15.12.2017 - 20:44:40

Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)

Atlas der Frühgeschichte. Von den Anfängen der Menschheit bis zur Antike

München: United Soft Media 1998
ISBN 3 8032 9025 2
CD-ROM für Windows und Mac OS
Preis: 79,90 DM

Der Atlas der Frühgeschichte will einen Überblick über die Geschichte des gesamten Erdkreises geben und umfaßt einen Zeitraum von den Anfängen der Menschheit bis zum Ende des Römischen Reiches um 500 n. Chr. Um ein ausgewogenes Bild von der Geschichte der einzelnen Gebiete zu geben, wird die Erde in acht Regionen gegliedert (Europa, Westasien, Südasien, Ostasien, Afrika, Nordamerika, Mittelamerika und Südamerika) und deren geschichtliche Entwicklung anhand von insgesamt 44 bedeutenden Zivilisationen illustriert.

Der Atlas der Frühgeschichte besteht aus verschiedenen Funktionsbereichen. Den Kernbereich bildet der Überblick über die geschichtlichen Entwicklung auf der ganzen Welt. Auf einer Zeitleiste kann man aus den 44 hier dargestellten Zivilisationen auswählen. Ein gesprochenes Einführungskapitel zu jeder Zivilisation stellt Entwicklung und Zusammenhänge dar. Weitere Erläuterungen zu verschiedenen thematischen Aspekten einer Zivilisation wie Religion, Handwerk und Handel können von einer Übersicht aus angesteuert werden, zu der man nach dieser Einführung automatisch gelangt. Hier werden Leben und Gesellschaft sowie Verbindungen zu anderen Zivilisationen ausführlicher und anschaulich mittels zahlreicher Abbildungen von Funden und Tonbeispielen erläutert.

Gleichzeitig können von dieser Übersicht aus auch die in der Einführung gezeigten Verbreitungskarten wieder aufgerufen und eingehender betrachtet werden. Leider sind die Texte zu ihnen etwas kurz und oberflächlich ausgefallen, Entwicklungszusammenhänge dürften für Laien nur schwer nachvollziehbar sein. Neben den Verbreitungskarten werden jeweils typische Artefakte einer Zivilisation gezeigt. Auch hier sind die dazugehörigen Texte wenig informativ und verschweigen sogar, was genau abgebildet ist.

In der Umsetzung sehr gelungen ist der Funktionsbereich der virtuellen Ausgrabungen. 11 Fundorte bedeutender Grabanlagen, darunter z.B. eine Bestattung auf dem Königsfriedhof von Ur, das Grab von Hochdorf sowie die Nekropolen von Pazyryk und Sipan, stehen hier zur Auswahl. Indem man sich Schritt für Schritt der Grabkammer nähert, das Grab aufdeckt, wird sowohl der Aufbau einer solchen Begräbnisstätte als auch die Ausgrabungstechnik der Archäologen plastisch vor Augen geführt.

Ebenfalls ansprechend und anschaulich ist der Funktionsbereich der virtuellen 3D-Nachbildungen. Hier können sieben Nachbildungen antiker Bauwerke virtuell begangen werden, darunter z.B. die berühmte Siedlung Catal Hüyük oder das Grab der Nefertari, einer der Gemahlinnen des ägyptischen Pharaos Ramses II. Hier kann man sich in den vielen Räumen der Grabanlage umsehen, dort einzelne Häuser betreten, und immer, wenn sich der Mauszeiger in einen Pfeil verwandelt, gezielte Erläuterungen zu einzelnen Gegenständen und Aspekten des Siedlungslebens bzw. Bestattungsritus abrufen.

Ein eigener Funktionsbereich ist der Darstellung antiker Musikinstrumente gewidmet. Auf anschauliche Weise werden hier verschiedene Instrumente vorgestellt, u.a. eine römische Orgel, verschiedene Leiern und bronzezeitliche Luren. Neben der Erwähnung der wichtigsten Fundstücke vermitteln Tonbeispiele einen Eindruck vom Klang und Tonumfang dieser Instrumente. Dazu können zahlreiche Musikbeispiele abgerufen werden.

Der Atlas der Frühgeschichte ist ursprünglich ein englisches Projekt, konzipiert von Wissenschaftlern der Universität Cambridge, das ins Deutsche übersetzt wurde. Etwas mehr Sorgfalt hätte man bei der Übersetzung aus dem Englischen auf die Überprüfung der Orts- und Eigennamen verwenden können; so ist z.B. aus der Heuneburg ein Heuneberg geworden.

Etwas spärlich ist leider auch das Begleitheft zum Atlas der Frühgeschichte ausgefallen. Das dünne Heftchen erklärt nur ganz grob die wesentlichen Inhalte der CD-ROM. Hier fällt auf, daß nicht alle Funktionsbereiche erläutert sind und der Umfang der CD-ROM somit unklar bleibt. So ist zwar zu erkennen, daß es einen Funktionsbereich Alltagsleben gibt, was sich aber dahinter verbirgt, wird an keiner Stelle erklärt. Muß man also ausprobieren und sich überraschen lassen. Das gleiche gilt für den Bereich der virtuellen Ausgrabungen und den Musikbereich.

Fazit: Insgesamt handelt es sich beim Atlas der Frühgeschichte um eine umfangreiche und vielseitige Übersicht über die Entwicklung prähistorischer und antiker Zivilisationen. Die einzelnen Kapitel vermitteln ein gutes Basiswissen, korrigieren einige verbreitete Vorurteile und machen hoffentlich neugierig, sich mit der Entwicklung der Menschheit und den Errungenschaften menschlicher Zivilisation eingehender zu befassen. Dabei begeistern vor allem die interaktiven Funktionsbereiche der 3D-Rundgänge, virtuellen Ausgrabungen und der wirklich gelungene Musikinstrumenten-Teil.

Rezension von Susanne Senz