlich 'wie ein Hafenbecken'). Weiterhin sagt er, dass an diesem 'Hafenbecken' die Orte/Länder Tyhrrenien (heutige Toscana), Ägypten und Griechenland liegen. Folglich muss mit Hafenbecken das Mittelmeer gemeint sein. Zu suchen ist also ein Meer, das in Relation zum Mittelmeer sehr groß ist und mit diesem durch eine Meerenge verbunden ist. Das einzige Meer das diese Eigenschaft erfüllt ist der Atlantische Ozean. Der Tritonsee ist und war sicherlich niemals wesentlich größer als das Mittelmeer. Diese Herleitung kommt ohne die von Platon verwendeten Namen Atlantik und Säulen des Herakles aus. Diese Indizien treffen allerdings auf regionaler Ebene zu.


Antwort auf:
Zitat:Nun die Kernfrage: warum heisst das "Argonauten"? Nach dem Anführer "Argo". Oder ist das vielleicht eine versteckte Überlieferung des antiken Namens der "Argan"-Frucht?

Andersherum: woher hat die Frucht ihren Namen? Eventuell von lat. Argentum (über das portugiesische)? Oder kommt das lateinische Argentum von der Farbe der Argan-Frucht?

Gute Frage! Das Schiff der Argonauten hieß Argo, was übersetzt soviel wie die Schnelle bedeutet. Ob aber das berberische Argan, das griechische Argo- oder das indogermanischen *arg (s. [url "http://de.wikipedia.org/wiki/Argentum#Etymologie"]http://de.wikipedia.org/wiki/Argentum#Etymologie[/url] ) etymologisch verwandt sind kann ich auf die Schnelle 05-icon_wink.gif auch nicht sagen. Es ist aber eine weitere interessante Spur!

Soweit erst mal,
Viele Grüße
Michael


Circumstantial Evidence for Plato's Atlantis in South Morocco - A Hierarchical Constraint Satisfaction Approach: http://asalas.org
Verfasst am: 18. 06. 2009 [07:03]
hns
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Beiträge: 370
Antwort auf:
Ob aber das berberische Argan, das griechische Argo- oder das indogermanischen *arg (s. [url "http://de.wikipedia.org/wiki/Argentum#Etymologie"]http://de.wikipedia.org/wiki/Argentum#Etymologie[/url] ) etymologisch verwandt sind kann ich auf die Schnelle 05-icon_wink.gif auch nicht sagen.
Ah, ich hätte vorher auf Wikipedia schauen sollen...
Argentum ist ja gar nicht "Gold" (Aurum!) sondern "Silber". Daher würde ich eine Namensbildung von "Argan" aus einer lateinischen Wurzel ausschließen...

Zum Chott-el-Dscherid ist zu bedenken dass der Atlas ein Faltengebirge ist, d.h. das Land kann sich "sanft" um viele Meter verändern. Aber da weiss ein Geologe sicherlich mehr dazu.

Hofmann begründet das als "Binnenmeer" aber gar nicht mit Geologie sondern aus der historischen Küstenbeschreibung des Skylax (Übersetzung http://www.le.ac.uk/ar/gjs/skylax_for_www_02214.pdf ).
Zitat:
... And after this Kerkinitis, an island with a city; and by this Thapsos. Coastal voyage
from this to Thapsos of a day and half. And from Thapsos ** [and Lepteus] the Small and
Adrymetos is a great gulf inside, in which is the Small Syrtis, called Kerkinitis, much more
dangerous and hard to sail than the other Syrtis, whose circumference is 2 stades. In this Syrtis is
established the island called Tritonis with a river, Triton, and right here is a sanctuary of Athena
Tritonis. And the lake has a small mouth, and in the mouth an island is at hand; and whenever
there is an ebbing, sometimes the lake appears not to have a way to sail in. And this lake is great,
having its circumference of one thousand stades. And there live around it all the Libyans *
nation, and a city beyond towards the sun’s setting; for all these people * Libyans are said to be
fair-haired, frugal * and very beautiful. And this territory is excellent and very productive, and
they have animals both very large and very numerous; and they themselves are very rich [and
very beautiful]. And after this Syrtis is Neapolis. And the coastal voyage from Adrymetos up to
Neapolis is of a day. And after Neapolis, Hermaia, a cape with a city. The coastal voyage from
Neapolis to Hermaia is of a day and a half. And from Neapolis to the isthmus is 180 stades on
foot towards the other sea, towards Carthage. And there is a headland , through which is an
isthmus. The coastal voyage from the river, from here to Carthage, a half of a day. And the
territory of the Carthaginians is in a gulf.

Ausserdem wurde der See von einem Fluß gespeist, so dass er durchaus über Meereshöhe gelegen haben kann. Was dort bei Gabes aber "Säulen des Herkules" gewesen sein könnten (Monumentalbauten?) ist mir schleierhaft. Daher scheint mir insgesamt die "Verschiebungstheorie" der "Säulen des Herakles" durch kollektives "Vergessen" etwas seltsam.

Noch ein paar Internet-Fundstellen zu Hofmanns Überlegungen zur Göttin Neith und den westlichen Ländern:

a) In Sais hat es bis 2007 interessante Ausgrabungen gegeben, aber wegen Geldmangel wird derzeit anscheinend nicht geforscht www.dur.ac.uk/penelope.wilson/sais.html. Ich habe aber nicht mal herausfinden können ob man überhaupt weiss wo der Neith-Tempel mit der Stele stand von der Platon berichtet. Und ob vielleicht Hoffnung besteht die Bildsäule (oder zumindest Fragmente) heute noch zu finden.

b) das englische Wikipedia zum Stichwort "Berber" en.wikipedia.org/wiki/Berber_people verweist auf diese Karte en.wikipedia.org/wiki/File:Berberi_FontiEgizie.jpg wo anscheinend die Gedanken die Hofmann zum Land "Tehenu" hat in ein Bild gefasst wurden. Leider ist nicht klar wer Autor dieses Bildes auf Wikipedia ist.

Viel Erfolg beim Weiterforschen (und ich bin auf neue Erkenntnisse und Berichte gespannt),
Nikolaus



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