16.12.2017 - 19:51:48

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Klassische Archäologie: Drei Einführungen in das Fach

Die Klassische Archäologie als 'Wissenschaft von den gegenständlichen und visuell erfaßbaren Zeugnissen' (Einleitung Borbein-Hölscher-Zanker) der griechisch-römischen Antike hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Nicht nur die Materialmenge hat sich vergrößert, auch das Fach mit seinen Inhalten, Fragestellungen und Methoden hat sich weiterentwickelt. Zunehmend steht nicht mehr das Einzelobjekt und seine kunstgeschichtliche Stellung im Vordergrund, sondern die Analyse seiner Einbindung in die Gesellschaft und die Berücksichtigung des jeweiligen historisch-politischen Kontextes. In diesem Zusammenhang fand (und findet) auch eine Öffnung gegenüber Methoden und Fragestellungen anderer Archäologien, aber auch fachfremder Wissenschaften wie der Soziologie oder Anthropologie statt. Ein Indiz für diese Veränderungen innerhalb des Faches ist nicht zuletzt das Erscheinen von drei (!) Einführungen in die Klassische Archäologie innerhalb eines Jahres. Sie alle tragen diesen Veränderungen Rechnung, freilich je nach Konzeption des Buches auf unterschiedlich ausführliche Art und Weise und mit unterschiedlicher Absicht. Sie sind dabei nicht als Einführung in die grundlegenden Materialgattungen gedacht, auch wenn immer auf diese zurückgegriffen wird, um Methoden und Fragestellungen zu erläutern.

Bergemann, Johannes
Orientierung Archäologie. Was sie kann, was sie will.

Reinbek: Rowohlt 2000
ISBN 3-499-55612-X
206 Seiten, Paperback
Preis: DM 16,90

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Entgegen des allgemein gehaltenen Titels 'Orientierung Archäologie' konzentriert sich das Buch auf die Klassische Archäologie. Andere Archäologien werden zu Beginn zwar kurz charakterisiert, doch in den folgenden Kapiteln nur gelegentlich erwähnt. Die Absichten und Adressaten der Einführung werden vom Autor klar genannt (S. 29 und 171):
Die Zielgruppe sind Schüler, Abiturienten, angehende Studierende und jüngere Kommilitoninnen und Kommilitonen. Beabsichtigt ist dabei keine Einführung in die Klassische Archäologie im Sinne eines Lehrbuches, auch soll der derzeitige Stand des Faches nicht im Rahmen einer Momentaufnahme dargelegt werden, etwa als Anhaltspunkt für Wissenschaftler naher und ferner Nachbarfächer.

Diese Ausrichtung schlägt sich deutlich im Aufbau des Buches nieder. Nach einem einleitenden Kapitel zum Selbstverständnis der Klassischen Archäologie (S. 9-31) widmet sich ein erstes ausführlicheres Kapitel dem Studium des Faches (S. 32-54). Neben einer Kurzcharakterisierung archäologischer Fächer stehen vor allem Fragen des Studienablaufs im Vordergrund. In einem Überblick werden schließlich die Gegenstände und wissenschaftlichen Methoden des Faches vorgestellt (S. 55-112), gefolgt von einem Abriss der Geschichte der Klassischen Archäologie und des sich von der Renaissance bis heute verändernden Charakters des Faches (S. 113-144). Kurzkapitel zu Berufsfeldern und -chancen (S. 145-155) sowie Überlegungen zur derzeitigen Diskussion über die Krise der Hochschulen (Finanzierung, Habilitation, veränderte Studienrealität; S. 156-163) knüpfen inhaltlich an das Kapitel über das Studium des Faches an. Ein abschließender Überblick über aktuelle Forschungstendenzen (S. 164-170) stellt in Kurzform verschiedene Richtungen vor, die in der Klassischen Archäologie derzeit vornehmlich verfolgt werden. Als Anhang beigefügt finden sich am Ende des Buches eine einführende, thematisch gegliederte Literaturliste zu einzelnen Materialbereichen und Forschungsschwerpunkten, ein Verzeichnis der Adressen der archäologischen Institute und Seminare im deutschsprachigen Raum sowie ausgewählte Internetadressen zu Linksammlungen und Institutionen.

