23.05.2017 - 12:52:11

Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)

Auler, Jost
Hundejunge und Blumenmond.
Eine Jugenderzählung aus der Mittleren Steinzeit

Norderstedt: Libri-Verlag 2000
ISBN 3 89811 567 4 (Libri-Nr. 2831716)
59 Seiten, 8 Abbildungen. Nachwort, Chronologie-Tafel und Literaturliste des Autoren
Preis: DM 19,80

Dieses Buch bei amazon.de bestellen

In seinem Jugendbuch "Hundejunge und Blumenmond" entwirft der Archäologe und Historiker Jost Auler ein auf archäologischen Funden basierendes Lebensbild mesolithischer Wildbeutergruppen in einer Zeit, als bereits erste Bauern beginnen, in Mitteleuropa zu siedeln.

"Hundejunge", ein Jugendlicher, lebt in einer kleinen Hütten- und Zeltsiedlung auf einer Niederterrasse des Rheins. Jagd und Fischfang bestimmen seinen Alltag. Eines Abends bringt ein Bote Unruhe in das Leben der Siedlungsgemeinschaft. Er berichtet von fremden Menschen, die immer tiefer in das Land der Jäger eindringen, Wälder roden und Häuser bauen. Der Schamane und der Anführer der Gruppe berufen eine Versammlung der Männer und Frauen ein und unterrichten diese über die beobachtete Lebensweise der Fremden, die sich in so vielen Bereichen von jener der Wildbeuter unterscheidet. Da er nicht weiß, "warum diese in die Wälder vordrangen und ob sie friedlich gestimmt waren" ermahnt der Anführer die Jäger dazu, "Begegnungen mit diesen Menschen einer anderen Lebenswelt unbedingt zu vermeiden" (S. 29). Da die Lagerbewohner auch nach einiger Zeit noch unsicher sind, wie sie sich den Bauern gegenüber verhalten sollen, entschließen sie sich, deren Dorf und ihre Lebensweise selbst zu erkunden. Es kommt zu einer friedlichen Begegnung mit einem Bauern, der ihnen ein geschliffenes Beil schenkt. Erneute Beratungen zwischen Anführer, Schamane und den Erwachsenen unter den Wildbeutern führen dennoch zu dem Entschluss, "den einwandernden Siedlern und damit auch möglichen Auseinandersetzungen auszuweichen" (S. 47). Hütten und Zelte werden abgebaut, und die Gemeinschaft zieht in Richtung Norden. "Hand in Hand" gehen "Hundejunge" und seine Freundin "Blumenmond" "einer gemeinsamen friedlichen Zukunft entgegen" (S. 50).

Eingebettet in diese Geschichte begegnen den Leserinnen und Lesern eine Vielzahl an soliden Informationen über das Leben und die Sachkultur von Wildbeutergruppen und ersten Bauern in der Übergangszeit vom Mesolithikum zum Neolithikum. Siedlungsweisen, Kleidung und Schmuck, Waffen und Gerät, Jagd und Fischfang, Hausbau und Feldbau kommen ebenso zur Sprache wie Sozialstrukturen und Aspekte der Religion.
Die Schilderungen beruhen dabei größtenteils auf allgemeinen Erkenntnissen der Archäologie zur Urgeschichte in Mitteleuropa. Angeregt wurde das Buch besonders durch konkrete Funde und Befunde des Rheinlandes wie etwa dem mittelsteinzeitlichen Siedlungsplatz 'Gohr 6' bei Dormagen, Kreis Neuss, an dessen Erforschung der Autor selbst beteiligt ist, dem Teilskelett eines Urs von Dormagen-Straberg und der bandkeramischen Siedlung mit einem Holzbrunnen von Erkelenz-Kückhoven.
In einem "Nachwort an die junge Leserschaft" (S. 51) und einem "Epilog für die Eltern" (S. 52-54), der durch eine chronologische Übersicht über die beschriebene Zeit und durch eine Literaturliste ergänzt wird, beschreibt der Autor den archäologischen Hintergrund der Erzählung.

Während das Buch aufgrund seines dichten Informationsgehaltes sehr zu empfehlen ist, werden manche Leserinnen und Leser in literarischer Hinsicht vielleicht einen stringenten Spannungsbogen vermissen und bemerken, dass die Fülle an Details zuweilen Sprach- und Handlungsfluss stört. Auch könnten Druckbild und Umschlaggestaltung (Paperback) verbessert werden.

Dennoch eignet sich die Erzählung, eben wegen seiner wissenschaftlichen Genauigkeit, nicht nur als Lektüre mit Sachbuchcharakter für archäologisch interessierte Laien, sondern vor allem auch als Arbeitsmaterial zur lebendigen Vermittlung von Ur- und Frühgeschichte an Kinder und Jugendliche in der Schule und im Bereich der musealen Öffentlichkeitsarbeit.

Jost Auler arbeitet derzeit an einem Fortsetzungsband zu seiner Erzählung, der zusammen mit "Hundejunge und Blumenmond" unter dem Titel "Die letzten Steinzeitjäger" in gebundener Form erscheinen soll.

Anmerkung: Es sei noch auf die Form der Publikation hingewiesen, bei der es sich um das Prinzip "Books on demand" handelt. Das Buch wird im Libri-Verlag (www.bod.de) auf Nachfrage des Buchhandels hin gedruckt und kann noch am selben Tag ausgeliefert werden. Durch geringe Produktionskosten ist bereits der Druck von Kleinstauflagen möglich, gleichzeitig ist das Buch über Jahre hinaus lieferbar.

Rezension von Miriam Sénécheau