11.12.2017 - 10:28:26

Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)

Oth, Rene:
Völker der Sonne. Versunkene Kulturen Südamerikas

Stuttgart: Theiss Verlag 2005
160 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen
ISBN 3-8062-1948-6
Preis:€ 29,90

 

Ein wunderschönes Buch über die altindianischen Kulturen Südamerikas, einen Bildband und ein Textbuch gleichermaßen legt der Theiss-Verlag aus Stuttgart hier vor. Der Autor René Oth ist ein bekannter Buchautor, der bereits mehrere Bücher auch über die nordamerikanischen Indianer publiziert hat.

Der vorliegende Titel bietet einen umfassenden Überblick über eine Vielzahl der präkolumbischen Indianerkulturen auf dem südamerikanischen Kontinent. Dabei ist auch ein sehr umfangreicher Artikel über die noch wenig erforschte Kultur von Caral vorhanden, die nunmehr als die älteste indianische Kultur ganz Amerikas gelten kann. Ebenso gut ist die Vorstellung aktueller Ausgrabungsergebnisse aus Ekuador (Kultur von Santa Ana Florida im ekuadorianischen Amazonasgebiet). Damit bietet René Oth Informationen, die dem interessierten Laien sonst nur schwer zugänglich sind. Umso bedauerlicher ist die Tatsache, dass der Autor Valdivia noch als die Wiege der amerikanischen Zivilisation bezeichnet, wobei neueste Forschungsergebnisse aus der Amazonasregion, die René Oth bekannt sein dürften, nicht zur Sprache kommen. Denn nach Roosevelt (A.C. Roosevelt u.a., 1991: Eight Millenium Pottery from a Prehistoric Shell Midden in the Brazilian Amazon. Science 254, pp. 1621-1624) dürfte die Verbreitung der Keramik von der Amazonasregion ausgegangen sein.

Davon abgesehen bietet der Text einen sehr guten Überblick über die verschiedenen südamerikanischen Kulturen, wobei der Schwerpunkt jedoch auf den Kulturen auf dem Gebiet des ehemaligen Inkareiches liegt, die kolumbianische Region nur mit den Muisca, Quimbaya und den Tairona behandelt wird. Eigentlich schade, denn gerade die Vielzahl von indianischen Kulturen im Gebiet des heutigen Kolumbien hätte es verdient, in diesem Rahmen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht zu werden. Denn neben den drei erwähnten Kulturen gab es da noch die Kultur von San Agustín, von Calima, Sinú, Colima und und und. Alle diese Kulturen hätten mit aufgenommen werden sollen, um auch zu zeigen, dass es die kulturelle Vielfalt, die für die Andenregion Peru/ Bolivien/ Ekuador aufgezeigt wird auch in anderen Gebieten gegeben hat.

Beachtlich ist der Umstand, dass der Autor nicht nur auf die kulturelle Vergangenheit der indianischen Bevölkerung Bezug nimmt, sondern dass er auch deutliche Worte zu ihrer heutigen Situation findet und deutlich artikuliert, dass er den kulturellen und historischen Hintergrund der heute politisch und ökonomisch unterdrückten indianischen Bevölkerung Amerikas aufzeigen möchte.

Im Anhang findet sich eine umfangreiche Zeittafel, die jedoch nicht alle neuen Forschungsergebnisse berücksichtigt (s.o.). Trotzdem bietet sie dem interessierten Laien einen guten Überblick über die historische Entwicklung in der Andenregion. Die Literaturhinweise sind hingegen dürftig und recht willkürlich ausgewählt.

Eine besondere Würdigung sollen die Abbildungen erfahren. Die Fotos von Paul Thibor sind geeignet, die Erläuterungen im Text zu illustrieren. Dabei sind auch viele Aufnahmen von bereits bekannten Motiven, die jedoch vom Fotografen wirklich so gut getroffen worden sind, dass man das Buch schon allein wegen der Illustrationen gerne öfter in die Hand nehmen wird.

Zum Schluss noch ein Wort zur neuen deutschen Rechtschreibung. Vielfach schreiben Autoren Fachbegriffe, die sie aus dem Spanischen oder Englischen entnehmen nicht nach der deutschen Rechtschreibung. Beispielsweise schreibt René Oth Conquistador mit C, obwohl sowohl laut DUDEN als auch laut WAHRIG der Konquistador mit K geschrieben wird! Noch problematischer wird das beim Plural des Wortes Inka. Laut DUDEN lautet der Plural Inkas, laut WAHRIG heißt es im Plural Inka, also ohne das -s. Ich persönlich bevorzuge ebenfalls die Pluralvariante ohne -s, auch für die Maya, wo es wieder die Differenz zwischen DUDEN und WAHRIG gibt. Hier gibt es nicht nur Handlungsbedarf bei den Lektoren der Verlage, sondern auch bei den verantwortlichen Redaktionen, denn auch wenn es verschiedene Nachschlagewerke zur deutschen Sprache gibt, so gibt es doch nur eine deutsche Rechtschreibung.

Rezension von Mario Koch