Unter den genannten Kapiteln besonders hervorzuheben sind die dem Studium des Faches gewidmeten Abschnitte. Mit für eine Einführung in ein einzelnes Studienfach erfreulicher Ausführlichkeit geht der Autor auf zahlreiche Aspekte des Studienaufbaus und -alltags ein. Neben einer knappen Vorstellung der verschiedenen Archäologien ist es vor allem die Berücksichtigung grundlegender studientechnischer Fragen, die eine erste Orientierung über das Studium der Klassischen Archäologie an der Universität erlauben. Hierzu zählen unter anderem Erläuterungen zu Haupt- und Nebenfächern, Sprachkenntnissen, Gliederung und Organisation des Studiums, Prüfungen und Abschlüssen, aber auch die derzeitige Diskussion über neuartige Studiengänge und -abschlüsse wie den Bachelor wird vorgestellt. Hinweise zur Organisation des Faches an den Universitäten und Verweise auf Informationsangebote der Institute und Universitäten schließen das Kapitel ab.

Die umfassende Berücksichtigung des Themenbereiches 'Studium' und die Absicht des Autors, keine ausführliche Einführung in die wissenschaftlichen Methoden des Faches zu liefern, führt zwangsläufig zu Einschränkungen bei der Beschreibung der Gegenstände und Methoden des Faches, die sich oft auf eine nur kurze Vorstellung einzelner Materialgattungen oder Methoden beschränkt.
Im Vordergrund der behandelten Materialgattungen stehen die 'klassischen' Bereiche des Faches, d.h. Skulptur, Malerei und Keramik. Diese werden vor allem an Beispielen der griechischen Archaik und Klassik sowie der römischen Kaiserzeit vorgestellt. Entsprechend des in der Einleitung formulierten Anspruches, Klassische Archäologie nicht mehr als reine Kunstwissenschaft zu verstehen, werden die im Text genannten und Beispiele nicht als isolierte Kunstwerke betrachtet, sondern auch in ihrer Funktion und Stellung im Alltag der jeweiligen Epoche kurz analysiert.
Dadurch gelingt es zwar, einen kurzen Einblick in die wichtigsten Materialbereiche zu liefern, doch fällt dieser in manchen Bereichen sehr kurz aus (das Kapitel zur Kleinkunst umfaßt z.B. nur eine halbe Seite) und ist für die weitere Verwendung während des Studiums nur wenig hilfreich. Die Konzentration auf Materialgruppen, die vor allem im Grundstudium im Vordergrund stehen bringt es zudem mit sich, daß der Blick auf Bereiche verstellt wird, in denen in den letzten Jahrzehnten besondere Fortschritte erzielt wurden (z.B. die geometrische Zeit). Die vorgestellten Methoden und übergreifenden Fragestellungen folgen ebenfalls dem Anspruch einer ersten Einführung in das Fach. Jeweils kurz unter Zuhilfenahme abgebildeter Beispiele vorgestellt werden Forschungsbereiche wie die Historische Landeskunde, Heiligtümer- und Nekropolenforschung, Technikgeschichte, Topographie und Urbanistik oder auch Ökologische Archäologie. Im Überblick werden auch die wichtigsten im Grundstudium vermittelten Methoden in ihren Grundzügen erläutert: Typologie, Stil, Ikonographie, Historische Interpretation und Stratigraphie. Der einführende Charakter des Buches zeigt sich erneut in der Berücksichtigung der Themenbereiche 'Dokumentation von Objekten und Befunden' und 'Lerntechniken der Archäologiestudenten'.

