17.12.2017 - 01:37:08

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Der Alltag im Mittelalter
Maike Vogt-Lüerssen

Mainz: Verlag Ernst Probst 2001.
ISBN 3-935718-27-6
276 Seiten mit 129 Abbildungen
Preis: 29 €

Maike Vogt-Lüerssen gibt mit ihrem Buch über den Alltag im Mittelalter einen guten Überblick für Einsteiger in die Thematik. Sie reduziert ihre Kapitel auf die wesentlichen Aussagen und illustriert diese mit eindrücklichen Zitaten. Der interessierte Laie kann sich somit schnell einen Überblick verschaffen. Die ausgewählten Themen (Die soziale Struktur im Mittelalter/ Mode/ Burgen, Ritter und Turniere/ Essen und Trinken/ Ehe und Scheidung,Sexualität und Liebe/ Das Leben der Bauern/ Die Stadtluft macht frei/ Die Justiz/ Das Bildungssystem/ Das Gesundheitswesen/ Leben im Kloster) decken wesentliche Aspekte des Alltags im Mittelalter ab. Die Kapitel sind von unterschiedlicher Qualität. Besonders zu empfehlen sind die Kapitel zur Mode, zu Essen und Trinken, Ehe Scheidung, Liebe und Sexualität und das Gesundheitswesen.

Durch den klaren Aufbau findet sich der Leser im Buch schnell zurecht. Einzelne Kapitel sind so verfasst, dass sie sich teilweise wie Artikel aus einem Lexikon lesen. Das Buch eignet sich deshalb auch zur schnellen Information z. B. über das Thema Syphilis oder Pest. Jedem Kapitel sind Lesetipps angehängt, die eine Vertiefung in ein Thema erleichtern. In einigen Fällen werden auch lohnende Ausflugsziele und Musiktitel empfohlen. Die vielen Abbildungen und ein Glossar am Ende des Buches erleichtern das Lesen.

Wer jedoch schon tiefer in die Thematik eingestiegen ist, dem fällt bald auf, das in einigen Kapiteln fast nur Zitate aus den Bestsellern über das Mittelalter aus den Jahren zwischen 1980 und 1990 zusammengestellt wurden. Das jüngste zitierte Buch stammt von 1992. Viele gute Übersichten der letzten Jahre z. B. zu Burgen werden nicht erwähnt. Im Kapitel über das Landleben sind die Ergebnisse der Siedlungsarchäologie der letzten zwanzig Jahre nicht berücksichtigt. Statt dessen werden norddeutsche "Wohn-Stall-Scheunen-Gebäude" des späten 16. bis 19. Jahrhunderts als mittelalterliche Häuser bezeichnet (S. 147) und ein Besuch des Museumsdorf Cloppenburg empfohlen, das ebenfalls nur Gebäude des 16. bis 19. Jahrhunderts zeigt. Vereinzelt werden auch Illustrationen aus dem 16. Jahrhundert als Belege für das Mittelalter herangezogen.

Die Frühgeschichte der Stadt kommt im Kapitel "Stadtluft macht frei" zu kurz. Hier haben die Ergebnisse der Stadtarchäologie gezeigt, dass es sich bei den Gründungen im 12. Jahrhundert teilweise nur noch um reine Rechtsverleihungen handelte. Bereits in der Karolingerzeit gab es zahlreiche zentrale Marktorte mit ansässigen Handwerkern.

Kleine inhaltliche Fehler seien der Autorin verziehen: So gibt es Spangenhelme bereits im 6. Jahrhundert (S.62), Sattel und Zaumzeug im gesamten Frühmittelalter und Steigbügel seit dem 7. Jahrhundert (S.63). Für den interessierten Laien bleibt das Buch trotz dieser Mängel ein sehr empfehlenswertes Werk.

Rezension von Sven Spiong