16.12.2017 - 19:50:00

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Tiere im Leben der alten Kulturen.
Schriftlose Kulturen, Alter Orient, Ägypten, Griechenland und Rom
Günther Lorenz

Alltag und Kultur im Altertum Band 5
Wien: Böhlau 2000.
ISBN 3-205-99244-X
432 Seiten 13,5 x 21 cm
Preis: 124.- DM / 868.- ATS / 110.- SFr

Der Autor Günther Lorenz lehrt Alte Geschichte an der Universität Innsbruck und befaßt sich seit vielen Jahren mit der Mensch-Tier-Relation in antiken Kulturen. Er veröffentlichte bisher u.a.: Die Einstellung der Griechen zum Tier (1972) - Ehrfurcht vor dem Leben der Tiere bei frühen Griechen und Römern und bei Naturvölkern ? In: F.Hampl - I.Weiler, Kritische und Vergleichende Studien zur Alten Geschichte und Universalgeschichte, 1974, 211 - 243 - Zwischen Vermenschlichung und Humanität: Das Tier in Alten Kulturen, in: Journal für Geschichte, Jg. 1990, Nr. 2, 4 - 12.

Das Buch "Tiere im Leben der alten Kulturen" ist der gelungene Versuch, das vielschichtige Thema der Mensch-Tier-Beziehung anhand althistorischer, archäologischer, archäozoologischer und philologischer Erkenntnisse in einer Gesamtdarstellung zusammenzufassen. Dabei versucht G. Lorenz, die Mensch-Tier-Beziehung als ein gemeinsames und kulturdefinierendes Element der europäisch geprägten westlichen Zivilisation zu erklären. Im Unterschied zu den bekannten Arbeiten von Jocelyn Toynbee (Tierwelt der Antike 1983) und Otto Keller (Antike Tierwelt 1963), die die einzelnen Tierarten und Gattungen in den Mittelpunkt der Betrachung stellen, möchte G. Lorenz die Mensch-Tier-Beziehung vor allem in ihren sozialen, psychologischen und kulturellen Aspekten beleuchten. Dabei setzt er den Schwerpunkt nicht auf die Nutzung der Tiere durch den Menschen, sondern versucht vielmehr, Aspekte wie "Vorstellung vom Wesen der Tiere" und "emotionale, religiöse und ethische Aspekte" darzustellen, und auf diese Weise die gedanklichen und emotionalen Grundhaltungen des Menschen gegenüber dem Tier in ihrer geschichtlichen Entwicklung plausibel zu machen.

Das Buch ist erfreulich gut gegliedert. Die drei großen Abschnitte:

  1. Die Nutzung der Tiere durch den Menschen
  2. Kenntnisse und Vorstellungen vom Leben und Wesen der Tiere
  3. Die Gefühlsbeziehung zum Tier und die ersten Ansätze zum Tierschutz

werden jeweils in sich untergliedert nach dem Schema:
Schriftlose Kulturen - Orient - Ägypten - minoisch-mykenische Welt - Griechenland - Rom.

Sehr apart präsentiert sich das Inhaltsverzeichnis, das in unterschiedlicher Ausführlichkeit gleich zweimal erscheint. Vorn im Buch findet sich an erwarteter Stelle eine vierseitige "Kurzfassung" - im Anhang folgt das ausführliche dreizehnseitige Verzeichnis, das den fehlenden generellen Index ersetzt: Nicht zuletzt angesichts des großen Seitenumfangs eine willkommene Orientierungshilfe. Zusätzlich erleichtert ein Register der Tierarten (nach deutschen Namen) das gezielte Auffinden einzelner Familien, Gattungen und Arten. Bei der großen Dichte des Textes und den umfangreichen Fußnoten hätten Abbildungen die an sich gelungene Darstellung noch ergänzen können. Ebenso wäre eine gesonderte Zusammenstellung der zahlreichen im Text zitierten antiken Schriftquellen wünschenswert und hilfreich gewesen, zumal die antiken Autoren im allgemeinen Literaturverzeichnis nicht aufgeführt sind.

Mit einem Preis von 124.- DM ist das Buch leider etwas zu teuer für den spontanen Kaufentschluß. Dennoch: "Tiere im Leben der alten Kulturen" ist interessante Lektüre und gut handhabbares Nachschlagewerk in einem und hat das Zeug, ein Klassiker zu werden.

Rezension von Sabine Schuster