Insgesamt bietet das Buch einen kompakten und problemorientierten, wenn auch stellenweise knappen Überblick über das Studienfach Klassische Archäologie. Es handelt sich jedoch nicht um eine während des gesamten Grundstudiums begleitend verwendbare Einführung, sie ist vielmehr vor allem als aktueller und informativer Ratgeber im Stadium der Studienfachwahl und des Studienbeginns nützlich. Zugleich gewährt das Buch einen Einblick in das Fach als Wissenschaft, orientiert sich dabei aber in Auswahl und Gewichtung vor allem an der Realität des Grundstudiums.
Der Text selbst zeichnet sich durch einen weitgehenden Verzicht auf spezialisierte Terminologie aus und ist auch ohne Vorkenntnisse gut lesbar. Auch wurde vom Autor auf Anmerkungsapparate verzichtet. Ausgewählte einführende bzw. grundlegende Literatur zu den im Text behandelten Materialgattungen und Stücken ist in einer separaten, thematisch gegliederten Bibliographie zusammengestellt, die meisten angeführten Titel sind zudem kurz kommentiert. Für die weitere Informationssuche wertvoll sind die separat in einem Anhang aufgelisteten Adressen aller archäologischen Institute an Universitäten des deutschsprachigen Raums (mit e-mail-Adressen der dortigen Ansprechpartner). Die Liste umfaßt dabei nicht nur die Institute für Klassische Archäologie, sondern auch solche anderer Archäologien wie der Vor- und Frühgeschichte, der Vorderasiatischen, Christlichen und Provinzialrömischen Archäologie und der Ägyptologie. Eine ausgewählte Liste von Internetadressen weiterer archäologischer Institutionen, Projekte und Linksammlungen erlaubt die eigenständige Informationssuche im Netz.

Ein inhaltlich vergleichbares einführendes Buch gab es für das Fach Klassische Archäologie in dieser kurzen, allgemeinverständlichen und auf den Studienalltag bezogenen Art bisher nicht. Nicht zuletzt in Anbetracht des geringen Preises ist es eine lohnende Lektüre zur Orientierung bei der Studienfachwahl, aber auch noch zu Beginn des Studiums.

Sinn, Ulrich
Einführung in die Klassische Archäologie

München: C.H. Beck 2000
ISBN 3-406-45401-1
239 Seiten, Paperback
Preis: DM 39,80

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Auch hier werden Zielgruppe und Absichten eindeutig im Vorwort formuliert. Neben der Einführung in Inhalte und Methoden der Klassischen Archäologie soll das Buch als Entscheidungshilfe für diejenigen dienen, die mit einem Studium des Faches liebäugeln, aber auch als studienbegleitendes Buch noch von Wert sein.
Der Aufbau und die Ausführlichkeit einzelner Kapitel spiegeln dieses Vorhaben wider. Eine ausführliche Darlegung des geographischen und zeitlichen Arbeitsbereiches des Faches (S. 16-32), ein Kapitel über andere Archäologien und ihr Verhältnis zur Klassischen Archäologie (S. 33-40) und ein Abschnitt über die Arbeitsweisen und Hilfsmittel (S. 41-73) geben eine erste grundlegende Einführung in zentrale Bereiche der Wissenschaft. Den Kern des Buches bildet ein Kapitel zu charakteristischen Fragestellungen und methodischen Vorgehensweisen, vorgeführt an 24 Fallbeispielen (S. 74-191). Fragen des Studiums bzw. der Ausbildung und der Berufsfelder finden in den zwei folgenden Kapiteln Berücksichtigung (S. 192-212, S. 213-221). Eine kurze Vorstellung dreier für die Klassische Archäologie wichtiger Institutionen (S. 222-225) schließt das Buch ab.

In ihrer Ausführlichkeit hervorzuheben ist die Darlegung des Arbeitsbereiches der Klassischen Archäologie. Dies betrifft insbesondere die im Fach behandelten Epochen der Antike von der minoisch-mykenischen Bronzezeit bis in die späte römische Kaiserzeit. Jede der vorgestellten Epochen ist ergänzt um eine Kurzcharakterisierung des historischen und politischen Rahmens und eine umfassende Bibliographie zur Geschichte der Epoche und den im Text als Beispielen für diese Epoche angeführten Monumenten und Forschungstendenzen.
In Anbetracht des Umfanges, in dem allein die (nicht als zentrale Epoche des Faches anzusehende) mykenisch-minoische Epoche vorgestellt wird, irritiert jedoch die knappe Beschreibung der römischen Kaiserzeit. Die historische Charakterisierung beschränkt sich auf die Phase der Etablierung der Herrschaft des Augustus, die Angaben zur Zeit danach (bis 305 n.Chr.) konzentrieren sich auf die stichwortartige Nennung und zeitliche Einordnung der einzelnen Dynastien, ohne jedoch auf weitere historische Veränderungen oder neue Arten kaiserlicher Monumente einzugehen.

