11.12.2017 - 10:15:20

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Becker, Frank Stefan
Der Abend des Adlers

München: Herbig Verlag, 2004
Gebunden, 456 Seiten, zwei Landkarten, Zeittabelle, Glossar, Nachwort mit Fotos
ISBN 3-7766-2387-X
Preis: € 22,90

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Dieser fesselnde historische Roman spielt zwischen 259 und 275 n. Chr. – in einer Zeit, an die sich bisher kaum ein Romanautor gewagt hat. Dabei bilden Ereignisse wie der Limesfall, Postumus’ Machtergreifung, die Gefangennahme Kaiser Valerians durch den Perserkönig Schapur sowie der Kampf zwischen Kaiser Aurelian und Königin Zenobia von Palmyra doch einen (dem breiten Publikum unbekannten) dramatischen Hintergrund. Wegen der bruchstückhaften Quellenlage erfordert eine realistische und detailgetreue Darstellung hier jedoch eine gründliche Recherchearbeit, die das heutige Südwestdeutschland ebenso wie Rom und den Nahen Osten umfasst. Dieser Mühe hat sich der Autor unterzogen– gleichgültig, ob es sich um Lopodunum bei Heidelberg, die römische Villa bei Hechingen/Stein, Augst (CH), Rom, Baalbek, Palmyra, Babylon oder Bischapur handelt, ob das Alltagsleben auf dem Gutshof oder historische Figuren wie Aurelian und Zenobia beschrieben werden.

Dass trotzdem das Buch nicht trocken oder belehrend wirkt, dass die Charaktere menschlich und lebendig sind, macht seine zweite Stärke aus. Kurz zum Inhalt: 259. n. Chr. werden der Limes und sein Hinterland überrannt, in Ladenburg die kostbaren Bronzeteile eines Tempelportals versteckt. Neun Jahre später macht sich der junge Römer Flavius vom Landgut seines Onkels bei Trier auf, diesen Schatz zu bergen und seine in den Kriegswirren verschollenen Eltern zu finden. Begleitet wird er von seinem Freund Ulixes Aquila, einem als Coeparius (reisender Händler) getarnten Agenten des Kaisers in Rom. Die Schatzsuche schlägt fehl (notwendigerweise, wurde das Portal doch 1973 entdeckt), Flavius gerät im ehemaligen Dekumatland in Gefangenschaft, kann nach Augst flüchten und gelangt von dort nach Rom, wo er Ulixes wieder trifft. Dieser erhält von Kaiser Aurelian einen brisanten Auftrag: Nach Palmyra zu reisen, um Zenobia ein geheimes Angebot zu machen. Für Flavius bietet sich damit die Möglichkeit, seinen Traum zu verwirklichen: Herauszufinden, was mit seinem Vater geschah, der mit Valerians Heer in Gefangenschaft geriet. Er ahnt nicht, auf was er sich da einlässt …(mehr sei hier nicht verraten).

Ein empfehlenswertes Buch, das zahlreiche, ungewöhnliche Fakten aus der Antike in spannende Unterhaltung verpackt. Selbst für Fachleute bemerkenswert sind die s/w Fotos im Anhang, die z.B. die Existenz römischer Schaufelradschiffe, Taschenmesser, Kugellager oder Hufeisenbögen dokumentieren. (Auch für Jugendliche ab ca. 14 Jahren geeignet).

Rezension von Michael Egger