Als Orientierung hilfreich ist die Vorstellung anderer Archäologien (Vor- und Frühgeschichte, Provinzialrömische Archäologie, Christliche Archäologie) und der Stellung der Klassischen Archäologie im Vergleich zu diesen. Kurz und prägnant werden Unterschiede in Ausgangsbasis, Methoden und Einschränkungen der Fächer erläutert, aber auch Defizite der Klassischen Archäologie genannt (z.B. beim behandelten Material und den damit verbundenen Einschränkungen bezüglich der erfaßbaren Bevölkerungsschichten).

Die Darstellung der Arbeitsweise und Hilfsmittel konzentriert sich im wesentlichen auf die Einführung in drei Bereiche: Die Ermittlung der Zeitstellung der Objekte, die Ermittlung ihrer Aussage und Funktion sowie die Feldforschung.
Im Zentrum des Kapitels über die Zeitstellung stehen chronologische Grundlagen. Hierzu zählt eine problemorientierte Einführung in den Bereich der absoluten Chronologie, d.h. der Datengewinnung anhand antiker Quellen oder mit Hilfe naturwissenschaftlicher Methoden, die jedoch nur in Form der Radiokarbon-Methode und Dendrochronologie als den zwei wohl bekanntesten Möglichkeiten knapp vorgestellt werden. Die Darstellung der relativen Chronologie konzentriert sich vor allem auf die Stil- und Formanalyse, erläutert an Beispielen aus den Materialbereichen Keramik, Vasenmalerei und Skulptur. Nicht berücksichtigt werden hingegen zur Zeitbestimmung heranziehbare statistische Verfahren, wie sie etwa in der Ur- und Frühgeschichte angewendet werden.
Die zur Ermittlung der Aussage und Funktion vorgestellten Methoden entsprechen der Bedeutung, welche die Klassische Archäologie der Untersuchung von Bildwerken beimißt. Die nur knappe Einführung in Ikonographie, Ikonologie und Typologie enttäuscht zunächst, wird aber durch das folgende Kapitel über charakteristische Fragestellungen des Faches mehr als kompensiert.
Ausführlicher fällt der Überblick über verschiedene Bereiche der Feldforschung aus. Kurz vorgestellt werden die Methoden und Grundlagen von Ausgrabung, Survey, Luftbildarchäologie und geophysikalische Prospektion sowie Unterwasserarchäologie.

Einen umfassenden Einblick in das Spektrum der in der Klassischen Archäologie verfolgten Fragen und Ansätze erlaubt das umfangreichste Kapitel des Buches, gewidmet den charakteristischen Fragestellungen, Materialbereichen und Methoden der Wissenschaft.
Diese werden nicht einzeln vorgestellt, sondern anhand von 24 Einzelbeispielen referiert und mitsamt ihrer Problematik erläutert. Die gewählten Beispiele (mehrheitlich Bildwerke) repräsentieren nahezu alle Epochen und zahlreiche Materialgattungen, Themenbereiche sowie zentrale Methoden des Faches, auch wenn einzelne Bereiche dabei zwangsläufig unberücksichtigt bleiben. Die vorgestellten Stücke dienen jeweils als Ausgangspunkt für weiterführende Erläuterungen und Lösungsansätze, die in der Klassischen Archäologie in den letzten Jahrzehnten entwickelt und verfolgt wurden.
Dabei steht bei jedem der Beispiele nicht das Einzelstück als Kunstwerk im Vordergrund, vielmehr wird es als charakteristisches Erzeugnis seiner Epoche kritisch analysiert. Auch beschränkt sich die Auswahl nicht auf herausragende 'Klassiker' des Faches (wie sie z.B. durch den sog. Thermenherrscher oder die Reliefs vom Grab der Haterier repräsentiert werden), sondern umfaßt auch 'durchschnittliche' Beispiele einer Gattung (z.B. eine Bronzekanne mit Schlachtdarstellung oder ein attisches Gutshaus) oder solche, deren Neufund oder erneute Untersuchung auf der Basis einer veränderten Materiallage zur Revision und Korrektur bislang bestehender Forschungsmeinungen geführt hat (Stuckrelief aus Knossos, sog. 'Trauernde Penelope' aus Persepolis).
Der Verzicht auf eine ausführliche Darlegungen der einzelnen vorgeführten Methoden und Ansätze in Form einer theoretischen Einführung mag zunächst irritieren, doch führt die exemplarische und überdies verständlich vermittelte Anwendung im Rahmen der Fallbeispiele zu großer Anschaulichkeit.

Ausführlich und konstruktiv führt der Autor in Grundfragen der Hochschulausbildung ein. Das Kapitel widmet sich wichtigen studientechnischen Bereichen, etwa der richtigen Studienortwahl, den verschiedenen Veranstaltungstypen und ihren Anforderungen, Grund- und Hauptstudium, Prüfungen, Praktika, Uniwechsel oder Auslandsaufenthalten.
Interessant in Anbetracht derzeit laufender Überlegungen zu neuen Studienformen ist ein eigenes Kapitel zu Baccalaureus-Studiengängen und ein äußerst konkretes Modell des Aufbaus eines derartigen Studiums, doch ist zu beachten, daß sich derartige Studiengänge noch in der Planungsphase befinden und noch nicht zum universitären Alltag gehören.

Ein Manko gerade hinsichtlich der vom Autor oft betonten Notwendigkeit (und Möglichkeit), sich vor der Studienfach- und Studienortwahl eigenständig über zahlreiche Aspekte des Studiums zu informieren stellt das Fehlen einer Liste möglicher Informationsquellen dar. Dies betrifft sowohl Adressen der Institute mit ihren Ansprechpartnern für studientechnische Fragen als auch ausgewählte Internetadressen zu einzelnen Institutionen oder Projekten, die einen Einblick in das Fach ermöglichen könnten. In Anbetracht der oft betonten zunehmenden Bedeutung der neuen Medien im Studien- und Wissenschaftsalltag überrascht zudem das Fehlen eines Abschnittes zu diesem Bereich.

Bei der Beurteilung des Buches besonders positiv hervorzuheben ist die Fülle der vom Autor zusammengestellten ein- und weiterführenden Literatur. Diese ist nicht textbegleitend in Form von Anmerkungen zitiert, sondern findet sich thematisch gegliedert im Anschluß an einzelne Kapitel und Abschnitte. Bei der Auswahl berücksichtigt wurden nicht nur Werke, die sich auf im Text genannte Einzelstücke oder -aspekte beziehen, sondern auch solche, die sich damit zusammenhängenden übergreifenden Fragestellungen und Methoden, Materialgattungen und dem jeweiligen historischen und gesellschaftlichen Hintergrund widmen.

Insgesamt deckt das Buch zahlreiche Bereiche der Klassischen Archäologie ab. Es konzentriert sich dabei aber nicht nur auf das Fach als Wissenschaft, sondern berücksichtigt auch ausführlich Fragen des Studiums. Der Versuch, die wissenschaftliche Bandbreite des Faches an 24 kurzen Fallstudien exemplarisch vorzustellen, ist gelungen. Die Beiträge berücksichtigen ein breites Spektrum an Material, Methoden und Fragestellungen und sind nicht nur für Studienanfänger lesenswert. Überdies ist das Buch durchweg verständlich geschrieben, vor allem die Einzelbeispiele sind mitsamt ihrer Problematik anschaulich referiert und diskutiert und vermeiden gelungen den Eindruck, Klassische Archäologie sei eine Lehrbuchwissenschaft. In seiner Ausführlichkeit ist diese Einführung nicht allein als Orientierung in der Phase der Studienfachwahl geeignet, sondern auch noch während des Grundstudiums von Nutzen.

Borbein, Adolf H./ Hölscher, Tonio/ Zanker, Paul (Hrsg.)
Klassische Archäologie - Eine Einführung

Berlin: Dietrich Reimer Verlag 2000
ISBN 3-496-02645-6
382 Seiten, Hardcover
Preis: DM 68,00

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Das Buch verfolgt ein anderes Konzept als die beiden bisher vorgestellten Einführungen in die Klassische Archäologie. Absicht der Herausgeber war es, einen möglichst weiten Einblick in die theoretischen Konzepte und praktischen Tätigkeiten, die Leistungen und Defizite der Klassischen Archäologie zu eröffnen. Die Einführung wendet sich in erster Linie nicht an Studienanfänger, die eine Anleitung zum Studium suchen, sondern an alle, die sich über die wissenschaftlichen Möglichkeiten des Fachs orientieren wollen (S. 19).
Im Gegensatz zu den bereits vorgestellten Einführungen stammt das Buch nicht aus der Feder eines einzigen Autors, sondern enthält eine 384 Seiten umfassende Auswahl von 21 Beiträgen zu zentralen Aspekten, Methoden, Inhalten und Forschungstendenzen des Faches.
Die einzelnen Beiträge wurden von Wissenschaftlern unterschiedlicher Nationalität verfaßt, die durch langjährige Arbeit und Forschung in dem jeweiligen Bereich bekannt sind. Sofern es sich um Beiträge von Wissenschaftlern aus anderen Ländern handelt, wurden diese ins Deutsche übersetzt.
Die vorgestellten Themenbereiche umfassen die Erschließung, Sicherung und Präsentation des archäologischen Materials (S. 23-106), die Bildwerke selbst (S. 107-226), Kulturelle Räume (S. 227-344) sowie einen Abschnitt zur Klassischen Archäologie in Frankreich und den angelsächsichen Ländern (S. 347-382). Eine ausführliche kritische und engagierte Einführung in das Selbstverständnis des Faches und seiner Wissenschaftgeschichte ist dem Buch einleitend vorangestellt.

Die Auswahl und Vielfalt der berücksichtigten Methoden und Forschungsschwerpunkte zeigt eine kurze Auflistung der Beiträge, die sich folgenden Themen widmen:
Der Abschnitt über die Erschließung, Sicherung und Präsentation des Materials: Ausgrabungen und archäologische Geländeerkundungen; Historische Landeskunde; Klassische Archäologie und Denkmalpflege; Formen der digitalen Veröffentlichung; Antiken-Museen; Archäologie, Tourismus und Gesellschaft. Der Themenbereich 'Bildwerke' stellt Methoden, Fragestellungen und Interpretationsmöglichkeiten vor, die vor allem in den letzten Jahrzehnten im Mittelpunkt der Forschung standen: Formanalyse; Kunst und Material; Bildwerke: Darstellungen, Funktionen, Botschaften; Repräsentation; Gender Studies; Bild-Räume und Betrachter im kaiserzeitlichen Rom. Der Komplex 'Kulturelle Räume' umfasst einführende Beiträge über Archäologische Stadtforschung; Klassische Bauforschung; Archäologie der Heiligtümer; Archäologie und Religion; Archäologie der Gräber: Tod und Grabritus sowie die Archäologie des Handels. Das abschließende Kapitel 'Neue Wege in anderen Ländern' erlaubt mit seinen Beiträgen zur Archäologie in den angelsächsischen Ländern und zu Tradition und Erneuerung in der Klassischen Archäologie in Frankreich einen Einblick in Wesenszüge und Unterschiede des Faches in diesen Ländern.

Im Gegensatz zu der Einführung von U. Sinn werden die einzelnen Themen und Methoden nicht ausgehend von einem Einzelbeispiel vorgestellt, sondern unter Rückgriff auf zahlreiche Beispiele vorgestellt und erläutert. Im Vordergrund stehen dabei (entsprechend der Forschungsschwerpunkte des Fachs) vor allem Bildwerke.
Die Beiträge sind erfreulich ausführlich und anspruchsvoll, doch kann die Spezialisierung einzelner Wissenschaftler auch zu inhaltlichen Einschränkungen führen. So widmet sich beispielsweise der Beitrag zur archäologischen Stadtforschung nahezu ausschließlich der griechischen Stadt in Unteritalien, während sich das (vergleichsweise kurze) Kapitel zur Archäologie der Heiligtümer vor allem auf das griechische Heiligtum der Archaik und Klassik und seine Bestandteile konzentriert.

Hinsichtlich der weiterführenden Literatur zu jedem Beitrag folgen die Autoren keiner einheitlichen Praxis. Die meisten Texte verfügen über Anmerkungen und eine einführende, oft thematisch gegliederte und unterschiedlich ausführliche Literaturliste am Ende des Beitrages. Manche Beiträge verzichten auf Anmerkungen im Text, andere wiederum auf eine separate Literaturliste, so daß einführende Literatur nur über die Anmerkungen erschließbar ist.

Die Konzentration auf die wissenschaftlich-methodische Seite macht das Buch in diesem Bereich zu der inhaltlich ausführlichsten und vielfältigsten der drei Einführungen. Die Darstellung der Wissenschaft und ihrer möglichen Bandbreite sprengt dabei mitunter den konventionellen Rahmen, beispielsweise durch die Aufnahme eines Beitrages zu Gender Studies, einer in der deutschen Klassischen Archäologie nur wenig berücksichtigten Forschungsrichtung oder durch die Berücksichtigung des Phänomens der Repräsentation in den antiken Gesellschaften mit einem eigenen Beitrag.

Entsprechend der Zielsetzung der Herausgeber weist das Buch keine einführenden Kapitel zu Chronologie, Epochen oder Materialgattungen auf. Fragen zu studientechnischen Aspekten werden nicht berücksichtigt, zudem fehlen weiterführende Hinweise oder Adressen zur selbständigen Suche nach derartigen Informationen.
Auch die zahlreichen textbegleitend in den Anmerkungen des Beitrages über Formen digitaler Veröffentlichung genannten Internetadressen folgen dieser Ausrichtung des Buches: Sie beinhalten keine Seiten zum Studium oder zu einzelnen Instituten, sondern konzentrieren sich auf solche wissenschaftlichen Charakters.

In dieser Konzentration handelt es sich um die ausführlichste der vorgestellten Einführungen; die Anforderungen an den Leser sind teilweise jedoch hoch, gerade für Studienanfänger. So bleibt die in den einzelnen Beiträgen verwendete Terminologie oft unerklärt und dürfte in vielen Fällen für 'Totalanfänger' kaum verständlich sein.
Auch der hohe Preis wirkt zunächst abschreckend, doch besitzt das Buch einen bleibenden Wert, es ist anspruchsvoll, ausführlich und lesenswert nicht nur als einführende Lektüre während des Grundstudiums, sondern auch noch danach oder aber für Studierende einer Nachbarwissenschaft. Hingegen ist es als Einführung für Interessierte, die ohne jedes Vorwissen vor der Studienfachwahl stehen nur bedingt geeignet, da Fragen zum Studium selbst nicht berücksichtigt werden und das inhaltliche Niveau z.T. zu hoch sein dürfte.

Insgesamt bietet das Buch jedoch eine anspruchsvolle, ausführliche und auch längerfristig nützliche Einführung in den aktuellen Stand der Wissenschaft 'Klassische Archäologie'.

Resümee

Die drei vorgestellten Bücher unterscheiden sich z.T. erheblich in Absicht, inhaltlicher Gewichtung und Zielgruppe und sind folglich nur bedingt direkt vergleichbar. Sie alle wollen (und können) nicht als Lehrbuch verstanden werden. Ihr gemeinsames Ziel ist es vielmehr, auf unterschiedlich ausführliche Weise das Fach Klassische Archäologie mit seinen aktuellen Fragestellungen, Methoden und Zielen vorzustellen. Dies geschieht vor allem unter Heranziehung von Bildwerken im weiteren Sinne und Architektur. Alltagsgegenstände und Kleinfunde werden zwar bisweilen berücksichtigt, sind jedoch nicht von zentraler Bedeutung wie etwa in der Provinzialrömischen Archäologie oder Vor- und Frühgeschichte. Berücksichtigt man die Unterschiede zu den benachbarten Archäologien in Methode, Materialbasis und Quellenlage, so vermitteln die drei Einführungen ein interessantes und anschauliches (wenn auch unterschiedlich ausführliches) Bild von der möglichen Bandbreite aktueller klassisch-archäologischer Fragestellungen und Methoden.
Große Unterschiede bestehen hingegen in der Zielgruppe (und somit in der Auswahl der berücksichtigten Themenbereiche). Während die Einführung von J. Bergemann vor allem als leicht verständliche Orientierung vor dem Studium bzw. in der ersten Phase des Studiums geeignet ist, so eignet sich die Einführung von A. Borbein, P. Zanker und T. Hölscher mit ihrer Konzentration auf die wissenschaftliche Seite des Faches nur bedingt hierfür. Das Spektrum, die Ausführlichkeit und das hohe Niveau der Beiträge machen das Buch aber vor allem während des Studiums und für interessierte Außenstehende zur lohnenden Lektüre. Eine Mittelstellung nimmt die Einführung von U. Sinn ein. Sie bietet eine ausführliche Einführung in Fragen des Studiums, vermittelt aber auch einen anschaulichen und vielfältigen Überblick über Methoden und Ansätze des Faches.

Rezension von Patric-Alexander Kreuz